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Strom-Projekt für Afrika

Altöttinger Berufsschullehrer: „Für die meisten Menschen in Sambia steuert noch die Sonne den Tagesablauf“

StD Mario Beier, Abteilungsleiter Metall in Altötting, erklärt den afrikanischen Lehrkräften technische Funktionsweisen
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StD Mario Beier, Abteilungsleiter Metall an der BSAOE, erklärt den afrikanischen Lehrkräften technische Funktionsweisen.

Ein Leben ohne elektrischen Strom? Was für Europäer beinahe unvorstellbar ist, ist für viele Menschen in Afrika immer noch Normalität. Das soll sich ändern. Wie das möglich wird, zeigt ein erstaunliches Projekt an der Berufsschule Altötting.

Altötting - Während der Pfingstferien arbeitete Oberstudienrat (OStR) Stephan Hansjakob und unterrichtete andere Berufsschullehrer. Nebenbei unternahm der Altöttinger - ursprünglich Ingenieur für Elektrotechnik - Ausflüge mit den Kollegen aus Sambia, Kenia, Ghana, Uganda und Äthiopien: „Die elf Besucher aus Afrika nehmen am II. Ausbildungsmodul VET4 Africa“ teil. Sie sind am 13. Juni angekommen und sollen sich hier auch menschlich willkommen und aufgehoben fühlen.“ Die Gruppe lernte bayerische Kultur beim privaten Steckerlfisch-Essen und besuchte Sehenswürdigkeiten in Bad Reichenhall und Burghausen. Hansjakobs eigene Familie kam einfach mit.

Gruppenbild mit Solarkoffer: Die Altöttinger Lehrer Stephan Hansjakob (hinten, Mitte) und Mario Beier (hinten, rechts daneben) mit den afrikanischen Kollegen.

Hilfe zur Selbsthilfe in Uganda und Sambia statt pauschale Finanzhilfen

Bis zum 25. Juni bleiben die Besucher noch in Altötting. Diese Zeit wird intensiv genutzt mit einem Fach-Workshop zum Thema Photovoltaik und Elektrifizierung an der Berufsschule. Am Montag Nachmittag (20. Juni) wurde das Projekt der Öffentlichkeit präsentiert. Die Schulung der afrikanischen Lehrkräfte ist Teil eines Entwicklungshilfe-Projekts der internationalen Abteilung des Bildungswerks der Bayerischen Wirtschaft (bbw), der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) sowie des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ).

Stephan Hansjakob zu innsalzach24.de: „Der Fokus liegt auf dem Konzept ´Hilfe zur Selbsthilfe´, damit die afrikanischen Lehrer bestens geschult und ausgerüstet den Menschen in ihren Heimatländern direkt weiterhelfen können.“ Sie sollen Wohnungen, Unterrichtsräume und Hütten in Afrika elektrifizieren. Das alltägliche Leben soll mit Hilfe von elektrischem Strom Schritt für Schritt modernisiert werden. „In Sambia haben knapp 75 Prozent der 18 Millionen Einwohner keine oder so gut wie keine stabile Stromversorgung. Der Tag beginnt für die meisten immer noch mit dem Sonnenaufgang und endet mit dem Sonnenuntergang.“

Projekt „VET4 Africa“ - Anfänge in Wildpoldsried im Allgäu

Afrikanische Lehrer lernen, wie Bausätze für Solaranlagen funktionieren.

Das Projekt soll elektrischen Strom in entlegene Teile Afrikas bringen: Koffer mit Bausätzen für kleine Solaranlagen – so die Idee der Initiatoren Günter Mögele, Willi Kirchensteiner und Manfred Wolf – sollen helfen, auch ohne Infrastruktur Lampen und andere elektronische Geräte zu betreiben.

Das nötige Wissen soll wie berichtet Menschen aus Afrika in Wildpoldsried beigebracht werden. Ein dreitägiger Lehrgang war der Startschuss für das Bildungsprojekt. Durchgeführt von der Akademie für Lehrerfortbildung und Personalführung (ALP) Dillingen und vom Ökologischen Bildungszentrums Wildpoldsried, lernten dabei Berufsschullehrer aus ganz Bayern, wie sie Afrikanern künftig die Bausätze erklären können.

Stark unterstützt wurde die Initiative vom früheren Bundeswirtschaftsminister Dr. Gerd Müller (CSU). Involviert im Projekt sind aktuell Lehrer von bayerischen Berufsschulen aus Altötting, Mindelheim, Dachau, Günzburg, Donauwörth, Kempten, Coburg und München.

