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Covid-Ausblick für den Herbst

Altöttinger Landrat: „Erneute Schulschließungen und Lockdowns sind den Bürgern kaum vermittelbar“

: (v.li.) Thomas Ewald (Vorstandsvorsitzender des InnKlinikum), Dr. Alexandra Phillip, Robert Ordner (Leiter der Fort- und Weiterbildung am Bildungszentrum Gesundheit und Pflege des InnKlinikum Altötting) und Landrat Erwin Schneider.
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Erwin Schneider (rechts) gilt als Covid-Impfbefürworter und generell umsichtig. Hier bei einer Fortbildung mit Thomas Ewald (Vorstandsvorsitzender des InnKlinikum), Dr. Alexandra Phillip und Robert Ordner (von links).

Die Bevölkerung tappt im Dunkeln: Welches Covid-19-Szenario erwartet uns im kommenden Herbst und Winter? Der Altöttinger Landrat Schneider gibt einen Ausblick auf denkbare Situationen und Maßnahmen, die bei hohen Inzidenzen ergriffen werden könnten.

Altötting - Die Masken sind auch im Hochsommer nicht ganz weg. Wenn man zum Arzt geht, einen lieben Menschen im Seniorenheim besucht, mit dem Zug oder mit dem ÖPNV-Bus fährt, tragen die Menschen weiterhin eine Schutzmaske - medizinisch oder FFP2. Auch im Supermarkt oder in öffentlichen Einrichtungen tragen einige Personen freiwillig eine Covid-Schutzmaske. Das mutet manchen merkwürdig an, da offiziell keine Maskenpflicht mehr besteht. Auch Kontaktbeschränkungen sind seit Monaten gefallen. Sportveranstaltungen und Volksfeste finden frei statt.

Auf welches Szenario bereitet sich das Gesundheitsamt Altötting im Herbst vor?

Weiterhin erkranken Personen in schöner Regelmäßigkeit - Covid-Geimpfte genauso wie Nicht-gegen-Covid-19-Geimpfte. Der Verlauf von Covid-Infektionen mit der Omikron-Variante des Virus ist meistens mild. Doch Experten befürchten das Auftauchen neuer Varianten und Mutationen. Welche Vorsichtsmaßnahmen treffen die Gesundheitsämter? innsalzach24.de hat mit Altöttings Landrat Erwin Schneider gesprochen, wie sich die Behörden auf die kalte Jahreszeit vorbereiten, in der die Covid-Inzidenzen mit hoher Wahrscheinlichkeit wieder klettern.

Zentrale Covid-Hotspots sind weiterhin Schulen und Kinder-Betreuungseinrichtungen. Denn dort treffen regelmäßig viele Menschen auf engem Raum zusammen. Das erhöht das Ansteckungsrisiko drastisch. Können Schulen gleich zu Beginn des neuen Schuljahres wieder geschlossen werden? Blüht Kindern, Eltern und Lehrern erneut Homeschooling? Das Thema ist sehr heikel, da vor allem viele berufstätige Eltern auf Kinderbetreuung angewiesen sind.

Altöttings Landrat: „Kinder haben unter fehlenden Sozialkontakten gelitten“

Sie können aufatmen, wenn man Landrat Erwin Schneider zuhört: „Der Nutzen von Schulschließungen in Bezug auf die Bekämpfung der Corona-Pandemie ist nach heutigen Erkenntnissen umstritten. Nicht umstritten ist die Tatsache, dass die Kinder und Jugendlichen unter den Schließungen und den damit verbundenen fehlenden Sozialkontakten spürbar gelitten haben. Aus diesem Grund glaube ich nicht, dass wir Schulschließungen oder die Schließung von Kindertageseinrichtungen in dieser Pandemie noch einmal sehen werden.“

„Situation im InnKlinikum ist nach wie vor beherrschbar“

Schneider weist in die Richtung, aus der der „Covid-Wind“ weht, auf das Gesundheitssystem: „Eine Überlastung des Gesundheitssystems zu vermeiden, ist das über allem thronende Thema. Was die Patienten betrifft, ist die Situation im Innklinikum nach wie vor beherrschbar. Schwerer wiegt die Zahl der Mitarbeiter, die wegen einer Corona-Infektion nicht arbeiten können.“

Der Altöttinger Landrat ist insgesamt entspannt, während sich Herbst und Winter langsam aber sicher nähern: „Wir beobachten einen hohen Immunisierungsgrad unserer Bevölkerung - entweder durch Infektion, Impfung oder durch eine Kombination aus beiden. In den allermeisten Fällen sehen wir bei der Omikron-Variante vergleichsweise milde Krankheitsverläufe.“

