Barrierefreier Kapellplatz

Altötting: Treppe wird zum Zankapfel

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Der Kapellplatz kann voraussichtlich schon im Laufe des nächsten Jahres von der Tiefgarage aus mit einem Lift erreicht werden
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Altötting - Der Kapellplatz wird barrierefrei. Das hat der Stadtrat allerdings nicht ohne zähe Diskussion beschlossen. Reicht der Aufzug oder braucht's auch eine Treppe?

Grundsätzlich waren sich die Stadträte einig: Der Kapellplatz soll barrierefrei sein. Konkret bedeutet das, dass am Ausgang der Tiefgarage am Kapellplatz zum Bruder-Konrad-Platz ein Aufzug gebaut werden muss. Zu dem Thema hatte es schon mehrere Debatten gegeben, auch Beschlüsse waren schon gefallen. Vor dem Grundsatzbeschluss am Mittwochnachmittag kam es dessen ungeachtet zu einer zähen Debatte - sehr zur Verwunderung des Bürgermeisters.

Der Bürgermeister versteht die Welt nicht mehr

"Ich verstehe die Welt nicht mehr", sagte Bürgermeister Herbert Hofauer. Das Thema werde seit sechs Monaten diskutiert, alles sei geprüft und erledigt. Insbesondere Dritter Bürgermeister und Freie Wähler-Fraktionssprecher Konrad Heuwieser hakte am Mittwoch dennoch entschieden nach, stellte Fragen zu den Details des Umbaus und zu den Kosten. Heuwieser regte unter anderem an, die Treppe einfach wegzulassen, womit der Aufzug näher am Münchner Hof gebaut werden könnte.

Der Vorschlag hatte allerdings einen Haken: Wie Hubert Rabenbauer vom Hochbauamt der Stadt erklärte, sei die geplante Position des Lifts der einzige Platz, dem die Denkmalbehörde zustimme. Die Bedeutung des Münchner Hofs als Baudenkmal sei zu groß. Der Bürgermeister merkte zudem an, dass sich eine größere Gruppe unten trennen müsste, wenn es nur einen Lift gäbe.

"Was uns schockiert, ist die Höhe der Kosten"

Ein weiterer Diskussionspunkt waren die Kosten. "Das, was uns in der Fraktion schon etwas schockiert hat, ist die Höhe der voraussichtlichen Kosten", sagte Heuwieser und sein FW-Fraktionskollege Dr. Johann Kistler kritisierte: "Am Anfang haben wir ganz andere Zahlen genannt bekommen." Tatsächlich war man anfangs von 350.000 Euro ausgegangen. Aktuell liegt die Planung bei 456.000 Euro. Bürgermeister Hofauer verteidigte die Herangehensweise, nicht etwa bei der alten Schätzung zu bleiben und diese dann zu überziehen, sondern mit der neuen Zahl, einer "sauberen Schätzung" zu planen. Hofauer verwies außerdem auf die hohe Förderung. "Uns kostet es Gott sei Dank nur 150.000 Euro."

SPD-Fraktionssprecher Hubert Rothmayer zeigte sich von den Kosten zwar nicht begeistert, sagte aber auch: "Diese Kröte müssen wir schlucken, insbesondere weil die Zuschüsse richtig gut sind." Eine Einschätzung, die der Bürgermeister teilte: "Eine bessere Finanzierung kriegen wir da nimmer", so Hofauer und der Zweite Bürgermeister Wolfgang Sellner (CSU) sagte: "Ich meine, dass wir an dieser Stelle das Optimum erreicht haben." Auch Dr. Rudolf Saller (FDP) äußerte sich positiv: "Der Aufzug muss sein, die Treppe ebenso." Mit Blick auf die Kosten sagte Saller, er könne das Vorhaben jedem Bürger ohne Probleme vermitteln.

Baubeginn Anfang 2016

Die Stadt kalkuliert mit Kosten in Höhe von rund 456.000 Euro. Die öffentliche Erschließung (wie etwa der Kanalanschluss) schlägt mit 45.000 Euro zu Buche, das Bauwerk selbst kostet 250.000 Euro und die technischen Anlagen (Abwasser, Strom, der Aufzug selbst) kosten 71.500 Euro. Die Stadt kann mit einer Förderung von 307.000 Euro aus dem Städtebauförderungsprogramm "Aktive Zentren" rechnen. Die Treppe kostet voraussichtlich 35.000 bis 40.000 Euro - das Einsparpotenzial wäre hier also relativ gering, zumal die Stadt auch bei der Treppe nur ein Drittel der Kosten selbst tragen muss. Die Folgekosten für den Lift (Notruf und Wartung) liegen bei rund 1000 Euro pro Jahr.

Bei der Baumaßnahme werden alle Belange des Denkmalschutzes und der Barrierefreiheit berücksichtigt. Im Frühjahr 2016 soll der Bau beginnen; binnen eines halben Jahres soll die Maßnahme abgeschlossen sein.

Breite Mehrheit im Stadtrat

Im Stadtrat gab es für den Grundsatzbeschluss zugunsten der Baumaßnahme letztlich trotz der langen Diskussion eine breite Mehrheit. Das Gremium stimmte dem Vorhaben bei nur drei Gegenstimmen zu. Heuwieser sprach sich letztlich für die Planungen aus, da die Kosten für die Treppe bezogen auf die Gesamtsumme gering sind. Nach dem positiven Votum des Stadtrats kann die Stadt bei der Regierung von Oberbayern einen Förderantrag stellen.

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