Am Montag im Kreisausschuss

Altötting sagt JA: "Inn-Salzach-Kliniken" sollen Wirklichkeit werden

+

Altötting - Die Widerstände werden geringer. Auf dem Altöttinger Kreisausschuss am Montag unternahm Burghausens Bürgermeister Hans Steindl zwar nochmals den Versuch, die aktuellen Pläne zur Fusion der vier Klinikstandorte in den Landkreisen Altötting und Mühldorf hinauszuzögern. Ganz im Gegensatz zum restlichen Gremium, das die Sache mehrheitlich „nicht auf die lange Bank schieben“ wollte.

Das Burghauser Stadtoberhaupt befürchtet, bei der Fusion mit dem Standort Burghausen auf der Strecke zu bleiben: „Das sind doch langfristige Entscheidungen, das sollen doch die entscheiden, die nach den Kommunalwahlen nächstes Jahr im Amt sind“, so der Burghauser Bürgermeister. Für Steindls weiterführenden Antrag stimmte allerdings lediglich Parteigenosse Peter Haugeneder(SPD), der Bürgermeister von Neuötting. Bei der abschließenden Abstimmung über den im Vorfeld von den Landratsämtern zusammen mit juristischen Gutachtern erstellten Antrag, stimmten die beiden aber schließlich dafür. Lediglich Monika Pfriender von den Grünen war am Ende noch dagegen.

Aus Sicht der Versicherungen und Träger ein Standort zu bevorzugen

Dieser Antrag sieht vor, dass das medizinische Personal und die Verwaltungsgremien von Mühldorf und Altötting ab dem 1.1.2020 gleichberechtigt für zwei Jahre in intensive Diskussionen einsteigen sollen, darüber, welches der vier Häuser sich künftig worauf weiter spezialisieren soll und kann. Dem seit zwei Jahren in gemeinsamer Arbeit des medizinischen Personals in Mühldorf und Altötting ausgearbeiteten Konzept soll die Kardiologie, Gefäßmedizin und Unfallchirurgie am Standort Altötting weiter ausgebaut werden. Mühldorf soll sich auf Wirbelsäulen, Brustkorb und Lunge spezialisieren sowie in der Urologie federführend sein. Orthoädische Abteilungen soll es aber weiterhin sowohl in Mühldorf, Altötting und Burghausen geben. Unklar ist momentan, wo das spätere neurologische Zentrum sein soll. 

Die Gleichberechtigung, also dass die Gremien beider Landkreisgesellschaften zunächst paritätisch in die Verhandlungen einsteigen und je die Hälfte der Mitglieder in die gemeinsamen Gremien entsenden, ist insofern erstaunlich, als dass der Vergleich der sogenannten Case-Mix-Zahl schon jetzt das Altöttinger Krankenhaus als medizinischen Schwerpunktstandort ausweist. Dabei handelt es sich um eine Kennzahl aus dem Krankenversicherungswesen, die sich aus der Schwere und Anzahl der Patientenfälle ebenso zusammensetzt, wie aus den medizinischen und auch ökonomischen Kapazitäten an einem Standort. Letztlich ist aus Sicht der Versicherungen und Träger ein Standort zu bevorzugen, der möglichst autark ist. Hier liegt Altötting aktuell deutlich vor den Standorten in Mühldorf, Burghausen und Haag, auch in dieser Reihenfolge. 

Stammkapital der Gesellschaft soll 100.000 Euro betragen

Das Ziel der Fusion sei Schneider zufolge aber, „wie bei einer Hochzeit“, dass alle was davon haben. Dass Mühldorf, Altötting und Burghausen beispielsweise als Notfallkrankenhäuser bestehen bleiben werden steht auch schon fest,erklärte der betriebswirtschaftliche Vorstand der Altöttinger Kreiskliniken, Michael Prostmeier, im Vorfeld. Dennoch soll Altötting das Kompetenzzentrum für schwere Unfälle werden.

