Zu wenig Ärzte in der Region?

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Landkreise Altötting/Mühldorf - Immer mehr ältere Ärzte und immer weniger Nachwuchs: Die kassenärztliche Vereinigung befürchtet eine Unterversorgung in der Region.

Wegen Ärztemangels wurde am Dienstag die ärztliche Bereitschaftsgruppe Tittmoning-Palling-Kirchweidach-Tengling aufgelöst. Als Ersatz soll nun am Krankenhaus Fridolfing eine zentrale Bereitschaftspraxis eingerichtet werden. Innsalzach24 hat nachgefragt, ob auch die Landkreise Mühldorf und Altötting vom Ärztemangel betroffen sind und ob auch dort eine Umstrukturierung des Bereitschaftsdienstes droht.

"Gefühlte Unterversorgung" im ländlichen Raum

Nach Angaben der kassenärztlichen Vereinigung Bayerns (KVB) sind Mühldorf und Altötting noch gut mit Hausärzten versorgt. Die aktuelle, im Juli 2012 erhobene Statistik zählt im Landkreis Altötting 75 Hausärzte, im Nachbarlandkreis sind es - wegen diverser Teilzeitstellen - 81,75. Damit befindet sich Mühldorf sogar knapp an der Grenze zur Überversorgung. Diese wäre bei 82 Hausärzten erreicht. "In vielen, insbesondere ländlichen Gebieten besteht allerdings eine 'gefühlte Unterversorgung'", erklärt Kirsten Warweg, Stellvertretende Pressesprecherin der KVB. Schon jetzt gebe es Probleme bei der Organisation des Bereitschaftsdienstes. Grund dafür sind auch die vielen älteren Ärzte, die den anstrengenden Bereitschaftsdienst oft weniger leicht bewältigen als ihre jungen Kollegen.

Kaum zehn Euro Stundenlohn im Bereitschaftsdienst

Für Mühldorf und Altötting wurde die Altersstruktur der Ärzte zuletzt 2010 untersucht. Damals waren in beiden Landkreisen gut 30 Prozent der Hausärzte mindestens 60 Jahre alt, bayernweit liegt die Quote aktuell bei einem Drittel. Auch in den Landkreisen Mühldorf und Altötting könnte der Bereitschaftsdienst deshalb umstrukturiert werden. Die Einrichtung einer zentralen Bereitschaftspraxis in einem Krankenhaus, wie sie eigentlich nur in den Städten üblich ist und in Fridolfing bayernweit erstmals im ländlichen Raum entstehen soll, ist auch für Mühldorf und Altötting denkbar.

Die KVB fordert darüber hinaus eine bessere Vergütung des Bereitschaftsdienstes. Die Dienstbelastung im ländlichen Raum habe sich teilweise deutlich erhöht, sodass der zeitliche Aufwand in keinem Verhältnis zu dem zu erzielenden Honorar stehe. "Pro Stunde Bereitschaftsdienst sind im Schnitt in diesen Bereichen derzeit kaum zehn Euro zu erwirtschaften ", erklärt Warweg.

Altötting droht die Unterversorgung

Ein viel größeres Problem droht der Region jedoch, wenn die älteren Ärzte ihre Praxis aufgeben, ohne einen Nachfolger zu finden. Im Versorgungsatlas der KVB wurde errechnet, dass dem Landkreis Altötting eine Unterversorgung droht, sollten die Ärzte, die 2010 60 Jahre und älter waren, keinen Nachfolger finden. Von Jahr zu Jahr wird es aktuell bayernweit immer schwerer, alle Hausarztpraxen neu zu besetzen. Während 2009 in Bayern nur 50 Praxen unbesetzt blieben, waren es 2010 schon 74 und 2011 schließlich fand sich für 113 Hausarztpraxen kein neuer Arzt.

Regresse als "Damoklesschwert"

Die Zahl der Medizinstudenten und -absolventen sinkt stetig, doch die KVB sieht auch die aktuelle Regelung zur Wirschaftlichkeitsprüfung als Ursache für fehlenden Nachwuchs unter den Hausärzten. Wird festgestellt, dass ein Arzt bei der Verschreibung von Arzneimitteln nicht mit einem möglichst geringen Aufwand an Kosten gehandelt hat, drohen finanzielle Rückforderungen (sogenannte Regresse). Der Vorstand der KVB, Dr. Wolfgang Krombholz, bezeichnete die Wirtschaftlichkeitsprüfung vor kurzem als "Damoklesschwert", das junge Ärzte von einer Niederlassung in eigener Praxis abschrecke. Er fordert, dass die Wirtschaftlichkeitsprüfung aus den Sozialgesetzbuch gestrichen wird.

Alexander Belyamna

Rubriklistenbild: © dpa

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