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Gespräch mit Altöttings Bürgermeister

Stephan Antwerpen: „Es ist gut, immer wieder zu reflektieren, dass man selbst nicht so wichtig ist“

Stephan Antwerpen (CSU), Bürgermeister der Stadt Altötting - steht den OVB-Lesern Rede und Antwort
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Stephan Antwerpen (CSU), Bürgermeister der Stadt Altötting - steht den OVB-Lesern Rede und Antwort.

Für das Stadtoberhaupt des Marienortes Altötting bedeutet es nicht unbedingt Druck, diese Verantwortung zu tragen. Herausfordernd findet er den Spagat zwischen Kommune und Klerus. Und auch ein kurzer Urlaubstrip 2022 führte ihn mitten in die Zentrale der Katholischen Kirche.

Altötting - Der ehemalige Berufsschullehrer Stephan Antwerpen (58) hat noch keine Ferien. Seine eigenen vier Kinder sind bis auf eine Tochter erwachsen. 2022 führte ihn ein Kurztrip in die italienische Hauptstadt Rom. Im Sommer-Interview mit innsalzach24.de zieht der Erste Bürgermeister der Stadt Altötting Zwischenbilanz.

Teil 3 unserer kleinen Sommer-Interview-Serie. Lesen Sie auch die Gespräche mit den Bürgermeistern aus Garching an der Alz und Töging am Inn.

