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Viel konstruktive Kritik

Idee lokaler Energienetze im Altöttinger Stadtrat vorgestellt

Vorstand Michael Perkmann stellte in der jüngsten Sitzung des Altöttinger Stadtrates das Regionalwerk Chiemgau-Rupertiwinkel (RCR) vor. Das Kommunalunternehmen vereint bereits 16 Gemeinden aus den Landkreisen Altötting, Traunstein, Berchtesgadener Land und Rosenheim mit dem Ziel, ihre Strom- und Wärmenetze künftig selbst zu organisieren. Zwar wurde am Mittwoch im Kultur- und Kongressforum kein Beschluss gefällt, doch das Konzept erntete viel konstruktive Kritik.

Altötting – Ziel des 2021 gegründeten Unternehmens mit Sitz in Kirchanschöring ist es, die Wärme- und Stromnetze künftig zu regionalisieren. „Viele Solaranlagen fallen demnächst aus der EEG-Förderung“, erklärte Michael Perkmann dem Altöttinger Stadtrat. Die daraus resultierenden geringen Abnahmepreise der großen Energiekonzerne führen dazu, dass es für viele Betreiber solcher Anlagen nicht mehr rentabel sein wird. „Der schlimmste Fall wäre, wenn die Anlagen wieder abgebaut werden!“, so der Vorstand des RCR. Dem Diplomingenieur zufolge könnten hierfür dann gemeinnützige GmbHs mit privater Beteiligung gegründet werden.

Nötiges Know How würde das gemeinsame Kommunalunternehmen (gKU) RCR liefern. Solche lokalen Firmen könnten nämlich Betreibern bessere Abnahmepreise bieten, ohne dass die Preise für die Endverbraucher unverhältnismäßig stiegen. Vielmehr im Gegenteil wären die Nutzer dauerhaft unabhängig von weltweit schwankenden Energiepreisen. Zudem würden auf diese Weise wertvolle Arbeitsplätze und Kompetenzen in der Region geschaffen. Ein Grund, warum insbesondere seit dem Ukrainekrieg das Interesse am RCR wieder stark gestiegen sei: „Interessenten, die mir im letzten Jahr erst einmal abgesagt hatten, haben sich plötzlich wieder gemeldet!“, beteuerte Michael Perkmann.

Laut dem RCR-Vorstand hätten inzwischen vierzig weitere Kommunen aus der Region Interesse an einer Mitgliedschaft ab dem Jahr 2023 bekundet. Denn das gKU hat darüber hinaus auch die effizientere Nutzung der Wärme in der Region im Visier. Egal ob bisher ungenutzte industrielle Abwärme oder sogar diejenige der vielen Biogasanlagen, ebenso wie für die vier bereits gebauten oder die vierzig geplanten Geothermieanlagen, sieht das Regionalwerk Verbesserungsmöglichkeiten.

Mit all diesen Erzeugern steht das RCR bereits im Kontakt. Das bayerische Wirtschaftsministerium hat offenbar signalisiert, dass man die Koordinierungsfunktion des gKU aus Kirchanschöring unterstützen würde und die bei der EU beantragte „ENEREGIO SOBOS“, an der Südostbayern, Oberösterreich und Salzburg partizipieren würden, steht bereits in der fünften Genehmigungsstufe.

Weitere mögliche Betätigungsfelder der RCR seien die technische Betreuung kommunaler Einrichtungen und Gebäude, der Breitbandausbau oder kleinräumigere Arealnetze. Michael Perkmann zeigte sich im Gegensatz zu so manchem Stadtrat überzeugt davon, dass man auch solche Großprojekte auf diese Weise gemeinsam schultern könne: „Die Märkte sind liberalisiert, jetzt sollten wir alles dafür tun, das Heft nicht wieder an die Großkonzerne zurückzugeben!“. Konkretere Zahlen zu den Kosten, wie sie die Stadträte Günter Vogl (AfD), Alfred Kanizsay und Wofgang Sellner sowie Bürgermeister Stephan Antwerpen (alle CSU) haben wollten, konnte der Ingenieur nicht geben. Für die Mitgliedschaft würden allerdings je 15.000 Euro Stammkapital und Kapitaleinlage fällig.

Lob kam vom Fraktionssprecher der CSU, Christian Pöllner, genau wie von Marcel Seehuber (Die Liste) und Umweltreferent Toni Dingl (FW). Letzterer schlug darüber hinaus vor, bestehende Firmen und Organisationen, wie die EGIS oder das Energiesparwerk mit einzubinden. Fraktionssprecher Konrad Heuwieser (FW) hielt den Wirtschaftlichkeitszwang bei der Vergabe solcher Projekte für ein Hindernis, doch die Antwort des Fachmanns war einleuchtend: „Wenn 80 Prozent in die kommunale Versorgung geht, kann auf öffentliche Ausschreibungen verzichtet werden“, so Michael Perkmann.

Der Bürgermeister kündigte eine Abstimmung über die Mitgliedschaft für die Julisitzung an. RCR-Handlungsfelder: In Kirchanschöring laufen bereits die Informationen von 16 Kommunen aus vier Landkreisen bezüglich ihrer Energiestrategie zusammen. 2023 könnten vierzig Weitere dazu kommen, darunter Altötting.

pbj

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa/Symbolbild

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