Tochter geschlagen?

Zeugin: "Für mich ist das ein abgekartetes Spiel"

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Altötting - Hat er oder hat er nicht? Ein Vater wehrt sich vor Gericht gegen den Vorwurf seiner Tochter, er habe sie geschlagen. Eine Zeugin entlastet ihn.

UPDATE 10.30 Uhr: "Die Frau ist eine tickende Zeitbombe"

Am Vormittag wurde ein Ehepaar vor Gericht gehört, das im selben Haus lebt wie die Familie des mutmaßlichen Opfers. Die Eheleute haben sich im Zeugenstand sehr kritisch zur Mutter der 19-Jährigen geäußert.

"Die trinkt unwahrscheinlich viel, die Frau", sagt die Nachbarin vor Gericht. "Die Frau ist schlimm, ganz schlimm." Wenn sie beim Trinken ihr "Limit" habe, drehe sie laut Musik auf, schreie rum und beleidige sie, sagt die Nachbarin. Sie, die Zeugin, sei deshalb sogar schon mit Panikattacken in die Klinik gekommen.

Ähnlich äußert sich auch ihr Ehemann. "Die Frau (er meint die Mutter des mutmaßlichen Opfers, Anm. d. Red.) ist eine tickende Zeitbombe." Es sei vielleicht mal 14 Tage oder drei Wochen Ruhe. "Doch dann wird auch schon gegen uns geschossen. Die Worte möchte ich jetzt bitte nicht mehr in den Mund nehmen. (...) Das sind Schimpfworte, die unter die Gürtellinie gehen", so der Nachbar.

Auf Nachfrage des Richters erklären allerdings beide Zeugen, dass sie nie mitbekommen hätten, dass die Mutter ihre beiden Töchter geschlagen hätte. Streit gebe es jedoch des Öfteren.

Den Angeklagten beschrieben die Nachbarn sehr positiv. Der Mann nennt ihn "hilfsbereit, nett, zuvorkommend", seine Ehefrau bezeichnet ihn als "sehr, sehr, ruhig" und keinesfalls aufbrausend.

Zum Zeitpunkt der mutmaßlichen Tat, also der angeblichen Attacke des Angeklagten auf seine 19-jährige Tochter, war lediglich die Nachbarin, nicht jedoch ihr Ehemann zu Hause. Einen Streit zwischen Vater und Tochter will sie nicht gehört haben - und das, obwohl das Haus sehr hellhörig sei. Die Zeugin ist sich sicher, dass sie im Falle eines Streits "jedes Wort verstanden" hätte. Die Zeugin gab an, dass sie nur gehört habe, wie die Tochter im Treppenhaus "Hau doch endlich ab" geschrien habe. Danach sei ihr Vater wortlos gegangen.

Der Zeugin ist aufgefallen, wie die Mutter gemeinsam mit der jüngeren Tochter das Haus verlassen hatte. Kurz darauf sei der Vater gekommen. Als der wieder weg war, sei wenige Minuten später die Mutter zurückgekommen. "Für mich war das ein abgekartetes Spiel", mutmaßt die Zeugin.Die beiden Nachbarn waren die einzigen Zeugen des heutigen Verhandlungstages. Der Prozess wird am Dienstag, 20. Oktober, fortgesetzt.

Vorbericht:

Die Stimmung am ersten Verhandlungstag am vergangenen Donnerstag war bedrückend. Schon der Tatvorwurf an sich wiegt schwer: Ein 68-Jähriger soll seine 19-Jährige Tochter im Streit geschlagen und sogar gewürgt haben. Hinzu kam, dass sowohl der Angeklagte als auch seine Tochter vor Gericht die unglücklichen familiären Verhältnisse schilderten. Die beiden hatten zwar eine gänzlich gegensätzliche Sicht auf die Dinge, offenbarten aber gleichermaßen, wie belastet das Verhältnis zueinander ist.

"Gehirnwäsche" für die Tochter?

Der Angeklagte, der bestreitet, seine Tochter - abgesehen von einer einzigen Ohrfeige vor vielen Jahren - je geschlagen zu haben, sieht sich als Opfer seine zweiten Frau, der Mutter der 19-Jährigen. Diese habe das Mädchen einer "Gehirnwäsche" unterzogen und ihn schlecht gemacht. Obwohl er nach der Trennung weit über seine Verpflichtungen hinaus finanziell für die Familie gesorgt habe, behaupte seine heutige Ex-Frau das Gegenteil. Der Angeklagte sagte aus, er sei im Laufe seiner Ehe wiederholt von seiner Frau angegriffen worden. Er selbst will sich nur verteidigt haben, was seine Tochter aber so aufgefasst habe, als hätte er seine Frau angegriffen.

Tatsächlich sagte die 19-Jährige vor Gericht aus, dass ihr Vater sie, ihre Schwester und ihre Mutter geschlagen habe. "Man durfte nicht weinen, dann hatte man eine drin", sagte die junge Frau unter Tränen. Die 19-Jährige blieb bei ihrer Darstellung, wonach ihr Vater sie am Tag der mutmaßlichen Tat geschlagen und gewürgt habe.

Was sagen die Ex-Frauen?

Da sich die Schilderungen von Vater und Tochter nicht nur bezüglich der mutmaßlichen Tat - für die es keine Zeugen gibt -, sondern auch bezüglichen der gesamten innerfamiliären Verhältnisse unterscheiden, könnten nun Zeugen aus dem Umfeld der beiden Licht ins Dunkel bringen. Letzten Endes geht es um die Frage, was für ein Vater der Angeklagte ist.

Am Donnerstag sollen deshalb zwei Nachbarn der Familie als Zeugen gehört werden. An weiteren Verhandlungstagen sollen zwei Töchter und die beiden Ex-Frauen des Angeklagten zu Wort kommen.

+++ innsalzach24.de ist vor Ort und berichtet aktuell vom Prozess +++

Rubriklistenbild: © dpa (Symbolbild)

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