Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Gräber-Sensation in Altötting

MdL Sabine Weigand: „Die Öffentlichkeit müsste diese historischen Stoffreste und Schwerter sehen dürfen“

MdL Dr. Sabine Weigand zeigt gemeinsam mit Dr. Jochen Haberstroh eines der beiden gefundenen Schwerter.
+
MdL Dr. Sabine Weigand zeigt gemeinsam mit Dr. Jochen Haberstroh eines der beiden gefundenen Schwerter (links). Rechts: Weitere Fundstücke.

Die Funde aus der Zeit zwischen dem 6. und dem 8. Jahrhundert, die 2019 auf dem Grundstück in der Ebererstraße 7 in Altötting gesichert wurden, gewähren wertvolle Einblicke in die Zeit vor der Pfalzerhebung Altöttings. Im August 2022 wurden die Gegenstände offiziell präsentiert.

Altötting - Man kann von einer kleinen archäologischen Sensation sprechen: Bei Ausgrabungen auf einem Privatgrundstück in Altötting kamen Grabbeigaben aus dem frühen Mittelalter zum Vorschein. Nach drei Jahren behutsamer Sichtung und Restaurierung wurden die Stücke jetzt der Öffentlichkeit präsentiert.

„Besondere Textilreste an eisernen Waffen und Trachtzubehör“

Im Sitzungssaal des Rathauses ging es am 12. August um das Thema „Nachhaltigkeit in der Archäologie“. Federführend präsentiert wurden die Ausgrabungen von Dr. Sabine Weigand, der denkmalpolitischen Sprecherin der Grünen Landtagsfraktion: „Die geborgenen Funde, auch bewegliche Bodendenkmäler genannt, müssen dauerhaft erhalten werden. Die Funde aus frühmittelalterlichen Gräbern, die vor einigen Jahren in der Ebererstraße 7 geborgen wurden, begeistern aufgrund der besonderen Textilreste an eisernen Waffen und Trachtzubehör.“

Baurechtlicher Umgang mit dem mittelalterlichen Grabmal

Im Umfeld der Fundstelle war seit langem ein frühmittelalterliches Gräberfeld bekannt. Dort bedürfen deshalb ebenso wie im nahen Umfeld Erdarbeiten schon lange einer denkmalrechtlichen Erlaubnis. Das ist also nichts Neues und sollte es dort künftig zu Bautätigkeiten kommen, wissen die Denkmalschutzbehörden und potentielle Bauträger, wie sie mit Rücksicht auf das Bodendenkmal vorgehen müssen.

Auf Nachfrage von innsalzach24.de ergänzt sie ihre Stellungnahme am Dienstag (23. August) folgendermaßen: „Sie (die Funde) öffnen gleichsam eindrucksvoll und sehr anschaulich ein stückweit die Tür zur Frühgeschichte der Stadt. Besonders beeindruckend sind die Beigaben aus dem Grab eines Kriegers aus der Zeit um 700 n.Chr.. Zwei Schwerter haben noch Stoffanhaftungen, was sehr selten ist. Und der reich verzierte Gürtel zeugt ebenfalls von dem hohen Stand des Kriegers.“ Er wurde rund zwei Generationen vor der ersten urkundlichen Erwähnung Altöttings beigesetzt und aus den Funden wissen die Experten jetzt, dass der Ort damals schon von großer Bedeutung war. Die Familien, die dort bestattet wurden, haben offenbar großen Einfluss auf die Entwicklung genommen.

Die Ausgrabungsstätte zwischen Ebererstraße und Bahnhofstraße in Altötting.

„Menschen in Altötting haben den Wunsch, sich mit ihrer Herkunft zu beschäftigen“

Dr. Sabine Weigand findet es „schade, dass diese spannenden Grabbeigaben bisher nicht der Öffentlichkeit zugänglich sind“. Es wäre aus ihrer Sicht „sehr wünschenswert, wenn sich ein Ort findet, in dem sie ausgestellt werden können. Ich bin mir sicher, dass es dafür einen Bedarf gibt. Viele Menschen haben den Wunsch, sich mit ihrer Geschichte und Herkunft zu beschäftigen. So anschauliche Funde wie diese sind besonders geeignet, das Interesse für die Geschichte an der Heimat zu fördern. Ich würde mich freuen, wenn die Akteure vor Ort einen Weg finden, die Funde auszustellen.“

Weitere interessante Fundstelle in Unteremmerting - Kombination mit Photovoltaik

Am 12. August 2022 ging es auch um das Thema „Wie gehen Bodendenkmäler und Photovoltaikanlagen zusammen?Experten um Dr. Sabine Weigand besuchten den Solarpark Unteremmerting (Anfahrt über die Staatsstraße 2108 von Neuötting nach Emmerting, auf halber Strecke in einem Waldweg abbiegen, der zur Anlage führt, Anm. d.Red.).

Mit dem Landesamt für Denkmalpflege stellt sich die Frage, wie Bodendenkmäler sinnvoll mit Photovoltaik-Freiflächenanlagen überplant werden können. Am Rand von Unteremmerting liegt eine Villa Rustica, zudem belegen Einzelfunde aus vor- und frühgeschichtlicher Zeit sowie aus dem Mittelalter die Nutzung auch des angrenzenden Areals in einer Zeit vor über 2000 Jahren.

Die römische Vergangenheitsoll sichtbar gemacht werden. So etwa eine typische „Villa Rustica“. Hier ein Modell, das auf Grundlage von Siedlungsfunden aus der römischen Kaiserzeit entstanden ist, die auf dem Moränenzug nördlich der Breitbrunner Ortsteile Ober- und Unterkitzing gefunden wurden.

Fachleute aus München kümmern sich um Fundstücke und Ausgrabungsstätten

Gebietsreferentin Martina Pauli und Dr. Jochen Haberstroh (Referatsleiter Oberbayern für Bodendenkmalpflege) vom Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege sind mit Restaurierung, Analyse und fachlicher Begleitung der Ausgrabungen in Altötting und Unteremmerting betraut. Auch in Neumarkt-St. Veit wurden kürzlich Gräber an der Johanneskirche gefunden, deren Alter auf 500 bis 1.000 Jahre geschätzt wird.

Kommentare