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Schneefall führt zu Chaos: A8 bei Siegsdorf Bernau und Bad Reichenhall gesperrt – Erste Unfälle

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Dr. Stefan Vlaho aus Altötting im Interview

„Ausschließlich Gegen-Covid-Geimpfte sollten mit Kindern und Jugendlichen arbeiten“

Stefan Vlaho. Foto Inn-Klinikum
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Hat klare Meinungen zur Covid-Impfung und kennt die Krankheitssymptome: Der Leitende Kinderarzt in Altötting, Dr. Stefan Vlaho.

Dr. Stefan Vlaho vom Kinderzentrum des InnKlinikums Altötting erlebt die Nöte und Erkrankungen von Kindern in Pandemie-Zeiten aus nächster Nähe. Im Gespräch mit innsalzach24.de erklärt der Mediziner, warum es so wichtig ist, die „Kleinen“ unserer Gesellschaft während der Corona-Zeit nicht zu vergessen. Die Impfung ist für ihn unabdingbar.

Altötting - Dr. med. Stefan Vlaho ist Chefarzt am Kinderzentrum des Innklinikums Altötting-Mühldorf. Für innsalzach24.de bewertete er bereits - gemeinsam mit Experten aus Traunstein, München und Rosenheim - die Risiken für Kinder, bei einer Corona-Erkrankung einen schweren Verlauf zu bekommen bzw. Komplikationen zu erleiden. Für innsalzach24.de geht er in unserem Interview noch mehr ins Detail.

Herr Dr. Vlaho, wie steht es denn um unsere Kinder und Jugendlichen in der Vierten Welle der Corona-Pandemie?

Vlaho: Aus meiner Sicht kommen die Belange dieser Bevölkerungsgruppe im Rahmen der Pandemiebewältigung zu kurz. Was mir sehr wichtig ist: Menschen, die in engem Kontakt mit Kindern und Jugendlichen stehen, sollten vollständig gegen SARS-CoV-2 geimpft sein.

Sollten auch alle Kinder und Jugendlichen geimpft sein?

Die Impfung von Kindern und Jugendlichen soll nach der jeweils aktuellen Empfehlung der STIKO vorgenommen werden. Sie ist grundsätzlich empfohlen. Der Zugang von Kindern und Jugendlichen zur Teilhabe an Bildung, Kultur und anderen Aktivitäten des sozialen Lebens darf allerdings nicht vom Vorliegen einer Impfung abhängig gemacht werden.

Wie kann man eine Komplikation bei einer Covid-Infektion bei Kindern erkennen? Wann sollten Eltern mit dem Kind ins Krankenhaus kommen?

Vlaho: Kinder und Jugendliche jeden Alters können an COVID-19 erkranken. Es ist jedoch bei Kindern weniger wahrscheinlich als bei Erwachsenen, dass sie schwer erkranken. Seit dem Ausbruch der „Delta-Variante“ sind auch bei uns mehr Kinder mit COVID-19 im Krankenhaus behandelt worden. Statistisch ist auffällig, dass die meisten Krankenhauseinweisungen in Gebieten mit niedrigen Impfraten nachweisbar sind. Es ist deshalb an diesem Punkt schon wichtig, darauf hinzuweisen, wie stark die Impfung von Erwachsenen und älteren Kindern zum Schutz von Kindern beiträgt.

Eine Fachärztin versorgt auf der Covid-19-Intensivstation einen Corona-Patienten.

Bei Säuglingen ist Trinkschwäche ein Alarmsignal

An welchen Symptomen kann man die Erkrankungen bei Kindern erkennen?

Vlaho: Wie bei den Erwachsenen zunächst an Fieber und Husten. Dazu können Halsschmerzen, Kopfschmerzen, verstopfte Nase, Müdigkeit und Abgeschlagenheit auftreten. Eine Besonderheit, insbesondere bei Kindern zwischen ca. 8 und 14 Jahren sind Durchfall, Erbrechen und Bauchschmerzen. Oft stehen diese Beschwerden im Vordergrund. Seltener, aber im Kindesalter gehäuft auftretend, sind Hautausschläge, insbesondere an Fingern und Zehen. Bei Säuglingen fällt zudem eine zunehmende Trinkschwäche auf.

An wen sollten sich betroffene Eltern zuerst wenden?

Vlaho: Erster Ansprechpartner ist der niedergelassene Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin. Er kann zuverlässig die Zuordnung, Eingrenzung und weitere Maßnahmen vornehmen. Meistens sind die beschriebenen Krankheitssymptome unspezifisch und müssen keine Krankenhauseinweisung zur Folge haben.

