Prozess am Amtsgericht Altötting

96 Stunden Kinderpornos: Urteil gefallen

  • schließen
  • Weitere
    schließen
  • schließen

Altötting - Das schiere Ausmaß schockiert: Am Amtsgericht musste sich ein Mann wegen des Besitzes kinderpornografischer Schriften verantworten - in über 1500 Fällen. Nun ist das Urteil gefallen

Update 13.10 Uhr

Surreale Situation im Gerichtssaal: Bei der Verhandlung gegen den Rentner aus dem Landkreis Altötting sitzt eine Schulklasse im Zuschauerbereich. Als die Anklage verlesen wird, die dem 64-Jährigen den Besitz von über 1500 Dateien kinderpornografischen Inhalts vorwirft, ist alles ganz still. Der Angeklagte selbst verfolgt die Verlesung mit versteinerter Miene. Über seinen Anwalt räumt der Rentner anschließend alles ein. Einzige Einschränkung: Bei den Dateien könnten einige doppelt abgespeichert sein. Richter Günther Hammerdinger gibt zu verstehen, dass er dies bei der Strafzumessung berücksichtigen könne.

Ein Gutachter hat für die Kripo sämtliche Datenträger des Angeklagten ausgewertet. Dabei hat er eine enorme Sammlung an Pornografie zutage gefördert. Inklusive aller legalen Dateien befanden sich über 61.000 Bilder und gut 9.700 Videos auf Datenträgern. Doch auch die Anzahl der kinderpornografischen Dateien ist ungewöhnlich hoch. Über Jahre hat der Rentner die Dateien laut Gutachter angehäuft. Mehr als 900 Fotos und gut 500 Videos - die Staatsanwältin spricht in ihren Plädoyer von einer "enormen Vielzahl, die man wirklich selten hat bei solchen Verfahren". Auch die Länge der Videos (über 96 Stunde Gesamtspieldauer) und die Art der Dateien seien "massiv". Allerdings hat der Angeklagte die Dateien nur besessen, aber nicht weiterverbreitet. Der Gutachter hat dafür keinerlei Hinweise gefunden.

Die Staatsanwältin beantragt für den Angeklagten eine Bewährungsstrafe von einem Jahr und vier Monaten, wobei sie begünstigend berücksichtigt, dass der Angeklagte geständig war, nicht vorbestraft ist und einige Dateien doppelt sein könnten.

Der Verteidiger des Angeklagten betont, dass sich sein Mandant kooperativ gezeigt habe. Weil er den kinderpornografischen Inhalt der Dateien nicht bestritten hat, blieb dem Gericht eine Inaugenscheinnahme erspart. Der Verteidiger plädiert für eine Bewährungsstrafe in Höhe von zehn Monaten - auch weil das Verfahren an sich bereits eine Belastung für seinen Mandanten ist. Alles sei von der Ehefrau mitbekommen worden. "Da musste erst wieder Vertrauen aufgebaut werden", so der Verteidiger.

Richter Günther Hammerdinger verurteilt den Angeklagten letztlich zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und drei Monaten. Zwar rechnet Hammerdinger dem Rentner an, dass er nicht versucht habe, "drum rum zu reden" und Ausflüchte zu suchen, wie es häufig der Fall sei. Allerdings gehe die Menge der Dateien über das hinaus, was üblicherweise gefunden werde. Zudem handle es sich um "knallharte Kinderpornografie". Hammerdinger hofft, dass der Angeklagte aus dem Verfahren lernt. "Ich gehe davon aus, dass ihm das eine Lehre sein wird und er in Zukunft die Finger davon lassen wird."

Zusätzlich zur Bewährungsstrafe muss der Angeklagte mit den hohen Verfahrenskosten leben. Diese liegen aufgrund des teuren Gutachtens von 5.800 Euro bei insgesamt 6500 Euro.

Anklage und Verteidigung erklären Rechtsmittelverzicht. Das Urteil ist damit rechtskräftig.

Unser Vorbericht vom Donnerstagmorgen:

Am Donnerstag muss sich ein Mann am Amtsgericht Altötting wegen des Besitzes kinderpornografischer Schriften verantworten. Auf bei einer Durchsuchung sichergestellten Datenträgern haben Ermittler fast 1000 Bilddateien und über 500 Videos gefunden. Die Gesamtspielzeit der Videos soll bei über 96 Stunden liegen.

Erst im vergangen Jahr hat der Gesetzgeber das maximale Strafmaß für den Besitz von Kinderpornografie erhöht. Wer für schuldig befunden wird, muss nun mit bis zu drei Jahren Haft rechnen. Zuvor lag das maximale Strafmaß bei zwei Jahren. Die Gesetzesnovelle war seinerzeit auch durch die Ermittlungen gegen den früheren SPD-Bundestagsabgeordneten Sebastian Edathy angestoßen worden.

+++ innsalzach24.de ist vor Ort und berichtet aktuell vom Prozess +++

Rubriklistenbild: © dpa (Symbolbild)

Zurück zur Übersicht: Stadt Altötting

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser