Nach Ausschreitungen gegen die Polizei:

Geldstrafen für drei Wacker-Ultras

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Die drei angeklagten Ultras müssen sich heute in Altötting vor Gericht verantworten.
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Burghausen - Drei Männer aus der Ultra-Szene von Wacker Burghausen standen am Mittwoch vor Gericht. Ihnen wurde unter anderem Bedrohung und Beleidigung vorgeworfen.

Update: 18.30 Uhr - Richter verhängt Geldstrafen

Der Richter Dr. Warga hat soeben das Urteil verkündet. Die Angeklagten wurden zu Geldstrafen von 120 Tagessätzen à 50 Euro, 150 Tagessätzen à 27 Euro beziehungsweise 65 Tagessätzen à 45 Euro verurteilt.

Warga sah den Vorwurf der Körperverletzung als nicht erwiesen an. Den Tatbestand des Landfriedensbruchs, der Beleidigung, der versuchten Gefangenenbefreiung und der Bedrohung sah der Richter indes erfüllt. Zudem sei ein mittäterschaftliches Verhalten gegeben. Die Aktion der Männer bezeichnete der Richter als "dynamisch, aber doch eingespielt".

Bei zwei der Angeklagten konnte der Richter einen ausreichenden Tatbeitrag feststellen, der dritte war nach Einschätzung des Richters unbeteiligt. Er wurde nur wegen der Pyrotechnik und der Betäubungsmittel verurteilt (zu insgesamt 65 Tagessätzen). Dass den drei Angeklagten die Pyrotechnik untergeschoben worden sei, wie es die Verteidigung angedeutet hatte, hält der Richter für unwahrscheinlich.

Warga legte den Angeklagten positiv aus, dass sie bislang nicht oder kaum in Erscheinung getreten waren.

Update: 17.40 Uhr - Verteidiger beantragen Freisprüche

Als einer der letzten Zeugen hat ein Polizist ausgesagt, dass alle drei Angeklagten vor Ort gewesen seien. Einer von ihnen sei ihm allerdings nicht negativ aufgefallen. Ein anderer habe "herumgeschrien" und sei "herumgesprungen". Der dritte Angeklagte habe einen Polizisten mit den Worten "wir besuchen dich, du hast verspielt" bedroht. Viele Punkte der Anklage, wie etwa der mutmaßliche Einsatz eines Pfeffersprays, konnten somit im Laufe der Verhandlung nicht mit den Angeklagten in Verbindung gebracht werden.

In seinem Plädoyer machte der Staatsanwalt deutlich, dass auch die bloße Beteiligung der Angeklagten strafbar sei. Man könne zwar nur schwer individuell jemandem etwas zuordnen. Andererseits sei die Aktion eine "dynamische Handlung" gewesen, die "vom Willen aller Beteiligten getragen ist".

Zwei der Angeklagten waren nach Ansicht des Staatsanwalts beteiligt, einer sei eher Zuschauer gewesen. Für ihn beantragte der Staatsanwalt einen Freispruch bezüglich der Geschehnisse in der Nacht zum 1. Juni. Bei späteren Durchsuchungen waren Betäubungsmittel und Pyrotechnik gefunden worden. Dafür beantragte der Staatsanwalt für den Angeklagten eine Strafe in Höhe von 70 Tagessätzen.

Der Verteidiger hingegen beantragte auch hinsichtlich der Pyrotechnik und der Betäubungsmittel einen Freispruch. Die Pyrotechnik habe man seinem Mandanten nicht eindeutig zuweisen konnen.

Als Strafe für die anderen beiden Angeklagten - bei beiden wurde ebenfalls Pyrotechnik gefunden, bei einem von ihnen auch Betäubungsmittel - beantragte der Staatsanwalt Gesamtfreiheitsstrafen in Höhe von 14 beziehungsweise 17 Monaten, ausgesetzt zur Bewährung.

Die Verteidigerin des Angeklagten, der von einigen Zeugen identifiziert worden war und für den der Staatsanwalt 17 Monate Haft auf Bewährung forderte, äußerte Zweifel daran, dass die Gruppe geplant und gemeinschaftlich gehandelt habe. Eine gemeinschaftliche Begehung scheide demnach aus. Auch einzelne Delikte seien ihrem Mandanten nicht nachgewiesen worden. Die Rechtsanwältin beantragte daher einen Freispruch für ihren Mandanten.

