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„Verkaufs-Schrankl“ in Altötting

Nach tragischem Tod ihrer Tochter: „Immer wenn ich jetzt etwas bastle, ist Nadine gefühlt bei mir“

Mit dem „Verkaufs-Schrankl“ wollen Ulrike Merz und ihre Tochter Antonia auch an Nadine erinnern.
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Mit dem „Verkaufs-Schrankl“ wollen Ulrike Merz und ihre Tochter Antonia an die ältere Tochter erinnern, die nicht mehr da ist.

Das „Verkaufs-Schrankl“ mit freiem Zugang an einem Wohnhaus in der Loretostraße dürfte einzigartig in der gesamten Region sein. Jeder, der vorbeikommt, kann sich liebevoll in Handarbeit gefertigte Basteleien und Deko-Objekte aussuchen. Man darf sich selbst bedienen und frei bezahlen. Doch die Erfindung der Familie Merz hat einen traurigen Hintergrund.

Altötting – Es ist ein strahlend schöner Frühlingstag. Der hölzerne Wegweiser zum „Verkaufs-Schrankl“ mitten in einer Wohnsiedlung sieht einladend kreativ aus. Ein Farbtupfer im Einerlei. Doch wenn „Schrankl“-Erfinderin Ulrike Merz an ihrem Wohnzimmertisch sitzt und ihre Tochter Nadine Gesprächsthema ist, kommen ihr sofort die Tränen. Die 20-Jährige ist im Januar 2021 überraschend gestorben. Es passierte im Wohnhaus, plötzlich erlitt sie eine Lungenembolie und mehrere Schlaganfälle. Die Ärzte konnten ihr nicht mehr helfen.

Bilder aus ihrem Leben mit Kerzen und Engel erinnern an Nadine.

Nadine (20) aus Altötting plötzlich verstorben - Schnickschnack bietet Ablenkung

„Nur ihre kleine Schwester Antonia war damals bei ihr, auf die Nadine eigentlich hätte aufpassen sollen. Die Kleine holte noch die Oma zu Hilfe. Doch das Unglück war nicht abzuwenden“, so Mama Ulrike unter Tränen. Auf dem Tisch steht eine Gedenk-Ecke mit Bildern von Nadine, Blumen und Engelsfiguren.

Den Schnickschnack - die handgemachten Bastelsachen im „Schrankl“ vor der Haustür - „hätte Nadine geliebt“. Da ist sich ihre Mutter sicher. Deshalb hat sie den Holzschrank zum freien Warenaustausch erfunden. Auch, um den Schmerz über den Verlust ihrer ältesten Tochter zu überwinden.

„Nadine hat immer gesagt: Für uns ist Corona nicht schlimm, weil wir alle zusammen sind“, so Ulrike Merz. Dann kam es anders und das Schicksal forderte ihr eigenes Leben.

Handgemachte „Kleinigkeiten, die das Herz erfreuen“ sind im Schrankl in der Loretostraße 5 in Altötting.

Brustkrebs: Familie muss schwere Lebens-Prüfungen bestehen

Die Lebens-Prüfungen, die Familie Merz zu bestehen hat, sind schwer. Denn vor einigen Jahren erkrankte Mutter Ulrike an Brustkrebs. Es war eine aggressive Form. Mittlerweile gilt sie praktisch als geheilt. Die Prognose ist gut.

Als das noch gar nicht klar war, entschied sich ihre „Große“, daheim zu bleiben, um ihrer Familie in dieser ganz schwierigen Zeit beizustehen. Sie suchte sich ein duales Studium, um Geld zum Familienhaushalt beizusteuern. Denn die Mama konnte vorübergehend nicht mehr arbeiten und bekam auch kein Krankengeld mehr.

Irgendwie muss es weiter gehen. Wenn Ulrike Merz wieder einmal nicht gut schlafen kann, geht sie ins Wohnzimmer und bastelt. Oder sie plottet und gießt Deko für Handgemachtes.

„Kleinigkeiten, die das Herz erfreuen“ sollen im Schrankl sein - und Maritimes im Sommer

Das Sortiment im Verkaufs-Schrankl wechselt ständig und ist an Festlichkeiten und Feiertage thematisch angepasst. Aktuell findet man viele Geschenkideen zum Thema Ostern 2022: „Es ist immer geöffnet und jeder kann sich was aussuchen, mitnehmen und auf Vertrauensbasis in der Kasse bar bezahlen“, so Ulrike Merz.

Auf besonderen Wunsch fertigt sie auch personalisierte Geschenke und Kleinod. Bald soll Urlaubsfreude ins Schrankl einziehen. „Maritimes mit Sand und Muscheln in Betonschalen“ stellt sich die Künstlerin für den Sommer vor.

Ulrike Merz: Beim Schmücken und Basteln ist „Nadine gefühlt bei mir“

Mit selbstgemachten Garten- und Klangschalen aus Beton hat Ulrike Merz vor einem Jahr ihr Kunsthandwerk angefangen. Dabei entdeckte sie ihr Talent. „Immer wenn ich jetzt etwas bastle und schmücke, ist Nadine gefühlt bei mir“, das tröstet mich und hilft mir, mich abzulenken.“ Obwohl die Traurigkeit über den Verlust so groß ist, dass ihr die Worte fehlen.

Ulrike Merz und ihr Mann halten in einer schwierigen Zeit fest zusammen. Während er in Vollzeit arbeitet, um seine Familie zu versorgen, ist Ulrike in Teilzeit in der Pflege beschäftigt. Sie hatten sich vor 26 Jahren bei der Arbeit in der Gastronomie kennengelernt. Für die Einnahmen aus dem Verkauf der Bastelsachen ist ein Kleingewerbe angemeldet.

Adresse und Kontakt vom „Schrankl“

Das „Verkaufs-Schrankl“ steht in Altötting in der Loretostraße 5 mitten in einer Wohnsiedlung. Wer Interesse hat, kann ohne Berührungsängste zum Wohnhaus gehen. Der Schrank ist offen. Es gilt Selbstbedienung.

Für personalisierte Bastelsachen kann bei direkt bei Familie Merz läuten und alles weitere mit Ulrike Merz besprechen. Oder per Email an: schranklmitherz@gmail.com

-rok-

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