TechnoSan: Immer noch keine Entwarnung

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In dieser Kiesgrube in Altmühldorf wurden zuerst erhöhte Messwerte festgestellt. Das kontaminierte Material ist inzwischen entfernt worden.
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Altötting - Das Umweltministerium hat einen Bericht zum Fall TechnoSan veröffentlicht. Für mehrere Standorte in der Region gibt es noch keine Entwarnung.

Das Bayerische Umweltministerium hat einen umfassenden Bericht zum Fall TechnoSan vorgelegt. Demnach kann für mehrere Gruben, Deponien und Bauvorhaben in der Region noch keine endgültige Entwarnung gegeben werden. Die Ermittlungen dürften die Behörden noch lange beschäftigen.

Mehrere Standorte in der Region betroffen

Der Fall TechnoSan:

1,4 Millionen Tonnen Material der Firma TechnoSan wurde dem Bericht zufolge an 30 Standorten in Bayern, darunter Deponien, Gruben und Bauvorhaben, gelagert – wobei freilich nicht alles davon kontaminiert ist. Unter den betroffenen Standorten befindet sich ein Bauvorhaben im Landkreis Rosenheim, eine Grube und eine Deponie im Landkreis Traunstein sowie eine Deponie und zwei Bauvorhaben im Landkreis Mühldorf. Im Landkreis Altötting, zugleich Sitz der TechnoSan-Betriebsstätte, wurde gleich an sieben Standorten in Gruben oder Deponien Material der Firma gelagert.

"Keine akuten Umweltgefährdungen"

Endgültige Untersuchungsergebnisse liegen noch nicht für alle Standorte vor. Das Zwischenfazit des Umweltministeriums lautet aber wenigstens, dass "akute Umweltgefährdungen" derzeit nicht erkennbar und "Vorsorgemaßnahmen gegen mögliche Umwelt- und Gesundheitsgefährdungen" getroffen seien.

Grundwasser-Gefährdung in Kastl nicht auszuschließen

Was eine mögliche Gefährdung von Boden und Grundwasser betrifft, hat die zentrale Koordinierungsstelle an der Regierung von Oberbayern mehrere Standorte als "vorrangig" eingestuft, darunter eine Kiesgrube in Kastl im Landkreis Altötting.

Die Grube befindet sich "im Einzugsgebiet eines Brunnens im Zustrom eines Wasserschutzgebiets". Eingebauter Gleisschotter könnte eventuell das Grundwasser gefährden. Es sollen drei Rammkernbohrungen bis ins Grundwasser durchgeführt und das so gewonnene Material auf Kohlenwasserstoffe, polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) und Quecksilber untersucht werden. Bis Ergebnisse vorliegen, gilt für Kastl: "Eine Gefährdung des Grundwasser kann nach gegenwärtigem Kenntnisstand nicht ausgeschlossen werden."

Zwei Biogasanlagen in Mühldorf betroffen

Auch in mehreren Bauvorhaben findet man Material von TechnoSan, wie zum Beispiel in zwei Biogasanlagen im Landkreis Mühldorf. Dort wurde Auffüllmaterial von TechnoSan verbaut. Untersuchungen haben teilweise sehr hohe Messwerte von Glyphosat beziehungsweise PAK geliefert. An beiden Standorten wurden Sicherungsmaßnahmen ergiffen, "um eine mögliche Grundwassergefährdung über den Wirkungsgrad Boden weitgehend einzuschränken". Sanierungsuntersuchungen "mit entsprechenden Vorschlägen für ein Gesamtkonzept" seien die nächsten Schritte.

An den weiteren "vorrangigen Standorten" wurden entweder erhöhte Werte gemessen oder aber die Ergebnisse liegen – wie etwa in Perach im Landkreis Altötting – schlicht noch nicht vor. "Vorrangige Standorte" befinden sich in Alt- und Neuötting, in Perach und in Dorfen im Landkreis Erding.

Rechtsverstöße "relativ spät erkannt"

Was das Kontrollsystem angeht, äußert sich das Umweltministerium kritisch. "Trotz 42 dokumentierter Ortstermine alleine am Standort der Bodenbehandlungsanlage in Neuötting" seien die begangenen Rechtsverstöße "erst relativ spät erkannt worden". Allerdings seien die Verstöße "aufgrund der Manipulation von Akten und Daten für die Behörden nicht augenfällig erkennbar" gewesen.

"Betriebspersonal von Gruben schulen"

Kurzfristig möchte das Umweltministerium auf mehr stichprobenartige Kontrollen, die Überprüfung der immissionsschutzrechtlichen Genehmigungen und die Festlegung von Sachverständigen-Pflichten für eine effektive Nachkontrolle setzen. Außerdem soll das Betriebspersonal von Gruben und Deponien geschult werden, "damit sie ihre Überwachungsaufgaben regelkonform durchführen können".

Der umfassenden Untersuchungen schlagen übrigens auch finanziell zu Buche. Wenngleich die Kosten "derzeit nicht näher benannt werden" könnten, belaufen sich alleine die Analysekosten am Betriebsstandort auf 30.000 bis 50.000 Euro.

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