Die Verteidigerin des dritten Angeklagten äußerte Kritik an der Polizei. Diese habe mit einem "gewissen übertriebenen Verhalten" die Ereignisse "in Gang gebracht". Eine Mittäterschaft ihres Mandanten schloss die Rechtsanwältin aus. Auch die Pyrotechnik konne ihrem Mandanten nicht zweifelsfrei zugeordnet werden. Die Verteidigerin beantragte einen Freispruch. Sollte das Gericht eine Mittäterschaft als erwiesen betrachten, hält die Rechtsanwältin eine Bewährungsstrafe in Höhe von sechs Monaten für angemessen.

Update: 16 Uhr - Unklarheiten bleiben

Als erste Zeugin des Nachmittags hat nun eine weitere Polizistin ausgesagt. Auf Nachfrage des Richters erklärte die Frau, sie könne die Gesichter der Angeklagten keiner bestimmten Handlung zuordnen. Es scheint somit immer unwahrscheinlicher, dass der Prozess noch klären kann, welche Straftaten die angeklagten womöglich begangen haben - und ob sie überhaupt welche begangen haben. Schließlich konnten die bisherigen Zeugen bei zwei von drei Angeklagten nicht einmal mit Sicherheit sagen, ob diese Teil der zwölf bis 15 Mann starken Gruppe gewesen waren.

Update: 13.30 Uhr - Beamter schildert dramatische Ereignisse vom 1. Juni

Einer der Burghausener Beamten, die beim Einsatz vor Ort waren, schilderte dem Gericht, wie bedrohlich sich ihm die Situation dargestellt hat. Man habe gemerkt, dass die Bedrohung real sei, so der Zeuge. Es habe nur noch eine Initialzündung gefehlt, etwa dass einer der Männer offen agiert, und damit einen "Dammbruch" auslöst. "Es war die Hemmschwelle da, den ersten Schritt zu machen, hin zu einer richtigen Eskalation", sagte der Beamte. Aus Angst davor, erkannt zu werden, habe dem Einzelnen der Schneid gefehlt. "Ich habe jeden Moment damit gerechnet, dass einer von den Kollegen ausgeknockt wird."

Den eindringlichen Schilderungen des Beamten zum Trotz konnte auch dieser Zeuge nicht bestätigen, dass die drei Angeklagten beteiligt waren.

Zwei weitere Zeugen - ebenfalls Beamte, die am Einsatz beteiligt waren - bestätigten zumindest die Anwesenheit eines Angeklagten. "Er hat mich verbal massiv attackiert", sagte einer der beiden Zeugen. Es seien die Sätze "Wir kennen dich. Lass dich in Burghausen nie wieder blicken, sonst bist du erledigt", gefallen. Er habe Angst um seine körperliche Unversehrtheit gehabt, sagt der Zeuge.

Der Prozess wird am Nachmittag mit weiteren Zeugen fortgesetzt. Dann wird auch bereits das Urteil erwartet.

Update: 11.55 Uhr - Beamter kann einen Angeklagten identifizieren

Soeben hat einer der Beamten der Polizeiinspektion Burghausen ausgesagt, der in der Nacht zum 1. Juni vor Ort war. Das Vorgehen der Männer, die sich ihm und seinen Kollegen entgegen gestellt hatten, sei ihm aus Einsätzen im Fußballstadion bekannt vorgekommen, wo sich Fangruppierungen ganz ähnlich verhalten wurden. In der Nacht zum 1. Juni hatten die Männer - der Beamte beziffert die Anzahl grob auf zwölf bis 15 - mehrere Reihen gebildet und ständig die Plätze gewechselt. Nach Angaben des Beamten sollte damit der gezielte Zugriff auf einzelne Personen verhindert werden.

Der Zeuge sagte aus, dass er geschubst worden sei - von wem, konnte er allerdings nicht sagen. Dass die drei Angeklagten überhaupt mit dabei waren, konnte der Polizist ebenfalls nicht bestätigen. Mehrere Männer konnte er - teils nachträglich - identifizieren. Die Angeklagten waren nicht darunter.

Die Situation war in jener Nacht offenbar nach und nach eskaliert. "Schon bei Betreten des Lokals sind die ersten Unmutsäußerungen gekommen", so der Zeuge. Als die Beamten dann den 23-Jährigen, der einen Streifenwagen beschädigt haben soll, zur Befragung mit nach draußen nehmen wollten, sei es am Tisch unruhig geworden. Der Tumult habe sich dann, als die Beamten mit dem 23-Jährigen nach draußen gegangen sind, immer mehr gesteigert. Die Drohung "Ich weiß, wo du wohnst, ich bring dich um" sei der "traurige Höhepunkt" gewesen, so der Polizist.

