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Filmemacher aus Altötting jetzt auch Kreisrat

Marcel Seehuber: „Lebemann, Showmaster oder Ministerpräsident: Dafür wäre ich super geeignet“

Der Altöttinger Stadt- und Kreisrat Marcel Seehuber im Wahlkampf für „Die Liste“
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Der Altöttinger Stadt- und Kreisrat Marcel Seehuber im Wahlkampf für „Die Liste“.

Marcel Seehuber und die Mitglieder seiner alternativen Partei „Die Liste“ beleben den Stadtrat im ehrwürdigen Altötting. Der Künstler und Filmemacher Seehuber betreibt auch ein Wohnungsbauprojekt und will sich partout in keine Schublade stecken lassen.

Altötting - Die Veröffentlichung des Dokumentarfilms „Projekt A“ liegt schon einige Jahre zurück. Regisseur Marcel Seehuber (Die Liste) zeigt in dem Werk unverstellt Sabotage-Aktionen internationaler Anarchisten. Bei den Dreharbeiten erlebte er einige gefährliche Situationen. Dass er gerne Grenzen sprengt und keine Scheu vor konträren Meinungen oder kontroversen Diskussionen hat, erlebt man immer wieder bei den Sitzungen des Stadtrats. Gut bürgerlich kann er auch: Für Altötting hat er ein Mobilitätskonzept entwickelt.

