Pandemie für beendet erklärt - Ärger und Rüge von Söder für Dr. Mayr

Reaktion von Heimleitung und Bürgermeister: „Damit ist Altötting mit einem Schlag in aller Munde“

Aushang an Praxis von Dr. med Hans-Ulrich Mayr in Altötting
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Dr. med Hans-Ulrich Mayr ist praktizierender Arzt in Altötting. Wegen eines Aushangs bezüglich der Corona-Pandemie hat ihn nun Ministerpräsident Markus Söder kritisiert und das Landratsamt ein Ordnungswidrigkeitenverfahren eingeleitet.

Altötting - Ein Praxisaushang mit dem Titel „Die Pandemie ist beendet“, eine öffentliche Rüge von Ministerpräsident Söder, Hausverbot im Klaraheim wegen Behandlung kranker Bewohner ohne Maske und eine damit einhergehende Anzeige des Arztes an die Heimleitung - Dr. Hans-Ulrich-Mayr und seine jüngsten Tätigkeiten erlangten überregionale Bekanntheit. Was wirft das für ein Licht auf den Wallfahrtsort Altötting?

„Als Bürgermeister und Vertreter der Stadt distanziere ich mich grundsätzlich von beruflichem wie privatem Verhalten und Handeln von Altöttinger Stadträten - wie auch im Fall des Afd-Stadtrats Dr. Mayr“, erklärt Stephan Antwerpen (CSU) im Gespräch mit innsalzach24.de. Dr. Mayr habe „eigenverantwortlich im Zuge seines beruflichen Ethos als Arztes“ gehandelt, es sei daher „seine Sache“. Er selbst verurteile nicht, das müsse juristisch geklärt werden.


Gerade als Arzt müsse er sich aber an die Vorgaben halten: Die Pandemie leugnen sei Antwerpen zufolge das Eine, ohne Maske in einem Altenheim Bewohner behandeln eine andere Hausnummer inmitten von Corona. Das Landratsamt Altötting hat gegen den 70-Jährigen Arzt bereits ein Ordnungswiedrigkeitenverfahren nach Paragraph 12, Absatz 3 der Zehnten Bayerischen Infektionsschutzmaßnahmenverordnung (10. BayIfSMV) in die Wege geleitet. Das Verfahren läuft noch, der Ausgang ist ungewiss.

„Auch treue Touristen, Gäste und Wallfahrer zeigen sich überrascht“


In der jüngsten Stadtratssitzung im Dezember habe Dr. Mayr, kurz nachdem der Vorfall sich wie ein Lauffeuer in Altötting verbreitete, sich entschuldigen lassen. Grundsätzlich aber habe der Vorfall zunächst einmal keine Auswirkungen auf sein Mandat, wie der Bürgermeister weiter erläutert. Es müsse ihm jedoch auch klar sein, dass die Leute natürlich darüber reden - als Stadtrat stehe man eben immer als Repräsentant der Stadt sowie als Vorbild in der Öffentlichkeit. „Da trennen die Bürger nicht“, weiß Antwerpen.

Für viele Bürger aber sei die Verbindung Altöttings mit der öffentlichen Kritik des Ministerpräsidenten Söders in dessen Regierungserklärung „emotional“, unterstreicht Antwerpen: „Wir haben schon Rückfragen bekommen über das Verhalten des Arztes, auch treue Touristen, Gäste und Wallfahrer zeigen sich überrascht, dass der Vorfall derartige Wellen schlägt. Damit ist Altötting mit einem Schlag in aller Munde.

„Ich denke, Söder überlässt nichts dem Zufall und hat sich bei der Kritik an Dr. Mayr schon etwas gedacht. Er hätte auch sagen können, dass das ein Arzt in Bayern geäußert hat, er nannte aber bewusst Ort und Namen. Altötting kennen die Leute, auch in Verbindung mit der Kirche - unabsichtlich war die Rüge des Ministerpräsidenten sicher nicht“, mutmaßt der Bürgermeister.

In seiner Regierungserklärung vom 8. Dezember vor dem Landtag fand Söder deutliche Worte bezüglich des Praxisaushangs Dr. Mayrs (im untenstehenden Video ab Minute 31): „Wer so etwas verbreitet, macht sich mitschuldig an der derzeitigen Corona-Situation.“ 

„Vorzuwerfen haben wir uns nichts“ - So reagiert die Heimleitung

Darüber hinaus praktizierte der Altöttinger Arzt ohne Maske in der Alten- und Pflegeeinrichtung, behandelte kranke Bewohner. Als die Heimleitung Dr. Mayr wegen Verstoßes gegen die Hausordnung des Heimes verwies, erstattete dieser wiederum Anzeige wegen Behinderung der Ausübung seiner ärztlichen Tätigkeiten. „Vorzuwerfen haben wir uns nichts, so viel kann ich sagen“, unterstreicht Heimleiter Georg Sigl-Lehner, der sich nun in einem Rechtsstreit mit Dr. Mayr befindet.

Die Jacob Friedrich Bussereau Stiftung nimmt auf Bitte von innsalzach24.de Stellung zu dem Fall, dass Dr. Mayr das verpflichtende Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes im Alten- und Pflegeheim St. Klara verweigerte: „Wie in allen unseren Einrichtungen gelten auch für unsere vollstationäre Pflegeeinrichtung Klaraheim in Altötting die Maßnahmen aus unseren Schutzkonzepten. Dazu gehört unter anderem seit vielen Wochen die Vorgabe des Tragens einer FFP2-Maske in direkter körperlicher Nähe zu Bewohnern wie bei der unmittelbaren Pflege und Begleitung.“

Seit 30. November werden auch Ärzte, Besucher und Dienstleister gebeten, nicht nur einen einfachen Nasen-Mund-Schutz zu tragen, sondern einen FFP2-Schutz, den das Heim bei Bedarf auch vor Ort anbieten könne.

Ohne Maske behandelte Heimbewohnerin empört

„Unser Einrichtungsleiter Georg Sigl-Lehner hat auf Grundlage unserer Vorgaben gehandelt. Die Hausärztin, die eine internistische Behandlung für Bewohner veranlasst hatte, wurde sofort nach dem Vorfall hinzugezogen, ebenso die Leitung des Gesundheitsamts Altötting. Eine notfallärztliche Situation entstand zu keinem Zeitpunkt. Seitens des Gesundheitsamtes wurde die Empfehlung zu einer häuslichen Einzelisolierung der behandelten Bewohnerin ausgesprochen, zudem wurde sie auf Covid 19 getestet. Weitere Konsultationen für Bewohner konnten durch das Eingreifen von Sigl-Lehner verhindert werden“, heißt es in der schriftlichen Stellungnahme.

Die betroffene Bewohnerin habe wenig später ihre Empörung darüber kundgetan, dass der Arzt und seine Assistentin sie ohne Nasen-Mund-Schutz behandelt hätten. Die Jacob Friedrich Bussereau Stiftung werde sie darin unterstützen, sollte sie sich für eine Strafanzeige gegen Dr. Mayr entscheiden. Der Vorfall im Klaraheim sei dem Ministerium gemeldet worden, der Anwalt Professor Dr. Thomas Klie werde die Stiftung juristisch vertreten.

mb

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