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Reanimation erfolglos

Schlittenfahrer verunglückt tödlich an der Kampenwand

Schlittenfahrer verunglückt tödlich an der Kampenwand

Stimmen zu 2G im Einzelhandel aus dem Landkreis Altötting

Puppe als Zugangsblocker - „Krass, wie sie jetzt mit den Ungeimpften umgehen, aber ...“

Im Modegeschäft Hut Mayer in Neuötting stellt Sigi Seidl eine Puppe an den Eingang
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Eine Modepuppe zeigt den Kunden am Eingang von „Hut Mayer“, dass jetzt 2G gilt.

Seit Mittwoch (8. Dezember) gilt die 2G-Zugangsregelung für den Einzelhandel in Bayern. Damit dürfen Ungeimpfte nur noch in „systemrelevante“ Geschäfte bzw. ihren täglichen Bedarf decken. Die Kontrolle dieser völlig neuen Regulierung stellt Geschäftsleute vor teilweise große Herausforderungen. innsalzach24.de mit einer Bestandsaufnahme im Landkreis Altötting.

Neuötting - „Es ist schon krass, wie sie jetzt mit den Ungeimpften umgehen, aber es wird wohl nicht anders gehen, wenn wir die Pandemie besiegen wollen. Ohne Impfpflicht wird es wahrscheinlich auch nichts werden. Ich habe mich aus Solidarität mit meinen Mitmenschen impfen lassen. Aber entscheiden muss es jeder für sich selbst.“ So kommentiert der Imbissverkäufer am Currywurststand vor der Hornbach-Filiale in Altötting die neue 2G-Regelung, die seit Mittwoch (8. Dezember) bayernweit gültig ist. Hornbach selbst ist uneingeschränkt offen, weil systemrelevant.

Staatsregierung hat großes Paket an Maßnahmen geschnürt

Die Regelung ist Teil eines Maßnahmenpakets der bayerischen Staatsregierung, um die Vierte Corona-Welle endlich zu brechen. Dazu gehören auch ein umfangreiches, kostenloses Testangebot - das nach einmonatiger Unterbrechung zum 13. November wieder vollständig aktiviert wurde - sowie eine 2G-Plus-Regelung für Genesene und Geimpfte.

Letztere müssen für den Besuch von Freizeiteinrichtungen wie Fitnessstudio, Kino oder Hallenbad einen negativen Schnelltest vorlegen. In den Landkreisen Altötting und Mühldorf stehen zahlreiche Sonderimpftage auf dem Programm. Landkreise mit einer 7-Tage-Inzidenz über 1.000 gehen in einen kompletten regionalen Lockdown. Massenveranstaltungen wie Christkindlmärkte wurden abgesagt, Fußballspiele finden wieder ohne Zuschauer statt.

Schwer verständlich wirkt dagegen die „Seiten-Maßnahme“, die Ungeimpften quasi aus dem Einzelhandel auszusperren, wobei dort ohnehin eine FFP2-Maskenpflicht besteht. Und: In Geschäften des täglichen Bedarfs wie Apotheken, Tankstellen, Baumärkte und Lebensmittel-Supermärkte dürfen auch Covid-Ungemipfte nach wie vor einkaufen. Dort treffen die meisten Menschen auf engem Raum aufeinander.

Regelung wird auf jeden Fall umgesetzt

Seit Mittwoch wird die 2G-Regelung aber ernst genommen und auch in den Einzelhandels-Geschäften im Landkreis Altötting umgesetzt. Kurios ist die Idee von Sigi Seidl von Hut Mayer in Neuötting, eine Puppe als „Blocker“ im Eingangsbereich aufzustellen. „Daran hängt ein Schild, dass wir zuerst 2G kontrollieren müssen“, so Seidl.

