Nachgefragt in Altötting und Berchtesgaden

Der neue Bayern-Ausflugsticker: Eine Lösung für das Ausflugsverkehrs-Chaos?

Durch viel Ausflugsverkehr wurde es in der letzten Zeit vierlerorts eng, wie hier auf der Straße zum Nonner Oberland in Bad Reichenhall im November 2020.. (links) Andrea Streiter vom Tourismusverband Inn-Salzach hofft das der neue „Ausflugsticker Bayern 2.0.“ künftig helfen kann, solche Szenarien zu vermeiden.
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Durch viel Ausflugsverkehr wurde es in der letzten Zeit vierlerorts eng, wie hier auf der Straße zum Nonner Oberland in Bad Reichenhall im November 2020 (links). Andrea Streiter vom Tourismusverband Inn-Salzach hofft, dass der neue „Ausflugsticker Bayern 2.0“ künftig helfen kann, solche Szenarien zu vermeiden.

Am Mittwoch stellte das Bayerische Wirtschaftsministerium den „Ausflugsticker Bayern 2.0“ vor. innsalzach24.de hat in Altötting und Berchtesgaden nachgefragt, wie dieser helfen kann, das Problem mit Ausflugsverkehrs-Chaos in der jüngsten Zeit zu bewältigen.

Altötting/Berchtesgaden - „Ursprünglich war es ja ‚nur‘ als Ausflugsticker für Oberbayern gedacht Das war ein gemeinsames Projekt der Tourismusverbände des Berchtesgadener Lands, des Chiemgaus, der Zugspitzregion, der Alpenregion Tegernsee-Schliersee und uns, der Inn-Salzach-Region. Im Juni des vergangenen Jahres war das Fernsehen für einen Beitrag darüber bei uns in Altötting. Den muss dann wohl Herr Aiwanger gesehen haben. Denn kurz darauf verkündete er, das Projekt solle zum Ausflugsticker 2.0 für ganz Bayern ausgebaut werden“, erinnert sich Andrea Streiter vom Tourismusverband Inn-Salzach gegenüber innsalzach24.de.

„Dafür sind wir natürlich sehr dankbar“, betont Streiter. „So hat das Projekt eine enorme zusätzliche Unterstützung bekommen und was sonst vielleicht Jahre gebraucht hätte, wurde nun in Monaten umgesetzt.“ Sie hoffe, dass der Ticker auch über die Pandemie hinaus zu einem wertvollen Hilfsmittel für Touristen und Ausflügler wird und gleichzeitig das zuletzt massive Problem enormer Besucheranstürme auf die Region zu lenken hilft.

Ausflugsticker könnte bei Problemen mit starkem Tagestouristen-Ansturm helfen

Verkehrsstaus, zugeparkte Rettungszufahrten, Müll von Wildcampern, unklare Rechtsvorgaben, uneinsichtige Besucher und genervte Einheimische - das sind nur einige der Probleme, mit denen sich zahlreiche Gemeinden der Region in den letzten Monaten konfrontiert sahen. „Dieses Jahr ist die Lage besonders schlimm“, so eine Anwohnerin aus Schönau am Königssee gegenüber BGLand24.de im September des vergangenen Jahres (Plus-Artikel BGLand24.de).. „Der Königssee ist total überlaufen. Auch der Verkehr ist unzumutbar - überall steht man im Stau“.

Im Januar sorgten dann die Zustände am Schliersee und dem Spitzingsee für Schlagzeilen (Plus-Artikel rosenheim24.de). Diese erlebten einen Ansturm von Ausflüglern. Auch in der Region erlebten manche Gemeinden wie Aschau im Chiemgau einen enormen Ansturm von Tagestouristen (Plus-Artikel chiemgau24.de). Andernorts dagegen blieb es durchaus auch ruhiger, etwa in Ruhpolding, wo zu dieser Jahreszeit normalerweise Hochbetrieb herrscht (Plus-Artikel chiemgau24.de). Manche Gemeinden und Ausflugsziele wurden also überrannt, in anderen dagegen war wenig los.

