Zwei Männer gingen zum fünfzigten Mal mit

Rund 1.400 Oberpfälzer bei der 334. Fußwallfahrt mit dabei

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Altötting - Aus vier verschiedenen Orten in der östlichen Oberpfalz kommen sie, jedes Jahr am Dienstag vor Pfingsten. Ununterbrochen. Seit 334 Jahren!

Sogar 1945 nach dem Ende des zweiten Weltkriegs wagten sechs Frauen und sechs Männer, sich dem Verbot zu widersetzen und gemeinsam ihren Glauben zu bekräftigen: ohne entsprechende Ausnahmegenehmigung der amerikanischen Nachkriegsverwaltung, hätte sich damals niemand weiter als sechs Kilometer von seinem Wohnort entfernen dürfen. 1400 Gläubige brachen am vergangenen Donnerstag nachts bzw. am Freitagmorgen aus Hemau, Daßwang, Günching und Beilngries auf. Die ersten beiden Tage gehen, singen und beten die Gruppen traditionell auf eigenen Pfaden, ab Landshut gehen sie dann aber auf dem gleichen Weg. Endgültig treffen die Gruppen dann am Franziskushaus in Altötting zusammen, wo sie Aufstellung nehmen für den feierlichen Zug über den Kapellplatz zur Basilika. „In diesem Jahr haben wir zwei Jubilare dabei: den 80-jährigen Rudi Rachl aus Bieberbach und Franz Klein. Beide gehen in diesem Jahr zum fünfzigten Mal mit“, erkärte Pilgerfüher Richard Bögerl aus Beilngries.

334. Oberpfälzer Fußwallfahrt nach Altötting

Wallfahrer waren „richtig gut drauf“

Die erste oberpfälzer Wallfahrt nach Altötting ist auf das Jahr 1685 datiert. Angesichts der kärglichen Lebensverhältnisse in der damaligen Oberpfalz ein außerordentlicher Glaubensbeweis. Auch heute ist die strapaziöse Reise nicht problemlos zu bewältigen: „Ich habe mir vier Tage Urlaub genommen“, erklärt beispielsweise Günter Mirwald vom BRK in Berching, „aber für so einen dankbaren Dienst mache ich das gerne!“. Über die gelaufenen Blasen hätte sich kein Teilnehmer beschwert. Dennoch war die Erleichterung und Freude der Wallfahrer über das gemeinsam erreichte Ziel in der päpstlichen Basilika deutlich spürbar, spätestens, als die rund 350 Katholiken aus Günching bei der Begrüßung durch Altöttings Stadtpfarrer Günther Mandl laut aufjubelten: „Ich fühle mich heute hier so, wie sich Jesus bei der Bergpredigt gefühlt haben muss – immer mehr Menschen strömen herein“, teilte auch Mandl die Freude. Dann übergab der Altöttinger Pfarrer aber zügig an seine Kollegen aus den vier oberpfälzer Orten, damit diese die traditionelle gemeinsame Messe feiern konnten.

„Wir sind nicht nur Wanderer!“(Pfarrer Berno Läßler aus Hemau)

Bei der Messe selbst waren aber nicht nur die rund 1.400 Fußwallfahrer mit ihren Geistlichen dabei. Aus der Oberpfalz waren nicht wenige Familienangehörige angereist, um die Wallfahrer später wieder mit nach Hause zu nehmen. Nur eine kleine Gruppe aus Beilngries wagt seit einigen Jahrzehnten dann auch wieder den traditionellen Heimweg, wie er vor dem Eisenbahnanschluss Altöttings üblich war: zu Fuß über Mühldorf, Maria-Eck, Schwindeck, Talheim und Moosburg. Jetzt werden die Wallfahrer aber erst einmal einen Tag in Altötting rasten, bevor es dann am Donnerstagmorgen um 4.30 Uhr von der Gnadenkapelle aus nach Hause geht. „Es geht immer so schnell vorbei“, bedauerte Wallfahrerin Andrea aus Günching. Allerdings gestand die 30-Jährige auch, dass sie den halben ersten Tag der Kinder wegen unterschlagen hätte, weil ihr Mann erst ab dem Wochenende auf sie aufpassen konnte. Der jüngste Teilnehmer auf eigenen Füßen war Pilgerführer Richard Bögerl nicht namentlich bekannt: „Er ist 12 Jahre alt“.

pbj

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