Alter gelber Impfpass akzeptiert

Er selbst hält die Regelung für nicht sinnvoll, wie er innsalzach24.de bereits zu Protokoll gab. „De facto verlieren wir ein Drittel unserer Kunden“, so Seidl. Am Mittwoch Vormittag „kamen Oma, Opa und einer ihrer Enkel. Aber dessen Mama musste draußen bleiben, weil sie nicht geimpft ist“. Er akzeptierte auch einen „alten gelben Impfpass ohne QR-Code von einer älteren Dame“. Praktischer sei die Cov Pass Check App, „die kann niemand überlisten“.

In der Mode-Boutique „Lebensart“ in Neuötting wird jede Kundin „gleich bei der Ankunft nach 2G gefragt, weil wir müssen“, so eine Verkäuferin. Eine Kundin im Laden zeigt demonstrativ ihr Impfzertifikat mit Personalausweis.

„Zu viele Impfdurchbrüche, 2G ist ungerecht“

An der HEM-Tankstelle in Neuötting hat eine Frau aus dem nahe gelegenen Landkreis Rottal-Inn ihre eigene Meinung zu der 2G-Einzelhandels-Geschichte: „Alle müssten sich testen lassen, um irgendwo Zugang zu bekommen, Geimpfte, Genesene und Ungeimpfte. Die Bevorzugung von 2G ist nicht gerecht. Ich vermeide Diskussionen, weil mein Mann ungeimpft bleiben will.“

An der HEM-Tankstelle in Neuötting gilt nach wie vor nur die FFP2-Maskenpflicht.

Sonst gebe es wieder Streit. So müsse sie sich als Geimpfte „jemand anders suchen, um Essen zu gehen oder in den Urlaub zu fahren“, ergänzt sie augenzwinkernd. Eines ihrer Kinder sei in der 11. Klasse am Gymnasium und „dort gibt es viele Geimpfte und Ungeimpfte“. Sie weiß, „dass es dort viele Impfdurchbrüche gibt“. Daher funktioniere „2G nicht wirklich“.

In vielen Apotheken herrscht offenbar Personalnot

Eine ähnliche Argumentation erreichte innsalzach24.de aus einer Apotheke im Landkreis Mühldorf. „Angeblich stecken sich Geimpfte weniger an. Aber mein Eindruck ist das nicht. Ich stelle laufend Genesenen-Zertifikate für Zweifach-Geimpfte aus. Selten allerdings von Ungeimpften“, so eine Pharmazeutisch-Kaufmännische Angestellte (PKA). Aus einer anderen Apotheke hat sie gehört, „dass dort eine PTA zehn Tage in Quarantäne ist wegen einer Positiv-Testung. Doch ihre Kolleginnen arbeiten einfach im Laden weiter, obwohl sie Kontakt zu ihr hatten. Den Chef interessieren die Vorschriften nicht.“ Zu schwer wiege der Personalmangel auch in dieser Branche.

Organisierte Kontrollen bei großen Möbel-Filialisten

Bei einem großen Möbel-Filialisten in Altötting sitzt ein Lagerist als Zugangs-Kontrolleur. „Ich bin gerade erst geimpft worden und dürfte daher eigentlich noch nicht in mein eigenes Geschäft gehen.“ Noch gilt er als ungeimpft. Ausgerechnet er muss jetzt mit der Cov Pass Check App alle Kunden vor dem Zutritt kontrollieren. Gerade kommt ein Ehepaar, bei dem er den digitalen Impfpass dabei hat, seine Frau aber nicht. Sie hat die Dokumente zu Hause vergessen. „Tut mir leid, aber ich darf sie nicht rein lassen“, sagt der Kontrolleur. Nun machen beide kehrt und gehen wieder nach Hause. Zu solch kuriosen Szenen führt die neue 2G-Regelung.

Doch eines hat den Lagerist geschockt: „Ein älteres Mitglied unserer Familie bekam Corona und dem ging es so schlecht, dass fast nicht mehr vom Bett aufstehen konnte.“ Das war für ihn wiederum das Signal, sich doch impfen zu lassen.

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