Herr Antwerpen, wie hat Ihnen Rom gefallen?
Es war ein tolles Erlebnis, wenn auch nur vier Tage lang. Aber gemeinsam mit meiner Frau und mit meiner jüngeren Tochter wurde uns eine besondere Ehre zuteil: Papst Franziskus empfing uns zur Audienz im Vatikan. Dabei bat er uns auch darum, für ihn zu beten, damit er seine Aufgaben erfüllen kann. Das hat mich beeindruckt. Selbst in einem Amt dieser Dimension kann man sich allein gelassen fühlen.
Kann man von solch einem Besuch etwas mitnehmen?
Es bestätigt mich in meiner Auffassung, dass man sich selbst nicht zu wichtig nehmen soll. Das gilt für alle Bereiche des privaten und beruflichen Lebens. Auch wenn mir das nicht immer gelingt, versuche ich doch, immer wieder zu reflektieren, dass man sich auch mal zurücknimmt. Dass man Fehler eingesteht. In meinem früheren Beruf als Lehrer hat es mir sehr geholfen, den Schülern glaubhaft zu vermitteln, dass ich nicht allwissend bin und genauso scheitern kann wie sie.
Wobei können Sie in der Freizeit gut entspannen?
Sport an sich macht mir Freude. Früher habe ich Handball gespielt. Wann immer ich Zeit habe, gehe ich gerne mit meiner Familie zum Wandern in die Berge.
Vermissen Sie Ihren früheren Beruf manchmal?
Alles zu seiner Zeit. Ich war Lehrer aus Überzeugung und glaube, dass ich authentisch war. Dieser Job ist irgendwie auch Berufung. An der Berufsschule habe ich Bauzeichnen und Soziallkunde unterrichtet. Nur wenn man die Jugendlichen mit ihren Interessen einfängt, kann man sie auch von etwas anderem überzeugen. Bürgermeister Altöttings zu sein, ist allerdings auch eine tolle Aufgabe, die ich mit Freude erfülle.
Erzeugt die Verantwortung manchmal auch Druck, der ins Private abstrahlt?
Ich empfinde das nicht so. Klar ist, dass man es nie allen Recht machen kann. Die Kunst ist es, einerseits für die Stadtverwaltung zu sprechen und zwischen den einzelnen - oft widerstreitenden - Interessen zu vermitteln. Beinahe jeden Tag passieren unerwartete Dinge. Zum Beispiel sprach letztens ein Bauträger im Rathaus vor, der ein tolles Wohnungsbau-Projekt präsentierte. Da dachte ich mir: Schön, dass in der Richtung was weitergeht.
Muss die Stadt insgesamt aktiver werden, wenn es um bezahlbares Wohnen geht? Stadtrat Marcel Seehuber zum Beispiel betreibt das Projekt „SauRiassl Syndikat“ in Eigenregie.
Kommunen genauso wie Privatleute oder private Investoren sollten Wohnraum schaffen. Daher begrüße ich die Initiative der SauRiassl-Community. Seehuber und seine Leute stellen sich in der Öffentlichkeit gekonnt dar. Es gibt jedoch auch Bauträger, die wertvolle Aktivitäten im Immobilienbereich zeigen, von denen nur wenige etwas mitbekommen.
Wie kann man jungen Familien mit mehren Kindern zu einem Eigenheim verhelfen?
Wir sind an Projekten dran, Quartiere mit Reihenhäusern - mit Garten bzw. Terrasse - zu entwickeln, die bezahlbar sind. Dabei müssen alle ins Boot: Private Grundstückseigentümer, Kommune, Bauträger und die Kirche. Gerade in Altötting sind Kirche und Klöster oft Grundstückseigentümer. Wenn sie etwas davon für die Allgemeinheit - auch mit Erbbaurecht - freigeben, werden sie ihrer gesellschaftlichen Verantwortung gerecht. Näheres dazu geben wir bekannt, sobald es soweit ist.
Verfolgt man die Scharmützel in den Stadtratssitzungen, könnte man denken, Sie haben ein Problem mit Toni Dingl und Konrad Heuwieser.
Nein (lacht). Gerade mit Vertretern der Freien Wähler entstehen manchmal Diskussionen, bei denen ich mich auch mal provozieren lasse. Das bereue ich dann. Wenn Anträge zu Vorhaben eingebracht werden, die die Stadtverwaltung hemmen oder bereits umgesetzt werden, ärgert mich das. Gerade Koni Heuwieser ist da oft sehr speziell und eigen. Aber privat sind wir seit über 30 Jahren gut befreundet. Als Schüler im Gymnasium habe ich einen Fotokurs mit Entwickeln in der Dunkelkammer belegt, den Koni gehalten hat. Unvergesslich.
Macht der Umweltreferent einen guten Job?
Toni Dingl (Freie Wähler) ist ein kritischer und kreativer Vordenker in vielerlei Hinsicht. Der Stadtrat von Altötting profitiert seit 1990 von seiner Arbeit. Daher ein klares Ja.
Wie klappt das mit Ihrem Bruder Martin im Stadtrat?
Das ist natürlich etwas Besonderes. Ich habe ein herzliches Verhältnis zu meinem älteren Bruder. Er ist mehr der Idealist, ich der Pragmatiker. Dabei spielt es keine Rolle, dass er bei der ÖDP ist und ich bei der CSU, der Partei, zu der damals auch unser Vater Richard ging. Der wiederum war vor Herbert Hofauer Bürgermeister von Altötting und nun habe ich das Amt bekommen. Der Kreis schließt sich. Von meinem Vater konnte ich mir politisch vieles abschauen.
Das wäre?
Die neutrale Position zu wahren, wenn es um Konflikte und Entscheidungen geht. Er selbst zog damals nach Altötting zu - als Beamter am Landratsamt - und hatte gerade als Nicht-Alteingesessener eine kluge Sicht auf die Dinge. Ich war das Sandwich-Kind unter fünf Brüdern, die alle in Altötting geboren wurden. Auch so lernte ich, es mal mit den Jüngeren oder mit den Älteren zu halten.
Wie halten Sie es im Gnadenort Altötting mit der Religion?
Altötting gibt es nur als Wallfahrtsort und als Ort des Glaubens und der Hoffnung. Das gehört untrennbar zusammen. Trotzdem wollen wir modern und zeitgemäß sein. Aber jeder Mensch, der hierkommt, um Kraft und Inspiration zu finden, ist herzlich willkommen. Als Stadt müssen und dürfen wir eng mit der Kirche zusammenarbeiten. Das ist manchmal ein Spannungsfeld. Denn Vertreter der Bistums Passau oder der katholischen Kirche haben eigene Interessen. Für mich persönlich ist der Kerngedanke des christlichen Glaubens wichtig: Nächstenliebe. Das ist aber auch eine Botschaft anderer Religionen, die ich nicht ausschließen will.

innsalzach24.de bedankt sich bei Stephan Antwerpen für das Gespräch.

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