Nach angeblicher Entführung in Altötting

Entführungsfall: War alles inszeniert?

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Altötting - Die Polizei sucht Zeugen in einem kuriosen Entführungsfall: Nachdem zunächst ein Lösegeld in Millionenhöhe gefordert wurde, will das Opfer nun nichts mehr von einer Entführung wissen.

EinenEuro-Betrag in Millionenhöhe sollen Erpresser von einem Autohändler gefordert haben, nach der angeblichen Entführung eines russischstämmigen Geschäftsmannes in Altötting. Durch internationale Zusammenarbeit der Ermittlungsbehörden konnte das vermeintliche Entführungsopfer mit weiteren Personen am Dienstagabend, den 18. Februar, in Tschechien festgenommen werden.

Die Kriminalpolizeistation Mühldorf sucht nun Zeugen zu dem angeblichen Tatort der Entführung, der Watzmannstraße in Altötting.

Ein Autohändler aus dem Raum München hatte am vergangenen Montagabend, den 17. Februar, zwei russischstämmigen Männern einen dunklen Mercedes Benz S-Klasse mit Münchner Nummer geliehen, mit dem sie aus geschäftlichen Gründen nach Altötting in die Watzmannstraße fahren wollten. Wie der Polizei später geschildert wurde, hätte ihnen dort, gegen 23 Uhr oder etwas später, ein silberfarbener VW Passat die Weiterfahrt versperrt.

Mehrere Männer hätten sie daraufhin bedroht und das 32-jährige Opfer entführt. Der Partner des Entführten gibt an, geflohen zu sein und will versucht haben, bei einem Anwohner die Polizei zu verständigen, was ihm aufgrund von Verständigungsproblemen nicht gelungen sei. Im weiteren Verlauf ließen angebliche Entführer in Telefonaten mit Geschäftspartnern des Opfers, dessen Gefährdung bei Nichtzahlung eines Lösegeldes durchblicken. Sie hatten sich angeblich des Opfers und des Mercedes bemächtigt.

Erst Dienstagmittag wurde dieser Vorgang bei einer Polizeidienststelle in München gemeldet und durch die Münchner Polizei erste Ermittlungsschritte eingeleitet. Das Polizeipräsidium Oberbayern Süd übernahm im weiteren Verlauf die Ermittlungen, richtete einen Führungsstab ein und alarmierte eine Vielzahl an Einsatzkräften, darunter auch Beamte eines Spezialeinsatzkommandos.

Auch die tschechische Polizei wurde durch das Polizeipräsidium informiert und nahm in enger Zusammenarbeit mit den bayerischen Behörden Ermittlungen auf, nachdem durch zwischenzeitlich gewonnene Erkenntnisse eine Entführung des Opfers in die Tschechische Republik angenommen werden musste.

"Entführungsopfer" will von nichts wissen

Intensive Ermittlungen und die grenzüberschreitende Zusammenarbeit versetzten Polizeibeamte in der Tschechischen Republik letztendlich in die Lage, den Entführten zusammen mit weiteren Personen in einem Auto zwischen Prag und der polnischen Grenze ausfindig zu machen und gegen 18.15 Uhr unbeschadet in Polizeigewahrsam zu nehmen.

Das vermeintliche Entführungsopfer wollte nun, nach seiner „Befreiung“, nichts mehr von einer Entführung wissen und gab sich als unbedarfter Mitfahrer im Mercedes. Mittlerweile hat die Staatsanwaltschaft Traunstein Auslieferungshaftbefehle gegen die drei durch tschechische Behörden festgenommenen Personen beantragt.

Die Kriminalpolizeistation Mühldorf führt die weiteren Ermittlungen in enger Zusammenarbeit mit der Staatsanwaltschaft Traunstein. Die Beamten sind derzeit damit beschäftigt, die Hintergründe dieser vermeintlichen Erpressung, sowie die Tatabläufe und Beteiligungen verschiedener Personen zu klären.

Zeugen werden gesucht

Die Ermittler suchen zudem dringend Zeugen, die am genannten Entführungsort, in Altötting West, insbesondere im Bereich der Watzmannstraße, in der Nacht von Montag, 22.30 Uhr, auf Dienstag, 00.30 Uhr, verdächtige Personen, Fahrzeuge oder gar eine Auseinandersetzung festgestellt haben.

Die Auseinandersetzungen sollen sich in russischer Sprache abgespielt haben. Auch ist von Interesse, ob dort ein dunkler Mercedes S-Klasse mit M-Kennzeichen oder ein silberner VW Passat gesehen worden ist.

Hinweise bitte an die Kriminalpolizeiinspektion Mühldorf unter der Telefonnummer 08631/36730 oder an jede andere Polizeidienststelle.

Pressemitteilung Polizeipräsidium Oberbayern Süd

Rubriklistenbild: © Picture Alliance / dpa

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