Die Bedenken Hans Steindls sind nachvollziehbar: „Ich habe in Burghausen schon so viele renommierte Ärzte gehen sehen, die nicht ersetzt werden konnten, sodass einige Fachrichtungen gar nicht mehr vorhanden sind“. Steindl bemängelte damit als das dienstälteste anwesende Verwaltungsratsmitglied der Altöttinger Kreiskliniken die Personalpolitik und plädierte dafür, dass man sich mehr Zeit bei einer möglichen Fusion lassen solle. „Wir erfahren von (Personal)entscheidungen immer erst aus den Medien anstatt bereits vorab, das kann nicht sein!“, so Steindl. Erst in der vergangenen Woche beispielsweise schied Dr. Monika Lieb als medizinischer Vorstand der Kreiskliniken Altötting nach nur 13 Monaten aus dem Amt. Chefarzt Dr. Michael Kraus soll dort künftig die Personalentscheidungen maßgeblich mitbestimmen. 

Fest steht, dass die neu gegründete Krankenhausgesellschaft für Altötting und Mühldorf, noch eine Reihe von Hausaufgaben zu erledigen hat, wofür in einer Übergangszeit beide Landkreise haften sollen. Dem Plan zufolge sollen dem Verwaltungsrat der „Inn-Salzach-Kliniken“ die Mühldorfer und der Altöttinger Landräte jeweils ein Jahr abwechseln vorstehen. Weiter gehören dem Gremium insgesamt 16 Mitglieder an, die paritätisch aus beiden Landkreisen kommen. Das Stammkapital der Gesellschaft soll 100.000 Euro betragen, wovon jeder Landkreis die Hälfte trägt.

Schließung von Standorten und Stellenabbau verhindern

Es bleiben aber Hausaufgaben zu erledigen. Zwar wird beispielsweise am Standort Altötting momentan ein neuer OP-Trakt mit Laboren für 100 Millionen Euro gebaut, womit Altötting aus medizinischer Sicht weiter voran schreitet. Doch wurde mitunter die Entertainmentausstattung der Patientenzimmer bemängelt, die noch aus dem vergangenen Jahrtausend stammt. „Die neue Krankenhausgesellschaft soll keine Altlasten haben und bei Null starten können“, erklärte Landrat Erwin Schneider. Der Bundestagsabgeordnete beider Landkreise, Stephan Mayer(CSU), begrüßte auf der Sitzung in Altötting die Entscheidung: „Ich glaube dass man eben nicht noch länger zuwarten darf, weil das für die kleineren Standorte noch schlechter wäre!“, so Mayer. Er kritisierte auch das Fazit der Bertelsmann-Studie über die Krankenhausversorgung, die in Fachkreisen momentan Furore macht. Dieser Studie zufolge soll mehr als die Hälfte aller Klinikstandorte in Deutschland geschlossen werden, um eine optimale medizinische Versorgung zu garantieren.

Der jetzt im Altöttinger Kreisausschuss mit nur einer Gegenstimme gefällte Beschluss empfiehlt dem Plenum des Altöttinger Kreistages am Donnerstag den von den beiden Landratsämtern ausgearbeitete Zeitplan zur Gründung einer gemeinsamen Gesellschaft für die „Inn-Salzach-Kliniken“ am 1.1.2020. Eigner der Liegenschaften bleiben dem Grundsatzbeschluss zufolge vorerst die Landkreisgesellschaften, welche die Gebäude an die neue Gesellschaft verpachten. Allerdings übernimmt die neue Gesellschaft die Geschäftsführung in allen Betrieben der beiden Kreisgesellschaften. 

Durch den Zusammenschluss soll eine Größe des Klinikverbundes erreicht werden, sodass er auch im Bereich der Aus- und Weiterbildung für das Personal spannend bleibt. Schließlich wolle man nun nicht mehr zwischen Mühldorf und Altötting konkurrieren, wie noch in vergangenen Jahrzehnten, sondern man müsse seinen Blick auch auf die bereits bestehenden Klinikverbünde in den Landkreisen Traunstein und Berchtesgaden oder Dingolfing, Landau und Deggendorf richten.

pbj

Zurück zur Übersicht: Stadt Altötting

Auch interessant

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser

MEHR AUS DEM RESSORT