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Hohe Inzidenz im Landkreis Altötting

„Kliniken stehen mit dem Rücken zur Wand“ - Offenbar liegt es auch am Personalmangel

Krankenhäuser brauchen mehr Intensivmediziner auf den Stationen.
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Auf einer Covid-Station versorgen Ärzte und Schwestern Patienten.

Die InnKliniken haben seit 4. November ein Besuchsverbot verhängt. In den Krankenhäusern in Mühldorf, Altötting, Burghausen und Haag ist die Auslastung der Intensivbetten besonders kritisch. Rechnet man die Kinder unter 12 Jahren aus der Statistik heraus, ist jedoch die Impfquote insgesamt nicht schlecht. Wo sind die „Brandherde“ für die hohen Inzidenzen im Landkreis? innsalzach24.de mit einer Aufarbeitung.

Altötting - Das Gesundheitsamt im Landkreis Altötting ist mit Krankenhaus-Ampel, Errechnung der Inzidenz sowie allgemeinem Impf-Management maximal ausgelastet. Altötting gehört zu den Landkreisen mit den höchsten Inzidenzen in Bayern. Das InnKlinikum mit seinen Standorten in Altötting, Mühldorf, Burghausen und Haag hat seit 4. November ein Besuchsverbot verhängt, um weitere Kontakte mit möglichen Trägern des Corona-Virus zu minimieren.

Laut Dr. Robert Müller, Pressesprecher am Landratsamt Altötting „stehen unsere Kliniken mit dem Rücken zur Wand“. Vor allem die Personaldecke sei dünner geworden, „was die Situation noch mehr verschärft als die Zahl der Intensivbetten“. Glücklicherweise gebe es „diesmal kaum ein Infektionsgeschehen innerhalb des Klinik-Personals“.

Über Soziale Medien - speziell Facebook - haben die InnKliniken vor kurzem den Notstand ausgerufen: „Unsere drei Intensivstationen sind aktuell bis auf ein einziges Bett in Altötting voll belegt. In Mühldorf ist die Intensivstation sogar mit zwei Patienten überbelegt. Wir versorgen im Moment zwölf COVID-Patienten auf Intensiv, davon werden zehn beatmet. Könnten wir nicht immer wieder vereinzelt Intensivpatienten in andere Kliniken verlegen, wäre das InnKlinikum für neue intensivpflichtige Patienten nicht mehr aufnahmefähig. Im COVID-Bereich versorgen wir inzwischen 77 Patienten plus fünf Verdachtsfälle (die Zahl ist also weiter deutlich gestiegen). Die Lage ist leider sehr ernst.“

Quote von 73,4 Prozent bei den Impfberechtigten

Die Gesamtimpfquote im Landkreis Altötting liegt aktuell (Stand 7. November) laut Angaben des Landratsamts bei 65,1 Prozent. „Diese Zahl ist allerdings zu einem erheblichen Anteil von den derzeit noch nicht impfberechtigten Kindern unter 12 Jahren bestimmt. Rechnet man diese Altersgruppe heraus, kommt man auf eine Quote der Impfberechtigten von 73,4 Prozent“, so Dr. Müller. Dieser Wert ist im Vergleich mit den meisten Nachbar-Landkreisen in Oberbayern gut.

Die Impfquote steige zwar momentan leicht „durch das Boostern, die akute Infektionslage und die Erstimpfungen als Folge der 2G-Regelung“, so Müller. Die landesweite Bereitstellung der kostenfreien Covid-19-Bürgertests sei „politisch beschlossen“ und stehe „kurz vor der Wiedereinführung“. Man reagiere auf die Verordnungen „flexibel und dynamisch“. Das Impfzentrum in der Badstraße 1 in Neuötting soll in in der Woche vom 15. bis 19. November wieder an zwei Vormittagen öffnen. Bedarfsabhängig könnten das Fenster der Öffnungszeiten „noch weiter geöffnet werden“, so der Pressesprecher.

