Ausschreibung in Altötting verschoben

Freie Wähler wollen Sanierung der Hauptverkehrsachse neu diskutieren

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Noch um einiges Verzögern wird sich die Bauklassenerhöhung der Mühldorfer Straße in Altötting. Seit der Verlegung von Fernwärmerohren im letzten Jahr ist sie dringend sanierungsbedürftig.

Altötting - Voraussichtlich im September wird die Sanierung der Mühldorfer Straße neu ausgeschrieben. Das beschloss zumindest der Planungs- und Umweltausschuss der Kreisstadt gegen die beiden Stimmen der Freien Wähler.

Eigentlich sollte die Abstimmung auf der Sitzung am Mittwoch eine reine Formsache sein. So dachte zumindest Bürgermeister Stephan Antwerpen. Nachdem die bisherigen Ausschreibungen für die einzelnen Gewerke zur Sanierung der Mühldorfer Straße "aus planungsrechtlicher Sicht aufzulösen" waren, sollte nach der Vorstellung von Tiefbauamtsleiter Richard Wiesinger die gleiche Ausschreibung im September erneut starten. Dies wurde am Ende auch durch den "Bauausschuss" der Kreisstadt so beschlossen. Allerdings schlug Konrad Heuwieser (FW) vor, man solle gerade in der jetzigen Situation auch aus Kostengründen nochmal darüber nachdenken, ob nicht ein Abfräsen und ein anschließender Neuauftrag der Teerdecke ausreichend sei. Bürgermeister Stephan Antwerpen (CSU) lehnte dies mit Verweis auf bestehende Stadtratsbeschlüsse ab, die noch aus der letzten Legislaturperiode herrühren. Auch im Haushalt war das Projekt an der wichtigen Verkehrsachse mit 2,27 Millionen Euro bereits als größter Ausgabeposten für das laufende Jahr eingeplant.


Dass die Straße spätestens seit der Verlegung der Fernwärmerohre im vergangenen Jahr mehr als sanierungsbedürftig ist, weiß der neue Bürgermeister nur zu gut.

Dennoch verwies der Bürgermeister auch auf Gespräche mit dem Straßenbauamt Traunstein, welches erst in der laufenden Woche dringend vom Abfräsen abgeraten hatte: "Die Fachleute sagen, dass man dann in spätestens vier Jahren wieder ran muss!", betonte Stephan Antwerpen. Kein Verständnis für die erneute Diskussion über das Sanierungsprojekt zeigten auch CSU und SPD: "Das war doch alles längst beschlossen; und zwar mit Euren Stimmen!", betonte CSU-Fraktionssprecher Christian Pöllner. Auch andere Stimmen sprachen sich für die bereits früher im Jahr beschlossene Bauklassenerhöhung der wichtigen Straße in der Kreisstadt aus.


Ulrike Bubl (Die Liste) forderte auf jeden Fall klarer definierte Überquerungsmöglichkeiten: "Da hält doch im Berufsverkehr sonst morgens keiner an!", beklagte die neue Stadträtin. Ob es beispielsweise Zebrastreifen für Fußgänger geben könne, zweifelte Planungsleiter Anton Kagerer aus Neuötting jedoch an, weil die Mühldorfer Straße in den Spitzenzeiten schon die Obergrenze von 750 Fahrzeugen pro Stunde überschreiten könnte, oberhalb derer die Einrichtung von Zebrastreifen unmöglich wäre. Dies ändert sich allerdings, sobald sich eine Verkehrsinsel auf der Straße befindet, weil dann nur noch der stärker befahrene Fahrstreifen für diese Obergrenze gilt. "Zumindest beim McDonalds wäre das wirklich nötig!", forderte Bubl. In jedem Fall werden Bordsteine und Rinnen auf der gesamten Länge neu eingefasst. So gibt es an vielen Stellen gibt noch Bordsteinsenkungen an Einmündungen, die heute mehr befahren sind, als vor dem letzten Ausbau geplant. "Wird es dann auch gepflastert, wie in der Trostberger Straße?", wollte Wolfgang Sellner(CSU) wissen.

Darüber hinaus wird die Fahrbahn zwar insgesamt auf Kosten des Bürgersteigs verbreitert, dafür soll es auf beiden Seiten auch Markierungen für Radfahrer geben. Ein Halten oder gar Parken an der Mühldorfer Straße würde daher in Zukunft nicht zuletzt wegen des neuen Bußgeldkatalogs empfindliche Strafen nach sich ziehen. "Der Gehsteig bleibt aber immer mindestens 1,8 Meter breit, womit wir 30 Zentimeter über der Vorgabe bleiben", erklärte Anton Kagerer, der auch schon die Sanierung der Trostberger Straße plante, die neuen Förderbestimmungen. Im Untergrund wird den Planungen zufolge eine rund 25 Zentimeter hohe Frostschutzschicht aus Kies das Fundament für die Asphaltdeck- und -trageschichten bilden. Im Bereich der Bürgersteige fällt der Frostschutz geringer aus. Allerdings müssen an einigen Stellen sogar einige Bürgersteigflächen nachgekauft werden, die bei der letzten Instandsetzung der Mühldorfer Straße zu großzügig verlegt worden waren, was jetzt erst zu Buche schlägt.

Bürgermeister Stephan Antwerpen hofft jedenfalls darauf, dass "die Konjunkturdelle noch zu einer Kostensenkung beiträgt". Zwar betonte das neue Stadtoberhaupt, dass "die Gewerbesteuern sehr gut" aussähen. Jedoch ist bei einem Ausschreibungstermin im September nicht mehr mit einem Baubeginn in diesem Jahr zu rechnen.

Allerdings ist Stephan Antwerpen angesichts des Rekordhaushaltes im "Coronajahr" zweifellos für jede Einsparmöglichkeit dankbar. Bei der abschließenden Abstimmung sprachen sich aber nur die Freien Wähler gegen die Neuausschreibung der in der vergangenen Legislatur bereits beschlossenen Bauklassenerhöhung ab September aus.

Peter Becker

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