Herr Seehuber, wollen Sie Erster Bürgermeister in Altötting werden?
Vielleicht bin ich für andere Ämter besser geeignet. Landrat, Showmaster, Ministerpräsident oder einfach nur Lebemann (lacht).
Welche Visionen bewegen euch als Mitglieder der „Liste“?
Als freie Wählervereinigung sind wir sehr heterogen aufgestellt. Da haben alle ihre eigenen Themen. Altötting lebenswerter zu machen und frischen Wind reinzubringen, dürfte uns allen gemein sein. Global denken, lokal handeln.
Was bedeutet es für Sie, als neuer Kreisrat beim Kreistag am 18. Juli vereidigt worden zu sein?
Es war überraschend, von einem der mittleren Listenplätze nach vorne gewählt zu werden. Das ehrt mich. Jetzt ist es meine erste Aufgabe – die Zuständigkeiten im Gremium Kreistag zu verstehen und mich in die Themen der Kommunalpolitik einzuarbeiten.
Was möchten Sie für die Bürger tun?
Ganz klar gibt es eine übergeordnete Aufgabe: die globale Erderwärmung auf ein einigermaßen erträgliches Maß zu reduzieren. Entweder wir bekommen den Kurswechsel in den nächsten zehn Jahren gebacken oder wir können uns überlegen, wie wir das allmähliche Zusammenbrechen der Zivilisation in diesem Jahrhundert verwalten wollen. Ich bin ein großer Fan der Mad Max Filme. Aber nur im Kinosessel. Ich will in keinem solchen Szenario leben.
Sie sprechen von „Wohnen, Energieversorgung, Mobilität“ und einer „neuen Art des Lebens“. 
Es geht also um die Erhaltung unserer Lebensgrundlagen und – und das finde ich daran so interessant –gleichzeitig darum, unsere Lebensqualität zu verbessern. Das muss kein Widerspruch sein. Weniger Konsum, Ressourcenverbrauch, Hetzerei, Arbeit, Wachstum, Konkurrenz - das ermöglicht ein Leben mit weniger materiellem Verbrauch und gleichzeitig mehr Genuss und Müßiggang. 
Fahrradtour daheim oder eine Woche am Ballermann - welchen Urlaub würden Sie nehmen?
Eine Fahrradtour macht in der Regel mehr Spaß. Zumal der Mallorca-Urlaub schon lange nicht mehr verantwortbar ist. Im Grunde wäre es Aufgabe des Gesetzgebers, uns alle vor den verheerenden Folgen des Überkonsums zu schützen.
Wie aufwändig war es, das Mobilitätskonzept für Altötting zu entwerfen? 
Eine seit 70 Jahren auf das Auto – inklusive fossilem Antrieb – ausgerichtete Verkehrspolitik - mit veralteter Straßenverkehrsordnung - kann nicht mit ein bisschen Konzept und Ideen über den Haufen geworfen werden. Ein Grund, warum der bayernweit initiierte Radentscheid so wichtig ist. Denn bisher werden Radfahrer und Fußgänger in der Gesetzgebung nicht ausreichend berücksichtigt. Alles ist auf das Auto ausgerichtet und entsprechend wurden unsere Städte geplant.
Was ist aus der Ideen-Sammlung praktisch umsetzbar?
Eine kleine, utopische Skizze: weitere Teile Altöttings wären autofrei bzw. korrekter ist es von „autoreduziert“ zu sprechen. Es gibt sogenannte „Shared Spaces“, quasi Fußgängerzonen, die von Autos im Schritttempo benutzt werden dürfen. Der Kapellplatz hat also um sich gegriffen, möglich wäre das in Richtung Tillyplatz, innere Trostberger oder auch in der Neuöttinger Straße. Wenn man mit dem Auto kommt, stellt man es an zentralen Parkplätzen oder in den Tiefgaragen ab. Oberirdisch werden die Parkplätze reduziert, zugunsten der Aufenthaltsqualität. Davon würden nicht nur die Bürger, sondern auch Cafés, Restaurants und der Einzelhandel profitieren. Man muss sich das als eine Stadt zum Flanieren vorstellen, die Wege sind entsprechend attraktiv und von Bäumen beschattet, es gibt Orte zum Verweilen.
Wie kann man sich das Wohnen in der SauRiassl Community vorstellen?
Der Altöttinger Mieter Konvent (AMK) ist ja ein Mietshäuser Syndikats Projekt und keines des SauRiassl Syndikats. Seht euch das Leben bzw. Wohnen dort an. Vieles aus der mehr als zehnjährigen Erfahrung im AMK versuchen wir im SauRiassl Syndikat umzusetzen. Grundsätzlich geht es darum, die Häuser denen in die Hand zu geben, die darin wohnen – mit der Aufgabe, dieses Wohnen gemeinsam zu gestalten. Das Mietshäuser Syndikat ist ein deutschlandweiter Verbund aus mehr als 170 Projekten. Das SauRiassl Syndikat aus Altötting teilt die gleichen Grundprinzipien und funktioniert ähnlich, nur halt regional.
Wer kann sich dort für eine Wohnung bewerben?
Prinzipiell jeder, der Lust hat, sich auf ein derartiges Wohnen einzulassen. Ein erster Schritt ist, sich über unsere Website zu informieren und passives oder aktives Mitglied zu werden. Wer in unseren Häuern einziehen kann, entscheiden die Bewohner selbst. Die müssen ja mit denen leben. Bei dem neuen Projekt des GenossenschaftsHauses in Altötting wird es für die Erstbesetzung eine Gruppenfindungsphase mit Auswahlverfahren geben.
Was kann und muss die Stadt für bezahlbares Wohnen tun?
Sozialer Wohnungsbau wurde leider viele Jahrzehnte lang sträflich vernachlässigt. Doch der jetzige Bürgermeister, Stadtrat sowie Stadtverwaltung machen vieles besser. Peter Laske schiebt als Stadtentwickler vieles im Hintergrund an. Bezogen auf den Landkreis ist die Kreiswohnbau ein richtiger Schritt. Wir versuchen, uns mit unserer Expertise entsprechend einzubringen. Ulrike Bubl mit dem Blick der Architektin, David Pietzka und ich aus der Perspektive der Wohnprojektler. 
Sie sind eigentlich Filmemacher. Gibt es neue Projekt dahingehend?
Das kommt leider ein bisschen kurz zur Zeit. Genau in diesem Moment sollte ich eigentlich schneiden, statt ein Interview zu führen, sagt mein Kalender (lacht). Dennoch wird am 28. Oktober die Premiere des Kurzfilms „U2 Kapellplatz“ stattfinden, den ich mit Toninho Dingl zusammen gemacht habe. So kurz ist der gar nicht, immerhin über 20 Minuten. Darum herum haben wir ein buntes Programm im Ankersaal in Burghausen zusammengebastelt, inklusive Konzert.
Wann startet der Vorverkauf?
Im August 2022. Weil auch die ganzen Darsteller und das Team anwesend sein werden, kann ich nur empfehlen, sich möglichst früh Karten zu sichern. Des weiteren arbeite ich an einem internationalen Dokumentarfilm über das Thema Bevölkerungsgröße und Ressourcenverbrauch. Das hört sich trocken an, der Film wird aber einen durchaus humorigen Blick auf dieses unangenehme Thema werfen. 
Im Stadtrat brachten Sie als Motto für die Wallfahrtsstadt „Altötting muss geiler werden“ ins Spiel. Braucht die Marien-Metropole ein „cooleres“ Image?
Ein klares Ja! Coolness hat in diesen heißen Zeiten noch niemandem geschadet. 

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