Selbst mögliche neue Varianten haben ihren Schrecken verloren

Sollte im Herbst/Winter nicht neue - was den Krankheitsverlauf betrifft wieder schwerwiegendere - Virus-Varianten auftauchen, wird der bevorstehende „Herbst/Winter deutlich entspannter als in den letzten beiden Jahren“, wenn es nach Erwin Schneider geht. Der CSU-Politiker sieht auch keine neue Lockdowns kommen: „Ich glaube nicht, dass wir derartige Einschränkungen in dieser Pandemie noch einmal erleben werden.“ Aber garantieren kann es das nicht: Eine Immunfluchtvariante, die schwere Verläufe verursacht, kann natürlich wieder tiefgreifende Maßnahmen notwendig machen, um das Gesundheitssystem am Laufen zu halten.“

Wie sieht es mit dem Testen aus? Wer muss zahlen und wer nicht?

Offenbar bleiben für viele Personengruppen Schnelltests kostenlos. Dazu zählen beispielsweise Besucher und Behandelte oder Bewohner in medizinischen Einrichtungen und viele andere „vulnerable Gruppen“. Erwin Schneider: „Vor dem Hintergrund, dass die Bürgertests, die auch ohne einen Anlass durchgeführt wurden, extrem hohe Kosten verursachen und aufgrund der Tatsache, dass Tests ohne Probleme in Apotheken oder im Einzelhandel gekauft werden können, halte ich die Entscheidung der Bundesregierung für richtig und nachvollziehbar. Ich würde die Testpflicht sogar generell abschaffen.“

Trotzdem kann das Testen später wieder ins Spiel kommen

Aber nicht unter allen Umständen: „Sollten aufgrund hoher Inzidenzen und einer drohenden Überlastung des Gesundheitssystems wieder Zugangsbeschränkungen eingeführt werden, so macht verstärktes Testen - unabhängig vom Impfstatus - wieder Sinn.“ Auch eine wieder intensivierte Maskenpflicht in Innenräumen kann er sich „durchaus vorstellen. Lockdowns und strenge Kontaktbeschränkungen sind aus heutiger Sicht weder notwendig, noch vermittelbar oder verhältnismäßig.“

Impf- und Testzentrum am Kreishallenbad soll auf jeden Fall bleiben

Der Landkreis Altötting kann sich bestmöglich darauf vorbereiten, sollte laut Erwin Schneider - „im Herbst ein angepasster Impfstoff auf den Markt kommen. Das tun wir auch, indem wir das Impf- und Testzentrum am Kreishallenbad auf jeden Fall auch in den nächsten Monaten weiter betreiben werden, um eine eventuell nötig werdende groß angelegte Impfkampagne so gut wie bisher schultern zu können.“

Und wie ist es mit der Impfpflicht? „ Im Jahr 2020 gab es keine Impfpflicht und es konnte somit auch keine umgesetzt werden. Die einrichtungsbezogene Impflicht wurde vor dem Hintergrund der Delta-Variante eingeführt, bei der eine Impfung eine gute Schutzwirkung vulnerabler Gruppen gewährleistet hat. Aufgrund der Tatsache, dass die Impfung bei der Omikron-Variante einen selbst zwar sehr gut vor einem schweren Verlauf schützt, aber nicht ausreichend vor einer Ansteckung, sehe ich die einrichtungsbezogene Impfpflicht mittlerweile als überholt.“ Auch der Schutz vor einer „Infektion nach Booster-Impfung oder Genesung“ lasse bei Omikron schnell nach.

Demonstrationen „bei strengen Maßnahmen und auch wegen eines Themen-Sammelsuriums“

Schneider sieht auch „keine Schließungen ganzer Branchen kommen“, zumal auch der „Sachverständigenausschuss, dem 18 Experten aus unterschiedlichsten Fachbereichen angehören, der Meinung ist, dass Lockdowns nur zu Beginn einer Pandemie einen Nutzen haben.“

Und wenn wider Erwarten doch wieder strengere Maßnahmen eingeführt werden müssen? Schneider: „Dann rechne ich auch wieder verstärkt mit Demonstrationen dagegen. Bei den Demonstrationen geht es aber auch nicht mehr nur um die Corona-Politik, sondern um ein ganzes Sammelsurium an politischen und gesellschaftlichen Themen.“

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