Prozess am Amtsgericht Altötting

Aussage gegen Aussage: Tochter mehrmals geschlagen?

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Altötting - Am Amtsgericht muss sich ein Mann verantworten, der seine Tochter im Streit geschlagen und gewürgt haben soll. Vor Gericht steht Aussage gegen Aussage:

UPDATE, 16.30 Uhr:

Sowohl der Verteidiger als auch die Staatsanwältin haben mehrere Zeugen benannt. Richter Günther Hammerdinger hat deshalb drei weitere Verhandlungstage angesetzt.

Unter anderem sollen die Nachbarn der 19-Jährigen und ihrer Mutter sowie mehrere Kinder und beide Ex-Frauen des Angeklagten aussagen.

Die Verhandlung ist nun unterbrochen und wird am Donnerstag, 1. Oktober, fortgesetzt.

UPDATE, 16 Uhr:

Nach dem Vorfall hat die 19-Jährige eine Freundin benachrichtigt, mit der sie sich eigentlich hatte treffen wollen. Im Zeugenstand sagt die Freundin aus, dass sie sofort zu der 19-Jährigen gefahren sei, als sie erfahren hatte, dass der Vater die 19-Jährige geschlagen habe. Die Zeugin schildert den Zustand ihrer Freundin als "aufgelöst". "Sie hatte Angst, hat gezittert, hat geweint."

Die Zeugin gibt zudem an, Rötungen an Kiefer und Wange sowie Striemen am Hals bemerkt zu haben. "Ich würde behaupten, das hat ausgeschaut wie ein Würgemal", so die Zeugin.

Weitere Zeugen sind keine geladen. Allerdings hat der Verteidiger des Angeklagten angedeutet, dass er eventuell weitere Beweisanträge stellen wird.

Richter Günther Hammerdinger hat sich nun auf Wunsch des Rechtsanwalts mit der Staatsanwältin und dem Verteidiger zu einem Rechtsgespräch zurückgezogen. Die Verhandlung ist unterbrochen.

UPDATE, 15.45 Uhr:

Der Angeklagte stellt den Sachverhalt ganz anders dar als die Staatsanwaltschaft. Der 68-jährige beteuert, dass er seine Tochter an jenem Tag nicht einmal berührt habe. Den Angriff hat sich die 19-Jährige nach Darstellung des Angeklagten nur ausgedacht.

In seinen langen Ausführungen zeichnet der 68-Jährige ein sehr düsteres Bild vom Verhältnis zu seiner Tochter. Die 19-Jährige stammt aus seiner zweiten Ehe, die Scheidung war schon vor mehreren Jahren. Der Angeklagte erklärt, dass er nach der Scheidung in weit größerem Maß finanziell für seine Familie gesorgt habe, als er dies hätte tun müssen. Dennoch sei er von seiner Ex-Frau gegenüber seiner Tochter schlecht gemacht worden. Seine Tochter begegne ihm mit "unglaublichem Hass und Abneigung", so der 68-Jährige vor Gericht.

Am Tag der mutmaßlichen Tat hat die Tochter den Angeklagten nach dessen Darstellung um ein Gespräch in ihrer Wohnung gebeten. Sie stritten, die Situation schaukelte sich hoch. Als der Angeklagte mit den Worten "Wenn wir so fortfahren, dann macht es keinen Sinn mehr" gehen wollte, will er bemerkt haben, wie abgemagert seine Tochter gewesen sei. Als er sie darauf angesprochen hat, soll ihn seine Tochter mit "Du Arschloch" beleidigt haben. So zumindest die Darstellung des 68-jährigen. Zugeschlagen will er nicht haben.

Am Abend schickte der Angeklagte seiner Tochter dann eine E-Mail. Der Wortlaut:"Heute bist du zu weit gegangen (...) Ich kann auch anders." Vor Gericht erklärt der Angeklagte, dass er damit nur gemeint habe, dass er seine Zahlungen an die Familie einstellen wolle - eine Ankündigung, die er auch wahr gemacht habe.

Seiner Tochter gibt der Angeklagte aber keine Schuld. Die Mutter habe sie einer "Gehirnwäsche" unterzogen. Seine Tochter sei "durch die Hölle gegangen. Sie ist gar nicht mehr in der Lage, noch klar zu denken."

Ganz anders die Schilderung der Tochter. Die 19-Jährige bestreitet im Zeugenstand, dass sie ihren Vater um ein Gespräch gebeten habe. Es habe geläutet und sie habe den Türöffner betätigt - weil sie gedachte habe, ihre Mutter und ihre Schwester stünden vor der Haustür. Als dann plötzlich ihr Vater in der Küche stand, sei sie geschockt gewesen und habe ihren Vater gebeten zu gehen.

Ihr Vater wollte aber mit ihr reden. Sein Vorwurf: Die 19-Jährige habe stets unter dem Einfluss ihrer Mutter gestanden. Die Diskussion schaukelte sich hoch - so weit stimmen die Darstellungen von Vater und Tochter überein - und dann soll der 68-Jährige zugeschlagen haben. Mehrmals, erst mit der flachen Hand, dann mit der Faust. Unter Tränen erklärt die 19-Jährige vor Gericht, die Faustschläge hätten sie im Gesicht getroffen. Dann habe ihr Vater noch an ihrem Halstuch gezogen, sodass die Atemnot bekommen habe, und schließlich habe er von ihr abgelassen. "Dann hat er mich angegrinst und gesagt, dass ich ganz schön mager geworden bin", so die 19-Jährige.

Das Verhalten ihres Vaters gegenüber ihrer Familie bezeichnet die 19-Jährige als "Psychoterror". Ihr Vater habe sie, ihre Schwester und ihre Mutter geschlagen. "Man durfte nicht weinen, dann hatte man eine drin." Dies bestreitet der Angeklagte aber. All die Jahre habe er seine Tochter nur ein einziges Mal geohrfeigt.

Vorbericht:

Am Amtsgericht Altötting muss sich am Donnerstag ein Mann wegen eines mutmaßlichen Gewaltausbruchs gegen seine Tochter verantworten. Die beiden sollen im April dieses Jahres in Streit geraten sein. Der Grund: Die Scheidung des Vaters. Unvermittelt soll dieser im Laufe der Auseinandersetzung zugeschlagen haben. Zuerst mit der flachen Hand, dann mit der Faust. Anschließend soll der Angeklagte seine Tochter an deren Halstuch gepackt und gewürgt und ihr weitere Ohrfeigen verpasst haben.

++innsalzach24.de ist vor Ort und berichtet aktuell vom Prozess++

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Rubriklistenbild: © dpa (Symbolbild)

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