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Was mit Gelben Säcken und Restmüll passiert

Verwirrende Müll-Entsorgung - Sechs Altöttinger Gemeinden bekommen Gelbe Tonne

Ein Mitarbeiter der Abfall-Logistik Leipzig GmbH schiebt zwei Gelbe Tonnen
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Im Landkreis Altötting kommen ab 24. Januar Gelbe Tonnen zu den Haushalten. Ein Mitarbeiter der Abfall-Logistik schiebt zwei Tonnen.

Kaum jemand blickt wirklich durch beim Thema Müllentsorgung. Die meisten sind einfach froh, wenn die übel riechenden Abfälle so schnell wie möglich weg sind. Damit die Sache ordentlicher und sauberer abläuft, stellen einige Landkreise in Oberbayern auf Gelbe Tonnen um. Doch was passiert wirklich mit dem Inhalt? innsalzach24.de verfolgt den Weg des Mülls sowie der Gelben Säcke.

Altötting - Müll ist nicht gleich Müll: Und von einem Behältnis haben die Bürger von sechs Altöttinger Gemeinden jetzt die Nase voll, vom Gelben Sack. Ab 24. Januar werden stabile Gelbe Tonnen ausgeliefert (siehe Infobox). Die Säcke gelten als besonderes Ärgernis aus Sicht der Bürgerinnen und Bürger - sie reißen oft, dann fliegt der Inhalt durch die Luft.

„Gelber-Sack-Haufen“ verschandeln das Stadtbild. Kürzlich kam es in Burghausen zu einer verspäteten Abholung der Gelben Säcke, worüber sich ein Leser von OVB24 gründlich aufregte (wir berichteten).

Tonne kommt in Burgkirchen, Feichten, Kirchweidach, Reischach, Unterneukirchen und Tyrlaching

„Das für die Sammlung der Leichtverpackungen im Landkreis Altötting zuständige Unternehmen, die Firma Remondis Chiemgau GmbH, hat das Landratsamt darüber informiert, dass in der Woche ab 24. Januar mit der Auslieferung der Gelben Tonnen begonnen wird.

2019 konnte jede Kommune im Landkreis Altötting bezüglich der zukünftigen Sammelgefäßart (Sack oder Tonne) für Leichtverpackungen ihre eigene Entscheidung treffen. Die o.g. sechs Gemeinden haben sich daraufhin für die Gelbe Tonne zur Sammlung von Leichtverpackungen entschieden.

Die Auslieferung der Gelben Tonnen erfolgt über einen Dienstleister. Die Tonnen werden in der Regel an den Grundstücksgrenzen abgestellt.

In die Gelben Tonnen dürfen ausschließlich entleerte, „löffelreine“ Verpackungen aus Kunststoff, Metall oder Verbundstoffen eingefüllt werden. Eine Sammlung der Leichtverpackungen in Gelben Säcken oder auch das Einwerfen befüllter Gelber Säcke in die Gelbe Tonne ist in den oben genannten Gemeinden ab Verteilung der Gelben Tonnen nicht mehr zulässig.“

Auszug aus einer Pressemitteilung des Landratsamts Altötting

Wohin der Weg von Restmüll und Plastikverpackungen führt

Auf die Frage „was passiert mit dem Restmüll?“ gibt Dr. Robert Müller vom Landratsamt Altötting eine knallharte Antwort: „Das Zeug kippen wir in die Verbrennungsanlage vom Zweckverband Abfallverwertung Südostbayern (ZAS) in Burgkirchen-Bruck.“ Genauer gesagt, steht dort ein Müllheizkraftwerk - denn Verbrennen heißt für den Pressesprecher vom Landratsamt nicht gleich sinnloser Verlust: „Das bedeutet eine energetische Verwertung, wodurch der Müll durchaus noch eine Funktion hat, von der alle Bürger profitieren.“

Weil sich nicht alles verbrennen lässt, hat die Anlage eine Art „Rost“ - wie bei einem Grill - eingebaut, auf dem liegen bleibt, was nicht richtig brennt: Metallreste, Glas, Schlacke. Müller: „Diese Reste werden gesammelt, separat ausgesteuert und weiter verwertet. Dafür gibt es eigene Entsorgungsverträge.“

Wo kommunale Verantwortung aufhört, wird es komplex

Die Wege der unterschiedlichen Müll-Sorten sind vielschichtig. Die Abholung der Restmülltonne sowie die Entsorgung ihres Inhalts sind zunächst eine kommunale Aufgabe. Dafür bezahlt jeder Haushalt - egal, ob Eigentümer oder Mieter - eine monatliche Gebühr. Aber dann gibt es ja da noch den Altglas-Container, die Blaue Tonne für Papiermüll, die Biotonne für organische Abfälle und den Gelben Sack (oder die Gelbe Tonne) für Leichtverpackungen aus Kunststoff.