Was in Deutschland vor über 100 Jahren Normalität war, gilt demnach immer noch für große Teile - vor allem des ländlichen - Afrikas. Zumindest Hütten sollen beleuchtet werden können und die Ladung des Mobiltelefons kurzfristig ermöglicht werden. Im Modul I des Projekts „VET4 Africa“ schulten bayerische Berufsschullehrer die afrikanischen Kollegen an einem speziell entwickelten Photovoltaik-Aluminium-Koffer. Der Strom, der damit produziert werden kann, hat eine so niedrige Spannung, dass er praktisch ungefährlich ist. Darin enthalten: Solarmodul, Wechselrichter, Laderegler und tragbarer Akku.

OStR Stephan Hansjakob erklärt elektrische Schaltanlagen an der Altöttinger Berufsschule.

Dolmetscher für Französisch an Berufsschule Altötting hinzugezogen

Die Verständigung mit den afrikanischen Lehrern erfolgt an den Beruflichen Schulen Altötting (BSAOE) in englischer und französischer Sprache. „Für Französisch ziehen wir einen Dolmetscher hinzu“, so Stephan Hansjakob. Sein Kollege Studiendirektor (StD) Mario Beier von der Fachschule für Umweltschutztechnik und Regenerative Energien ist ebenfalls im Projekt eingebunden. Dessen Frau Sabine Beier arbeitet als externe Fachkraft für kaufmännische Belange mit. Stephan Hansjakob: „Das ist ist sehr wichtig, weil in Afrika Nachholbedarf an betriebswirtschaftlichen Kenntnissen herrscht.“ Ein Beispiel: Für einen Behälter mit Tomaten wird regional oft ein Einheitspreis angesetzt, egal, welche Menge gekauft wird.

Für Strom mit höherer Spannung sind Sicherheit und Wartung wichtig

Inhaltlich und technisch geht es nun um die Erklärung von größeren Solaranlagen mit etwa 400 Volt Spannung. Sicherheitsmessungen, Isolierung, Abschaltautomatik und Wartung nach VDE-Vorschrift spielen dabei eine größere Rolle als bei kleinen Solar-Inselanlagen.

Der aktuelle Workshop sollte ursprünglich im Ökologischen Bildungszentrum in Wildpoldsried stattfinden. Aus organisatorischen Gründen wurde er spontan nach Altötting verlegt. „Schulleiter Carlo Dirschedl hat sich sofort bereit erklärt, Räumlichkeiten unserer Schule zur Verfügung zu stellen“, so Hansjakob Die elf afrikanischen Lehrer wohnen im Franziskushaus.

Altöttinger Lehrer erleben afrikanische Gastfreundschaft hautnah

Lehrer der Berufsschule Altötting engagieren sich seit Ende 2018 beim Projekt „VET4 Africa“. Schulleiter Carlo Dirschedl setzt sich aktiv dafür ein. Stephan Hansjakob: „Ohne sein Wohlwollen wäre diese Arbeit nicht denkbar“, so Stephan Hansjakob.

Schulleiter Carlo Dirschedl: „Wir handeln in öffentlichem Interesse, wenn wir uns aktiv an Maßnahmen zur Selbsthilfe beteiligen. Das hat an den BSAOE eine lange Tradition.“

Während seiner Arbeits- und Freizeit erstellte er ein mehrsprachiges VET4Africa-Skript mit über 700 Seiten zum Thema Elektrotechnik und Photovoltaik. Für Workshops und Reisen zu Fortbildungen und/oder Vor-Ort-Besuche in Afrika müssen Unterrichtsstunden ausfallen beziehungsweise in Vertretung gehalten werden. „Das klappt alles glücklicherweise sehr gut. Ich persönlich bin dafür dankbar und werde auf menschlicher Ebene in Afrika wunderbar beschenkt. Die Menschen dort sind sehr gastfreundlich und tun alles, um uns ihre Kultur näher zu bringen“, so Stephan Hansjakob.

Afrikanische Landbevölkerung soll mit Energieversorgung Weg aus der Armut beschreiten

Der Aufbau eigener Energieversorgungsanlagen soll vor allem für die afrikanische Landbevölkerung ein Grundpfeiler für den Weg aus der Armut sein. Seit Projektbeginn wurden mehr als 200 afrikanische Lehrer sowie über 3000 Schüler als regionale Mentoren über VET4 Africa ausgebildet.

Abschlussbild der Gruppe des II. Ausbildungsmoduls mit Altöttings Bürgermeister Stephan Antwerpen (links, stehend) und BSAOE-Schulleiter Carlo Dirschedl (links, kniend).

-rok-

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