Möglicherweise ist dadurch auch der Eindruck entstanden, Kinder könnten nicht erkranken?

Vlaho: Sie sind genauso dem Infektionsgeschehen ausgesetzt, wie alle anderen Bevölkerungsgruppen auch, sind auch Virusträger, erkranken aber in der Regel seltener und weniger schwer. Es gibt aber auch schwere Krankheitsverläufe bei Kindern und Jugendlichen – dies ist in der Öffentlichkeit oftmals nicht bekannt.

Wer gehört zur Risikogruppe?

Vlaho: Kinder ohne Grunderkrankung, als auch - und im Besonderen - Kinder mit Grunderkrankungen, z.B.: genetische, neurologische Erkrankungen, Herzerkrankungen.

Mehr Informationen: Wie Jugendliche mit der Corona-Situation umgehen

Was bedeutet das vor Ihnen bereits benannte „PIMS“?

Vlaho: Eine schwerwiegende und gefürchtete Komplikation einer kindlichen Covid-Erkrankung, eine „Multisystem-Entzündungssyndrom bei Kindern“. Dazu gehören folgende Krankheitszeichen: Fieber, das länger als 24 Stunden anhält, Bauchschmerzen, Erbrechen oder Durchfall, Hautausschlag, Blutunterlaufene Augen, Kopfschmerzen, verstärktes Müdigkeitsgefühl oder verwirrtes Handeln oder Gereiztheit, Atemprobleme. Falls das beobachtet wird, sollen Eltern sofort Kontakt zu einem Arzt aufnehmen.

Drei bis vier von 1.000 stationär behandelten Kinder-Patienten sterben an/mit Covid

Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit für eine Komplikation bei Covid-Infektion bei Kindern unter 12 Jahren?

Vlaho: Weniger als eines von 100 Kindern mit einer SARS-CoV-2 Infektion muss im Krankenhaus aufgenommen werden. Fünf Prozent aller im Krankenhaus behandelten Kinder mit SARS-CoV-2-Nachweis benötigen eine Intensivtherapie und drei bis vier von 1.000 dieser stationär behandelten Kinder versterben mit oder an COVID 19.“ (Quelle: DGKH – DGPI Update „Infektionsschutz in Kitas und Schulen“ – 13. September 2021)

Wie schlimm grassiert die Delta-Variante von Covid-19 unter Kindern?

Vlaho: Infektionen damit sind mit einer erhöhten Rate an Krankenhauseinweisungen und Notfallaufnahmen assoziiert sind. Dies könnte ein Hinweis auf eine höhere Morbidität mit einer höheren Rate schwerer Verläufe insbesondere bei nicht geimpften Personen sein. Daten aus Schottland ergaben eine ca. 1,85-fach, aus England eine 2,3-fach, aus den USA fast 5-fach erhöhte höhere Hospitalisierungsrate (HR) bei Kindern und Jugendlichen.

Langzeitfolgen treffen Erwachsene vermutlich härter als Kinder

Gehen PIMS und Long Covid „irgendwann wieder weg“ oder gibt es möglicherweise Folgeschäden?

Vlaho: PIMS betrifft circa 2-5 Fällen auf 10.000 SARS-CoV-2 infizierte Kinder und Jugendliche. Zu den Langzeitfolgen gibt es noch nicht ausreichende Daten. Zwei größere Studien aus England kommen zusammenfassend zu dem Schluss, dass die Ergebnisse ermutigend sind, denn obwohl bei einem kleinen Anteil der Patienten Langzeitfolgen beobachtet wurden, erholte sich die überwiegende Mehrzahl der PIMS Patienten vollständig.

Long Covid soll auch Kinder betreffen. Wie schlimm können hier Langzeitfolgen sein?

Vlaho: Es gibt aktuell keine verlässlichen Daten zum Auftreten und selbst zur Festlegung der Definition von Long Covid bei Kindern. Es sind länger als zwölf Wochen anhaltende Symptome nach einer SARS-CoV-2 Infektion auch im Kindes- und Jugendalter beschrieben, aber diese scheinen insgesamt jedoch viel seltener zu sein als bei Erwachsenen.

„Die Maßnahmen des Lockdowns haben viele Kinder traumatisiert“

Konkret ist es jedoch sehr schwierig und herausfordernd, zwischen Langzeitfolgen einer durchgemachten SARS-CoV-2 Infektion und Folgen der für Kinder oft traumatisierenden Maßnahmen anhaltender Lockdowns zu unterscheiden.

Zur Website des InnKlinikums Altötting-Mühldorf

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