Ausflugsticker für Bayern wurde vorgestellt

Kurz vor dem langen Osterwochenende wurde nun am Mittwoch in einem Live-Stream des Bayerischen Wirtschaftsministeriums der überarbeitete Ausflugsticker Bayern 2.0 vorgestellt. Die mobile Webseite soll zeigen, welche Ziele bereits überfüllt sind und Alternativen nennen. „An den Osterfeiertagen wird es trotz steigender Corona-Inzidenzwerte viele Menschen in die umliegenden Regionen und die Natur ziehen“, erklärte die Ministerialdirektorin im Bayerischen Wirtschaftsministerium, Dr. Ulrike Wolf. „Wir müssen alles dafür tun, unnötige Menschenansammlungen zu vermeiden. Dafür müssen wir zum einen über Überfüllungen informieren und zum anderen alternative Ziele in den Vordergrund rücken - Bayern hat schließlich ausreichend Platz. Der Ausflugsticker Bayern 2.0 ist ein Instrument, das genau diese Kommunikation bietet.“

Das Live-Video des Bayerischen Wirtschaftsministeriums:

Der Ausflugsticker Bayern 2.0, zu finden unter www.ausflugs-ticker.bayern, unterstützt die Nutzer sowohl bei der Planung von Tagestouren als auch beim Besuch vor Ort und soll kontinuierlich weiterentwickelt werden. Nach der Eingabe eines Ziels können Informationen zur Auslastung von Parkplätzen oder Sehenswürdigkeiten sowie Vorschläge für weniger besuchte Ziele angezeigt werden. Zudem wird die Route für die Anfahrt mit dem Auto, teilweise auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln berechnet. Prognosen zu Auslastungen sind zum Teil Tage im Voraus verfügbar. Bei der Nutzung von unterwegs präsentiert eine Kartenansicht Meldungen zu Attraktionen rund um die eigene Position sowie deren Lage und die Fahrt dorthin. Diese Meldungen lassen sich nach Kriterien wie Art der Attraktion, Entfernung und Zeitraum filtern. Die Inhalte pflegen ab sofort die Tourismusverbände vor Ort ein. Weitere Inhalte und Funktionalitäten kommen in den nächsten Wochen und Monaten hinzu. Ziel ist, Daten und Informationen künftig automatisiert in den Ticker zu integrieren.

Kein Allheilmittel

„Berchtesgaden war von Anfang in die Planung und Realisierung des Ausflugstickers Oberbayern involviert. Dass dieser nun von der Bayern Tourismus Marketing GmbH fortentwickelt und mit zusätzlichen Informationen für den Gast erweitert wird, bestätigt die Wichtigkeit dieses Instruments zur Besucherlenkung. Wir begrüßen das sehr“, berichtet Teresa Hallinger, Destinationsmanagement beim Zweckverband Tourismusregion Berchtesgaden-Königssee gegenüber innsalzach24.de. „Nur wenn wir Besucherströme klug und vorausschauend lenken, können wir unseren Gästen trotz hohem Gästeaufkommen unvergessliche, positive Urlaubserlebnisse ermöglichen. Daher werden wir bei der Pflege der tagesaktuellen Informationen wie auch schon im letzten Jahr tatkräftig mitwirken, sowohl durch unsere MitarbeiterInnen im Zweckverband Tourismusregion Berchtesgaden-Königssee, als auch durch unsere KollegInnen aus den örtlichen Tourist-Informationen. Bereits über die Osterfeiertage werden wir aktuelle Daten für die wichtigsten Örtlichkeiten, beispielsweise Wanderparkplätze, einstellen.“

„Ein Allheilmittel ist der Ausflugsticker nicht. Er ist Teil einer Strategie zur Besucherlenkung. Wie gut er angenommen wird, liegt letztendlich daran, ob unsere Gäste darin ein sinnvolles Tool für ihre Ausflugsplanung finden“, räumt Hallinger ein. „Der Ausflugsticker wird in den kommenden Monaten in seiner Wirkung von uns beobachtet und regelmäßig neu bewertet werden.“ Dem schließt sich auch ihre Kollegin aus der Inn-Salzach-Region Andrea Streiter an. „Wir werden uns darüber hinaus auch mit den Kommunen vor Ort austauschen, wie gut die Lenkung der Besucherströme funktioniert.“

hs

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