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Bauausschuss Altötting am Mittwoch

Kiesabbau im Mordfeld bis zum bitteren Ende? Danach soll eine extensive Landwirtschaft folgen

Der Abbau von Kies dauert hier in der Haslacher Grube absehbar noch länger.
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Der Abbau von Kies - im Bild die Haslacher Grube - erfolgt über Bagger und Lkws oder Förderbänder. In Altötting plant man die Nutzung nach dem Abbau.

Die Inn-Kies Altötting-Mühldorf GmbH & Co. KG darf am Mordfeld West noch mehr Kies abbauen. Das beschloss der Planungs- und Umweltausschuss von Altötting am Mittwoch (29. Juni). Obwohl es auch Bedenken gibt. Danach folgt voraussichtlich ein beachtliches Renaturierungs-Projekt, über das sich Naturschützer freuen dürften.

Altötting - Für Christian Fiederer, Geschäftsführer von Inn-Kies und der Filiale von Heidelberger Beton in der Schneiderwimm in Altötting, gibt es nichts Besseres, als eine „leere Kiesgrube nach dem Abbau der Natur zu übergeben“. Wenn man die Grube sich selbst überlasse, entstehe dann dort Schritt für Schritt ein „einzigartiges Biotop, im dem wieder wilde Pflanzen wachsen und Tiere wie zum Beispiel kleine Schlangen und Eidechsen zurückkehren“. Er will damit sagen: Seine Firma will nicht nur Kies zu gewerblichen Zwecken „erbeuten“, sondern nachhaltige Landschaftspflege betreiben.

Der Bauausschuss, gleichbedeutend mit „Planungs- und Umweltausschuss“, tagte am 29. Juni im Kultur- und Kongressforum in Altötting.

Betriebswirt Fiederer und Thomas Wolfmeier, Mit-Geschäftsführer von Inn-Kies, stellten ihr Vorhaben beim Bauausschuss im Kultur- und Kongressforum in Altötting ab 17.30 Uhr persönlich vor. Die Sitzung war nach hinten verlegt worden und der Tagesordnungspunkt 6 - Antrag auf Tektur und Erweiterung des Kiesabbaus im Mordfeld West und Mordfeld West III im Trockenabbauverfahren - wurde vorgezogen. Bedenken gab es von Seiten einzelner Stadträte hinsichtlich des Lärms, „wenn alle zehn Minuten Lastwagen im Mordfeld vorbei donnern, beladen mit zehn Kubikmetern Kies“, so Alfred Kanizsay (CSU). Da gehe viel vom Erholungswert im beliebten Naherholungsgebiet verloren. „Seit drei Jahren müssen wir diesen Lkw-Verkehr ertragen, soll das noch zwölf Jahre lang so weitergehen?“, gab der Architekt zu bedenken.

Bauausschuss gibt einstimmig Grünes Licht für das Vorhaben von Inn-Kies

Fiederer und Wolfmeier wiederum nahmen das zur Kenntnis und verwiesen unisono auf „ein Schallschutzgutachten, das rechtzeitig erstellt wird und die Lärmbelastung kontrolliert“. Das Ergebnis vorneweg: Der Bauausschuss war trotz allem nach der Besprechung von dem Vorhaben überzeugt und beschloss dieses einstimmig. Das hatte viel zu tun mit der Nachhaltigkeit und der langfristigen Perspektive einer sinnvollen und umweltschonenden Nutzung des Areals der Kiesgruben nach dem Abbau.

Die Firma Inn-Kies, namentlich vertreten durch Wolfmeier und Fiederer, plant als Nachnutzung eine extensive Landwirtschaft - die Flächen könnten einem Bio-Bauern zur Pacht überlassen werden. In jedem Fall soll eine schonende Bodennutzung, Rekultivierung und Renaturierung des gesamten Areals der Kiesgruben im Mordfeld erfolgen. Besonders Wert gelegt werden soll auf die PFOA-Problematik in der Region, den Erhalt eines sauberen Grundwassers sowie eines hohen Grundwasser-Spiegels: „Durch eigene Recherchen weiß ich, wie gesegnet wir hier im bundesweiten Vergleich in Sachen Grundwasser sind“, so Fiederer zu den Mitgliedern des Bauausschusses.

Stichwort PFOA - Perfluorooctanoic Acid - im Landkreis Altötting

PFOA wurde von 1968 bis 2004 im Chemiepark Gendorf (Gemeinde Burgkirchen a. d. Alz) hergestellt und als Emulgator bei der Herstellung von Fluorpolymeren eingesetzt. Bis zum Jahr 2008 gelangte ein Teil der emittierten PFOA auch in die Luft. Durch Auswaschungseffekte und partikelgebundenen Transport gelangte PFOA auch in die Böden der Umgebung. Bei behördlichen Untersuchungen zeigte sich, dass die PFOA-Konzentrationen in der Streuauflage von Waldflächen deutlich höher sind als auf landwirtschaftlichen Flächen und Siedlungsgebieten.

Das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) und das Bayerische Landesamt für Umwelt (LfU) bieten daher eine gemeinsame Infoline für Fragen zu PFC an. Bei Fragen zu Gesundheit, Trinkwasser und Lebensmitteln stehen Ansprechpartner des LGL unter der Rufnummer 09131 6808 – 2497 oder per E-Mail an pfc@lgl.bayern.de zur Verfügung. (Quelle: Landratsamt Altötting)

Das abgebaute Material (Kies) soll gemäß der Planungen im gegenüber liegenden Kieswerk aufbereitet werden. Die unverwertbaren Lagerstättenanteile werden auf tieferer Ebene eingebracht. Aufgrund der regionalen PFOA-Problematik (siehe Infobox) wird kein Material von außerhalb eingebracht. „Im Zuge der Rekultivierung der Flächen wird es voraussichtlich eine Geländeabsenkung mit einem Winkel von 45 Grad geben, was allerdings tektonisch immer noch stabil ist“, erklärte Thomas Wolfmeier anhand von eingeblendeten Planskizzen am Beamer. Christian Fiederer: „Nach unseren Schätzungen ist die erste Kiesgrube bereits nach neun Monaten leer und kann umgenutzt werden. Wir möchten am Mordfeld West I und II eine extensive Landwirtschaft begründen, ohne die Einbringungen irgendwelcher Chemikalien oder künstlicher Dünger.“

Konstantes Monitoring der Daten vom Landesamt für Umwelt Bayern

Berücksichtigt werden hierbei Informationen von der Hydrogeologischen Karte im Bayern-Atlas sowie vom Gewässerkundlichen Dienst des Landesamtes für Umwelt (LfU). „Wir wollen langfristig sicherstellen, dass der Pegel konstant zwei Meter über dem höchsten zu erwartenden Grundwasserspiegel liegt. Die Qualität unserer Grundwassers darf nicht gefährdet werden“, betonte Christian Fiederer. Das überzeugte die Mitglieder des Bauausschusses. Die endgültige Projektfreigabe bei der nächsten Sitzung des Altöttinger Stadtrates dürfte nur noch Formsache sein.

-rok-

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