Lebensraum „mäßig bis schlecht“

„Dringender Handlungsbedarf“: Zustand des Mörnbach in Altötting ist bedenklich

Bauaufseher Stefan Haberlander von der Flussmeisterstelle Salzach bereitet den großen Messflügel vor, mit dem die Wassertiefe gemessen werden kann.
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Bauaufseher Stefan Haberlander von der Flussmeisterstelle Salzach bereitet den großen Messflügel vor, mit dem die Wassertiefe gemessen werden kann.

Der Mörnbach wurde vom Wasserwirtschaftsamt kontrolliert und gemessen. Dabei hat sich herausgestellt, dass der Wasserstand des Baches unbedingt angehoben werden muss, damit Fische und andere Lebewesen Rückzugsmöglichkeiten besitzen.

Die Mitteilung im Wortlaut:

Altötting – Dem Mörnbach in Altötting geht es schlecht. Sein ökologischer Zustand ist so bedenklich, dass „dringender Handlungsbedarf“ besteht. Auch die europäischen Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) fordert Gewässer in den guten Zustand zu bringen. Der Lebensraum für Kleinlebewesen und Fische im Bach gilt als „mäßig bis schlecht“.

Er zählt zu den „am schlechtesten eingestuften Gewässern im Amtsbezirk“, teilt das Wasserwirtschaftsamt Traunstein mit. Das soll sich ändern, informiert die Behörde, das der Umsetzung der WRRL verpflichtet ist. In grünen Gummistiefeln steht Gerald Sättler mitten im Mörnbach, im Gries, unterhalb der letzten Stufe des staatlichen Mörnbachwehres in Altötting.

Seine Watstiefel sind bis zu den Knien nass. In der rechten Hand hält er einen Messflügel. Eine lange Stange, an deren Ende eine Art Propeller dreht. Mit dem Gerät misst der Mitarbeiter der Flussmeisterstelle Salzach die Fließgeschwindigkeiten an verschiedenen Stellen quer über den Bach.

Die Daten werden in einem gelb-schwarzen Messgerät angezeigt, das Sättler um den Hals baumelt. Er liest sie ab und gibt sie weiter an seinen Kollegen: Horst Jackel steht neben ihm im Wasser. Er protokolliert die Angaben. Die Daten werden dann von den Hydrologen im Wasserwirtschaftsamt ausgewertet.

Rettung für Mühlkoppe und andere Arten

Der schlechte ökologische Zustand macht vielen kleinen Lebewesen und vor allem den Fischen zu schaffen. Ihr Lebensraum ist knapp bemessen, es gibt kaum Strukturen und Rückzugsmöglichkeiten für die Forellen, Mühlkoppen und anderen Fischarten. Grund dafür ist unter anderem der niedrige Wasserstand des Gewässers.

Vor allem im Gries fehlt das Wasser auf einer Länge von rund 800 Metern, denn hier ist das Bachbett noch natürlich und wurde bereits abwechslungsreich gestaltet. Den Wasserstand anzuheben ist daher das Ziel des Traunsteiner Amtes. Dazu ist es notwendig, die Restwassermenge, die das örtliche Wasserkraftwerk im Mörnbach belässt, zu erhöhen, meldet das Amt.

Naturversuch liefert Daten

Um herauszufinden, wie viel Wasser pro Sekunde in den Mörnbach fließen sollte, um ihn ökologisch aufzuwerten, stehen Gerald Sättler und Horst Jackel mitten im Bach. An drei nacheinander folgenden Tagen haben sie Daten gesammelt. Haben unter der Anleitung von Bauaufseher Stefan Haberlander geprüft, wie sich die Wassertiefen an 15 Stellen im Bachbett verändern, wenn die Restwassermenge Schritt für Schritt auf bis zu 180 Liter pro Sekunde erhöht wird.

Alle Arbeiten dieses Naturversuchs, , sind mit der Unteren Naturschutzbehörde ebenso abgestimmt wie mit der Fachberatung für Fischerei und allen Betroffenen. Die Messungen sind nun abgeschlossen, die Daten bereit zur Auswertung. Im nächsten Schritt übermittelt das Traunsteiner Wasserwirtschaftsamt die Ergebnisse an das Landratsamt Altötting.

Dort wird über eine Erhöhung der Restwassermenge entschieden. Sicher ist, wenn mehr Wasser im Mörnbach fließt, wird auch der Fischbestand zunehmen und der Griesbach wird wieder als Bach wahrgenommen.

Pressemitteilung Wasserwirtschaftsamt Traunstein

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