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Altöttinger MdL im Interview - Teil 1

Dr. Martin Huber: „Wir brauchen grünen Wasserstoff. Der Strukturwandel hat längst begonnen“

Lobt auch das Güterterminal Burghausen (hier: Container-Verladung): MdL Dr. Martin Huber
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Lobt u.a. das Güterterminal Burghausen (hier: Container-Verladung): MdL Dr. Martin Huber.

Der Altöttinger Kreisrat Dr. Martin Huber (CSU) sitzt seit 2013 auch im Bayerischen Landtag. Dort setzt er sich für die Bedürfnisse des Landkreises ein und gilt als Energie-Experte mit Fokus auf das ChemDelta Bavaria. Wie für viele führende Experten ist auch aus seiner Sicht Wasserstoff der Energieträger der Zukunft. Anders als die herrschende Meinung richtet er den Blick auf Pipelines, die aus dem Süden kommen, aus Triest (Italien) und aus Koper (Slowenien). Teil eins unseres Interviews mit dem Politiker.

Töging/Altötting - Beim Kreistag am 28. März 2022 in der Aula der Herzog-Ludwig-Realschule Altötting war auch MdL Dr. Martin Huber aus Töging live dabei, als um das Eisenbahn-Projekt ABS 38 eine große Debatte entstand. Laut eigener Aussage arbeitet er in mehreren Themenfeldern „eng und harmonisch mit MdB Stephan Mayer, dem Töginger Bürgermeister Dr. Tobias Windhorst, Landrat Erwin Schneider und Europaabgeordneter Angelika Niebler zusammen“. Dabei soll eine regional-überregionale politische Achse vom Landkreis über den Bayerischen Landtag bis zum Deutschen Bundestag und ins Europaparlament gebildet werden - um regionale Interessen auf allen Ebenen zu vertreten.

Herr Dr. Huber, wie haben Sie die emotionale Rede des CSU-Generalsekretärs Stephan Mayer erlebt?
Er hat zu Recht darauf hingewiesen, dass es explizit eine Aussage der Deutschen Bahn war, dass der Zeitplan der Baumaßnahme „zweigleisige Strecke mit Elektrifizierung“ bis 2030 nicht eingehalten werden kann. Das ist bitter.  Denn alle Mandatsträger hatten dieses anfänglich von der Bahn formulierte Ziel massiv unterstützt. Wir kämpfen mit der Resolution dafür, dass der Zeitplan vielleicht doch eingehalten wird.
Wie kommen Diskussionen um diese Großprojekte bei der Bevölkerung an?
Alle Menschen, die im Chemiedreieck leben und arbeiten, sind davon betroffen. Die Bahnstrecke München-Mühldorf-Freilassing ist eine Lebensader. Im Chemiedreieck wird laufend investiert und enorme Mengen an Erzeugnissen werden produziert. Da muss die Logistik funktionieren. Das Güterterminal Burghausen ist ein gutes Beispiel dafür, was wir aus der Region selbst dazu tun können. Aber wir brauchen hier auch die Unterstützung aus dem Bund und der EU, um solche Infrastrukturmaßnahmen voran bringen zu können. 
Bleibt das ChemDelta Bavaria eine rein regionale Erscheinung?
Das bayerische Chemiedreieck ist Deutschlands drittgrößter Chemiestandort und der größte in Bayern. Die Strahlwirkung ist deutlich überregional und global. Hier sind Weltkonzerne - Wacker, OMV oder Borealis Polymere - mit ihren Niederlassungen aktiv. Ein Prozent des gesamtdeutschen Güterverkehrs rollt durch den Landkreis Altötting. Das klingt nach wenig, ist aber eine logistische Mammutaufgabe.
Wieviel Energie braucht das ChemDelta Bavaria?
Auch hier liegen wir bei einem Prozent des gesamtdeutschen Verbrauchs. Zum Vergleich: Der Landkreis Altötting verbraucht so viel Strom wie der ganze Regierungsbezirk Mittelfranken mit Nürnberg. Um für so einen Bedarf langfristig Lösungen zu entwickeln, müssen wir über den Tellerrand blicken.
Stichwort Wasserstoff (H2) als Energieträger statt Erdöl und Erdgas.
Das ist wichtig für das ChemDelta. Geht es nach den Planungen des Bundes, wären wir frühestens 2040 dran mit der Anbindung an das Wasserstoffnetz von der Nordsee- und Ostseeküste. Das ist viel zu spät für Bayern. Daher ist auch der Blick nach Süden wichtig: Kiel ist weiter von uns weg als Koper und Triest. Ministerpräsident Markus Söder möchte ja H2 in Saudi-Arabien einkaufen, der dann mit dem Schiff nach Slowenien und Italien geliefert werden und mit einer neuen Süd-Pipeline zu uns gelangen könnte.
Wie definiert sich „Grüner Wasserstoff“?
Dieser klimafreundliche H2 wird mit grünem Strom mittels Elektrolyse erzeugt. Der Strom soll aus Off- und Onshore-Windkraftanlagen an der Meeresküste kommen, kann aber auch bei uns durch regenerative Energie erzeugt werden. Es entsteht durch diese Pläne eine neue Nord-Süd-Konkurrenz zwischen den Bundesländern. Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern möchten die Wertschöpfung der neuen Energie selbst behalten. Bayern als starker Industriestandort brachte schnellere und breitere Lösungen.
Spielt das Projekt „Blue Danube“ noch eine Rolle?
Denkbar. Geplant ist dabei, dass zum Beispiel in Rumänien und Bulgarien aus Solarenergie Strom für Elektrolyse gewonnen wird und der daraus produzierte Wasserstoff auf Binnenschiffen über die Donau auch nach Bayern geliefert werden kann. Potenziell ist das eine nicht unbedeutende H2-Quelle für das Chemiedreieck. Wir brauchen einen Mix aus verschiedenen Quellen.
Ist der explosive Wasserstoff gefahrenfrei transportierbar?
Dazu gibt es Forschungsprojekte und auch schon konkrete Anwendungen. Unter anderem von der Firma „Hydrogenious“ aus Erlangen. Ihre Erfindung basiert darauf, H2 an die Trägerflüssigkeit LOHC zu binden. Das funktioniert auch für Pipelines. Mit einer potenziellen Infrastruktur Triest-Koper könnten wir dadurch in der Lieferkette mehrere Tage einsparen.
Ist Bayern mit seiner Binnenlage im Nachteil?
Alle Länder, die Windkraftanlagen mit hohem Wirkungsgrad einsetzen können, um grünen Strom für die Elektrolyse zu erzeugen, haben bei H2 einen Vorteil. Schauen Sie nach Großbritannien: Die Insel kann dreimal so viel Strom mit Windkraft erzeugen, wie sie selbst benötigt. Das ist teilweise Zukunftsmusik, aber der Strukturwandel hat schon begonnen. Auch grüner Wasserstoff aus Großbritannien könnte über Rotterdam und Dormagen und schließlich über den Rhein-Main-Donau-Kanal nach Bayern gebracht werden. Es gibt neue Energieträger, eine neue Wertschöpfung, neue Lieferketten.

Lesen Sie mehr dazu in Teil 2 unseres Exklusiv-Interviews mit MdL Dr. Martin Huber (folgt).

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