Ein weiterer Zeuge - ebenfalls ein Beamter, der in jener Nacht vor Ort war - konnte zumindest einen der Angeklagten identifizieren. Was dieser konkret gemacht haben konnte, vermochte der Beamte aber nicht zu sagen. "Ich weiß bloß, dass er dabei war."

Update: 10.20 Uhr - Beamter der Kripo Mühldorf sagt aus

Ein Beamter der Kripo Mühldorf hat vor Gericht einen Überblick über die Ermittlungen gegeben. Auf Nachfrage des Richters räumte er ein, die sogenannten "Tatbeiträge" könnten nicht einzelnen Personen zugeordnet werden. Welche Taten die Angeklagten also eventuell begangen haben konnten, wird nur schwerlich zu eruieren sein. Allerdings könne zumindest gesagt werden, welche Personen in der Nacht zum 1. Juni teil der Gruppe waren, erläuterte der Beamte. Die Ultra-Gruppierung feierte in jener Nacht ihr Zehnjähriges bestehen. Mehrere Mitglieder der Gruppe haben offenbar Fotos gemacht, auf denen einzelne Personen identifiziert werden können.

Update: 9.47 Uhr - Angeklagte verweigern die Aussage

Der Staatsanwalt hat soeben die Anklage verlesen. Demnach sollen in der Nacht zum 1. Juni etwa 15 Männer, die der Anklage zufolge der Ultra-Szene zuzurechnen sind, geordnet vorgegangen sein, um die Festnahme des 23-Jährigen, der einen Streifenwagen beschädigt haben soll, zu verhindern. Sie sollen zu diesem Zweck die Beamten umringt und zwei Reihen gebildet haben, wobei die vordere Reihe quasi der Verteidigung gedient haben soll.

Die Männer sollen die Beamten massiv bedrängt haben, einer von ihnen soll sogar versucht haben, Ausrüstungsgegenstande vom Polizeigürtel eines der Beamten an sich zu nehmen. Auch Beleidigungen wie "Bullenschwein" sollen gefallen sein. Schwer wiegen wohl auch die mutmaßlich ausgesprochenen Drohungen. So sollen die Sätze "Ich weiß, wo du wohnst, ich bring dich um", und "Wir finden schon raus, wo du wohnst, und dann bist du fällig", gefallen sein.

Anschließend hatten die Angeklagten das Wort. Die drei jungen Männer wollten allerdings keine Angaben zur Sache machen. Damit ist es an den Zeugen, Licht ins Dunkel zu bringen.

Die Nacht zum 1. Juni 2013

In der Nacht zum 1. Juni 2013 müssen sich in Burghausen bedrohliche Szenen abgespielt haben. Polizeiangaben zufolge soll ein junger Mann auf einen Streifenwagen eingeschlagen und den Außenspiegel abgetreten haben. Als er kurz darauf in einer Gaststätte festgenommen werden sollte, sollen sich eine Reihe von Männern, die der Polizei zufolge zumindest teilweise dem Umfeld der Wacker-Ultras zuzurechnen sind, mit dem Mann solidarisiert haben.

Polizist mit Bier übergossen?

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Die Männer sollen vier Polizeibeamte beleidigt und wiederholt angegriffen haben, einer der Polizisten soll gar mit Bier überschüttet, ein anderer mit Pfefferspray angegriffen worden sein. Sogar Todesdrohungen sollen gefallen sein. Drei Männer aus dem Umfeld der Burghauser Ultra-Szene müssen sich aufgrund dieser Ereignisse am Mittwoch am Amtsgericht Altötting verantworten. Ihnen wird Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte, versuchte Gefangenenbefreiung, Landfriedensbruch, Beleidigung, gefährliche Körperverletzung sowie der unerlaubte Umgang mit explosionsgefährlichen Stoffen vorgeworfen.

Die entscheidende Frage in dem Prozess dürfte sein, ob den Angeklagten die Taten zweifelsfrei zugeordnet werden können. Der junge Mann, der mit der Attacke auf den Streifenwagen den Stein überhaupt erst ins Rollen gebracht haben soll, war im Januar freigesprochen worden. Vor Gericht konnte nicht mit Sicherheit ermittelt werden, ob der Mann die ihm vorgeworfene Tat tatsächlich begangen hatte.

**Innsalzach24 ist im Gerichtssaal und berichtet aktuell vom Prozess**

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