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Altöttinger MdL im Interview - Teil 2

Dr. Martin Huber: „Ich singe meiner kleinen Tochter viel vor und ziehe Kraft aus der Familie“

Spricht im Plenum des Maximilianeums in München: MdL Dr. Martin Huber aus Töging.
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Spricht im Plenum des Maximilianeums in München: MdL Dr. Martin Huber aus Töging.

Im ersten Teil des Gesprächs mit innsalzach24.de unterstreicht Dr. Martin Huber (CSU) die Wichtigkeit, der bayerischen Industrie und mit ihr die Unternehmen des ChemDelta Bavaria beim Strukturwandel zu helfen. Die Versorgung mit Wasserstoff aus Solar- und Windenergie spielt dabei eine wichtige Rolle. Nun gibt er auch Einblick in sein Privatleben und zeigt einen Weg auf vom Krieg zurück zum Frieden in Europa. Teil 2 unseres Interviews mit dem Politiker.

Altötting/München - Dr. Martin Huber tanzt politisch gesehen auf mehreren Hochzeiten - bzw. er ist in mehreren Gremien vertreten. Darunter ist der Kreistag Altötting und vor allem der Bayerische Landtag. Doch es gibt auch den Privatmenschen Martin Huber. Er präsentiert sich auf seiner Website als bodenständiger und volksnaher Politiker. Am Freitag (22. April) besuchte den Volksfestauszug in Garching an der Alz. Seine Leitbilder: „Politik ist kein Selbstzweck, sondern dient dem Menschen“ und „Auf Augenhöhe mit den Menschen und der Umwelt“. Der Energie-Experte möchte „Bayern zum nachhaltigsten Wirtschaftsstandort der Welt“ machen.