Oberbürgermeister Dr. Christoph Lung (rechts) am Wertstoffhof von Bad Reichenhall.

Ganz zu schweigen von der Entsorgung von Sperrmüll, Reifen, Altöl oder Batterien - dafür gibt es nochmals eigene Stellen bzw. Zuständigkeiten, die Bürgerinnen und Bürger selbst in Erfahrung bringen müssen. Bei einem Großteil dieses „Sondermülls“ ist der örtliche Wertstoffhof die richtige Anlaufstelle.

Was passiert mit dem Inhalt vom Gelben Sack?

Der Gelbe Sack gibt vielen Bürgern Rätsel auf: Macht denn das mühselige Vorsortieren der unsäglichen Plastikverpackungen - oder „Compounds“ aus Kunststoff, Alufolie und Pappe - überhaupt Sinn? Oder wird sowieso alles verbrannt?

Zur weiteren Verwirrung trägt bei, dass nicht alle Städte und Landkreise Gelbe Säcke (oder Tonnen) und Biotonnen eingeführt haben. Im Landkreis Rosenheim zum Beispiel gibt es den Gelben Sack nicht. Stattdessen wurden Wertstoffinseln aufgestellt - die wiederum Personen aus umliegenden Landkreisen anfahren, die den Gelben Sack nicht nutzen wollen. Zum Beispiel in Wasserburg am Inn quellen diese Müllstationen deshalb oft über.

Joghurt-Becher auswaschen und zu Hause vorsortieren?

Laut Lena Langenkämper - Pressesprecherin der Abholfirma Remondis mit Hauptsitz in Lünen (Nordrhein-Westfalen) - lohnt sich die Mühe doch: „Keine Sortieranlage der Welt kann so gut sortieren wie der Mensch. Der Sortiererfolg einer Anlage hängt ganz wesentlich von der korrekten Abfalltrennung in den Haushalten ab.“ Sie empfiehlt eine Remondis-Website, die mit vielen „Abfall-Mythen“ aufräumt.

Bei der Forschung um das Plastik der Zukunft zeigt Deutschland Schwächen.

40 Prozent aus dem Gelbem Sack werden verfeuert - Schuld sind auch „Fehlwürfe“

Aber das Verbrennungs-Gerücht ist nicht ganz falsch: „Wahr ist aber auch, dass ein Teil des Inhalts der Gelben Säcke oder Gelben Tonnen tatsächlich zu Ersatzbrennstoffen verarbeitet wird, circa 40 Prozent. Hierbei handelt es sich vor allem um die Fehlwürfe, also das Material, das ohnehin in die Restmülltonne gehört hätte und somit den vorgesehenen Weg in die Verbrennungsanlage gegangen wäre“, so Langenkämper.

Laut ihr gibt es also doch ein Plastik-Recycling. „Es würde keinen Sinn ergeben, wenn Unternehmen Millionenbeträge in moderne Sortieranlagen investieren, nur um das Material dann doch einfach zu verbrennen. Schon der Gesetzgeber schreibt klare stoffliche Verwertungsquoten vor, die aber nur bei richtiger Abfalltrennung im Haushalt zu erreichen sind.“

Vier Sortieranlagen vom Dualen System beauftragt - in Eitting, Rehau und München

Laut Verpackungsgesetz müssen 63 Prozent der Kunststoffabfälle aus Gelber Tonne und Gelbem Sack seit 2020 stofflich verwertet werden. Die leeren Leichtverpackungen aus dem Landkreis Altötting werden zunächst zu den Umschlägen Remondis Chiemgau GmbH und Veolia Neuötting gebracht und von dort aus zu vier von den Dualen Systemen beauftragten Sortieranlagen gefahren: PreZero GmbH & Co. KG, Eitting, WURZER Wertstoff GmbH, Eitting, Böhme Wertstofferfassung GmbH, Rehau und GEO Gesellschaft für Entsorgung in Obb. mbH, München (Flughafen).

Müllgebühr steckt schon im Kaufpreis der verpackten Produkte

Was viele nicht wissen: Das Duale System ist ein Verwertungs-Abkommen der Privatwirtschaft. Die „Inverkehrbringer“ der Verpackungen - Supermärkte wie Aldi, Lidl, REWE oder Netto - kalkulieren die Müll-Verwertungsgebühr im Verkaufspreis mit ein. Damit hat der Verbraucher die Leistung beim Kauf gleich mit bezahlt.

BellandVision aus Pegnitz zum Beispiel ist ein Dienstleister, der die Vereinbarungen des Dualen Systems erfüllt und Abholfirmen wie Remondis beauftragt. Der Landkreis Altötting im Speziellen hat eine Kooperation bzw. eine „Abstimmungs-Vereinbarung“ mit BellandVision.

-rok-

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