Aktuelle Corona-Infos aus dem Landkreis Altötting

Trügerische Freiheit, weniger Tests und Maskentragen

Die 7-Tages-Inzidenz im Landkreis Altötting ist innerhalb von sieben Tagen von 323,3 auf 649,3 hochgeschnellt. Sogar noch dramatischer ist die Entwicklung in den Landkreisen Traunstein, Berchtesgadener Land und Mühldorf am Inn. Aus dem Landkreis Rottal-Inn wurde am Mittwochmorgen (10. November) eine Inzidenz von 1104,3 gemeldet. Es ist der höchste Wert, der jemals in einem Landkreis in Deutschland registriert wurde.

Die Frage stellt sich, warum dieses Anschwellen der Inzidenzen in der Vierten Welle alle bisherigen Prognosen - auch die Situation im Winter 2020/21 - übertrifft. Denn trotz einer phasenweise sehr schleppenden Impfentwicklung sind wesentlich mehr Menschen geimpft als im Winter des vergangenen Jahres. Der Biontech-Pfizer-Impfstoff zum Beispiel erhielt erst am 21. Dezember 2020 seine EU-Zulassung.

Zunächst lässt die Schutzwirkung durch die Impfung der im Frühjahr 2021 geimpften Menschen nach sechs Monaten deutlich nach, wie der Mediziner Prof. Dr. Richard Greil im Interview mit innsalzach24.de zu bedenken gibt. Ein größerer Teil der Erstgeimpften erhielt die Auffrischungsimpfung nicht. Zweitens hat sich durch die 2G-Freigaben großer Teile des öffentlichen Lebens ein trügerisches Freiheitsgefühl unter Geimpften verbreitet. Durch Discobesuche ohne Maske und Restaurantbesuche ohne Abstand sowie das Aufleben von Sport- / Massenveranstaltungen wurde die Ansteckungsquote unter Covid-Geimpften hochgetrieben. All das lässt sich von den Aussagen des Infektiologen vom Uniklinikum Salzburg ableiten.

Abschaffung der kostenfreien Tests geht nach hinten los

Gleichzeitig wurde durch die Abschaffung der kostenfreien PCR- und Schnelltests für die Gesamtbevölkerung viel weniger getestet. Seit dem Stichtag 11. Oktober haben große Teile der Geimpften und Ungeimpften das Testen eingestellt. Die Politik plant gerade, die kostenlosen Testmöglichkeiten wieder einzuführen. Schon bald soll die gesamte Bevölkerung wieder zwei Antigen-Schnelltests pro Woche angeboten bekommen.

PCR-Tests betrifft das aktuell nicht. Dieses Angebot war ein Programm des Freistaats Bayern, das zum 11. Oktober 2021 eingestellt wurde“, so Müller. Selbst ein Wieder-Aufleben dieser freien PCR-Tests sei denkbar, „ist aktuell aber nicht spruchreif und noch nicht konkret geplant“.

Der neuen akuten Pandemie-Entwicklung steuert die Bayerische Staatsregierung nun mit einer 3G-Regel am Arbeitsplatz entgegen. Damit gilt dort eine Schnelltest-Pflicht für Ungeimpfte und eine Test-Empfehlung für Geimpfte. Die Arbeitsschutzverordnung, nach der Arbeitgeber jedem Arbeitnehmer zweimal pro Woche einen Schnelltest zur Verfügung stellen müssen, gilt noch bis 24. November und wird voraussichtlich verlängert.

Woher das jüngste massive Anschwellen der Inzidenzen im Bezirk Oberbayern komme „darüber kann man nur mutmaßen“, so Dr. Müller. Möglicherweise liege es an der kalten Witterung oder am regional hohen Transit-Verkehrsaufkommen mit Österreich. Insgesamt sei es eine „undefinierbare Gemengelange aus vielen Faktoren, die Inzidenzen ansteigen lässt“.

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