Herr Dr. Huber, wie verbringen Sie Ihre Freizeit, wenn Sie nicht zu einem Termin müssen?
Momentan verbringe ich fast jede freie Minute mit meiner kleinen Tochter. Ich singe ihr viel vor – neben den klassischen Kinderliedern auch „Stern des Südens“ vom FC Bayern und das ein oder andere Lied von Udo Jürgens. Ich habe den Eindruck, ihr gefällt´s (lacht). Von allen Aufgaben, die ich habe, ist Papa zu sein schon die schönste. Meine Frau und ich genießen die Zeit mit unserer Tochter sehr. Viel Freude bereitet uns auch unser Garten, in dem wir schauen, ein gewisse Vielfalt an Pflanzen zu haben und dementsprechend pflegen. Auch lese ich sehr gerne, vor allem Sachbücher zu aktuellen Themen. Und wenn ich es schaffe, gehe ich joggen, um fit zu bleiben.
Welchen Bezug haben Ihre Studienfächer Politikwissenschaft und Geschichte zu ihrer politischen Arbeit?
Ich finde, sie sind da schon eine gute Grundlage. Auch wenn es immer heißt, Geschichte wiederholt sich nicht, so ist sie insofern sehr spannend, weil wir viel daraus lernen können. Die Politikwissenschaft vermittelt wertvolle Grundlagen über unsere Demokratie und Prinzipien staatlichen und politischen Handelns. Neben diesen Grundlagen ist mir aber vor allem wichtig, offen zu sein für die Lebenswirklichkeit der Menschen und die Sorgen, Nöte und Anliegen aufzugreifen, die sie in ihrem täglichen Alltag bewegen.
Energie ist eines Ihrer zentralen Themen. Beim Wasserstoff (H2) denken viele Bürger zuerst ans Auto.
Verständlich, weil es naheliegend ist. H2 ist knapp und daher in der Dimension eher ein Thema für die Industrie. Bei Elektro-Fahrzeugen zum Beispiel ist es effektiver, den Strom direkt in die Batterie einzuspeisen, statt ihn für die Elektrolyse zur Herstellung von Wasserstoff zu nutzen. Die Brennstoffzelle dagegen wird wieder ein Thema werden, vor allem zum Antrieb von Bussen und Lkws. Auch synthetische Kraftstoffe können hier noch eine Lösung sein.
Werden oder sollen die Verbrenner verschwinden?
Man braucht eine Übergangszeit, um einen „gesunden Mix“ mehrerer Antriebstypen zu finden. Benzin- und Dieselfahrzeuge werden noch eine Zeitlang gebraucht und genutzt. Gerade in Ländern auf Kontinenten wie Südamerika wird die Umstellung auf klimaneutrale Antriebe länger dauern. Daher werden wir global betrachtet auch Möglichkeiten brauchen, den Verbrennungsmotor klimaneutral betreiben zu können. Auch der Flugverkehr ist hier zu nennen. Denken Sie an den enormen Kerosin-Verbrauch von Flugzeugen.
Welche Alternativen gibt es dazu?
An synthetischen Kraftstoffen wird weltweit intensiv geforscht. Im Flugverkehr gibt es das Projekt „Sustainable Aviation Fuel“. Das ist Treibstoff auf Wasserstoff-Basis. Doch die Marktreife verzögert sich, weil noch nicht ausreichende Mengen produziert werden können. Die Probleme „hoher Strombedarf“ und „Zuleitung zu den Flughäfen“ sind noch nicht gelöst. Mit Kerosin aus der OMV-Raffinerie Burghausen ist das Tanklager Feldkirchen über eine direkte Pipeline Hauptlieferant des Flughafens München. Doch die Zeit nach der Nutzung fossiler Kraftstoffe wird bereits konkret geplant.
Könnte man den Strombedarf des Chemiedreiecks mit erneuerbaren Energien decken?
Bei den benötigten Energiemengen halte ich das für sehr, sehr ambitioniert. Stand heute bräuchten wir 1.500 Windkraftanlagen nur für das ChemDelta Bavaria. Wacker arbeitet bereits am Projekt „RHYME“ (Renewable hydrogen & methanol) mit dem Ziel: Rohstoffe ohne Rohöl. Die chemische Industrie in Deutschland verbraucht aktuell eine Million Tonnen Wasserstoff. Diese Menge soll perspektivisch versiebenfacht werden.
Wie viel Energie braucht die gesamte EU?
10.000 Terra Watt Stunden (TWh). Davon entfallen 80 Prozent auf Wärme-Erzeugung. 2000 TWh auf Stromerzeugung. Die deutsche Industrie verbraucht allein 25 Prozent des gesamten EU-Stroms, etwa 550 TWh. Gleichzeitig gibt es Potentialanalysen, nach denen nur mit Windkraft auf See vor den Küsten Europas 3400 TWh Strom erzeugt werden könnten. Wenn der politische Wille da ist, könnten wir in der EU also eine hohe strategische Souveränität bei der Energieversorgung erreichen und uns im Laufe der Zeit aus der Abhängigkeit von Energieimporten befreien.
Welche Rolle spielt der Campus Burghausen in Verbindung mit der TH Rosenheim?
Dort arbeiten Wissenschaftler Hand in Hand mit den Verantwortlichen der ansässigen Industriebetriebe, um das ChemDelta Bavaria bis 2040 CO2-neutral zu machen. Der Campus Burghausen ist ein Leuchtturm in Sachen CleanTech – mit Studiengängen wie Circular Economy oder Wasserstofftechnologie.  Campus-Geschäftsführer Anton Steinberger ist gemeinsam mit TH-Präsident Heinrich Köster ein unermüdlicher Antreiber für die weitere Entwicklung. Genauso möchte ich Prof. Dr. Wolfgang Arlt nennen, den ich seit 2014 kenne. Ich freue mich sehr, dass er eine Gastprofessur in Burghausen angenommen hat. Er hat großartige Ideen zum Thema Erneuerbare Energien und Wasserstoff und ist eine absolute Bereicherung für unsere Region.
Wie kann kann kurzfristig Lösungen finden?
Energie-Projekte oder der Bau von Pipelines müssen strategisch geplant werden. Entscheidend ist der politische Wille. Deshalb lasse ich das Argument, der Aufbau einer Wasserstoff-Infrastruktur mit Pipelines würde zu lange dauern, auch nicht gelten. Nord Stream II – das ich persönlich für einen Fehler halte - wurde innerhalb von acht Jahren geplant und gebaut – weil der politische Wille da war. Wenn jetzt so getan wird, als würde die Lieferung von Flüssiggas aus Katar eine rein kurzfristige Lösung sein, um die Abhängigkeit von Russland zu verringern, so ist dies irreführend. Da werden jetzt mit viel Geld Strukturen aufgebaut, die ja wieder für die nächsten 20 Jahre ausgelegt sind.
Welche Aktionen bevorzugen Sie?
Wir sollten nicht mehr so viel in den Import fossiler Brennstoffe investieren. Stattdessen brauchen wir eine ökologisch nachhaltige Energiepolitik, die strategisch souverän ist. Mit Windkraft, Wasserkraft und Photovoltaik kann die EU theoretisch bis zu 70 Prozent des eigenen Energiebedarfs autonom und klimafreundlich decken - obwohl der Stromverbrauch weiter steigen wird. Klar ist daher in meinen Augen: Der Fehler, sich von Autokraten wie Putin abhängig zu machen, darf sich nicht wiederholen – zumal wir ja wie ausgeführt auch eigene Möglichkeiten hätten.
Wie könnte Europa bald wieder friedlich werden? Wie kann der Ukraine-Krieg enden?
Diese beiden Fragen bewegen uns alle. Das Problem ist, dass Russland die heutigen Grenzen in Europa nicht akzeptiert und seit Jahren versucht, mit Waffengewalt diese zu verändern. Das sehen wir ja nicht nur in der Ukraine, sondern zum Beispiel auch in Georgien. Russland akzeptiert auch nicht die Unabhängigkeit der baltischen Staaten. Seit Jahren schon müssen wir erkennen, dass Russland versucht, den Westen zu destabilisieren. Putin selbst hat erklärt, der Zusammenbruch der Sowjetunion ist die größte geostrategische Katastrophe des 20. Jahrhunderts. Diesen alten Einflussbereich der Sowjetunion will er unter russischer Führung wieder herstellen. So lange Putin an der Macht ist, werden wir wohl kein Fundament für eine verlässliche und dauerhafte Zusammenarbeit haben.  

innsalzach24.de bedankt sich bei MdL Dr. Martin Huber für das Gespräch.

Video zum Thema „grüner Wasserstoff in der chemischen Industrie“. Symposium am Campus Burghausen:

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