Verhandlung am Amtsgericht Altötting

Intimes Foto auf Facebook veröffentlicht

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In sozialen Netzwerken veröffentlichte Fotos verbreiten sich schnell - auch solche Fotos, die eigentlich gar nicht für die Öffentlichkeit bestimmt waren. In einem aktuellen Fall aus Altötting soll ein Mann ein intimes Foto einer 17-Jährigen gegen deren Willen auf Facebook veröffentlicht haben.
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Altötting - Ein Mann soll ein intimes Foto einer 17-Jährigen aus dem Landkreis Altötting auf Facebook veröffentlicht haben. So können Sie sich in solchen Fällen wehren:

Es ist der Albtraum vieler Internetnutzer. Fotos, die nie für die Öffentlichkeit bestimmt waren, landen plötzlich in einem sozialen Netzwerk, können von unzähligen Internetnutzern betrachtet werden. Genau das ist vor einigen Monaten einer 17-Jährigen aus dem Landkreis Altötting passiert. Ein Mann soll ein intimes Foto der Jugendlichen gepostet haben - und das auch noch auf deren persönlichem Facebook-Account. Der 43-Jährige muss sich dafür am Donnerstag am Amtsgericht Altötting verantworten.

Foto war einvernehmlich entstanden

Der Angeklagte und die 17-Jährige hatten über einen längeren Zeitraum eine Beziehung. Damals entstand auch einvernehmlich das intime Foto. Wie beide vor Gericht aussagen, hatten sie zu dieser Zeit Zugriff auf diverse Online-Profile des jeweils anderen. Unter anderem hatte der 43-Jährige auch Zugriff auf den Facebook-Account der Jugendlichen.

Nach Darstellung der 17-Jährigen konnte sie sich nach dem Ende der Beziehung plötzlich nicht mehr bei Facebook einloggen. Nach einer kurzen Korrespondenz mit dem Angeklagten hatte sie für kurze Zeit wieder Zugriff – und wollte dabei auch ihre Zugangsdaten ändern – kam bald darauf aber wieder nicht mehr in ihren Account. Wenige Tage danach erschien das intime Foto auf ihrer Facebook-Chronik und war dort für ihre Facebook-Freunde (mehrere hundert Menschen) ein paar Stunden zu sehen. Zwei Zeugen, Freundinnen der Jugendlichen, bestätigen vor Gericht die Aussage der 17-Jährigen.

Wollte sich die 17-Jährige rächen?

Der Angeklagte jedoch gibt an, er selbst habe zu jenem Zeitpunkt keinen Zugriff mehr auf das Facebook-Profil seiner früheren Freundin gehabt. Das Foto sei hochgeladen worden, um ihm zu schaden, quasi als Racheakt, wie der 43-Jährige vor Gericht sagt. Der Angeklagte berichtet von Anfeindungen aus dem Umfeld der 17-Jährigen, sogar die Reifen seien ihm zerstochen worden. "Sie (die 17-Jährige, Anm. d. Red.) hat gehetzt ohne Ende. Das war nicht mehr normal", so der 43-Jährige.

Der Staatsanwalt macht in seinem Plädoyer deutlich, dass er den Angeklagten für schuldig hält. Die Einlassungen des Angeklagten seien in der Verhandlung widerlegt worden, so der Staatsanwalt. "So wie er da sitzt, wie er süffisant grinst, habe ich den Eindruck, dass er der Übeltäter ist." Der Staatsanwalt beantragt eine Geldstrafe in Höhe von 70 Tagessätzen zu je 15 Euro.

Richter glaubt nicht an einen Racheakt

Der Richter folgt schließlich weitestgehend der Einschätzung des Staatsanwalts und verurteilt den Angeklagten wegen Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs durch Bildaufnahmen zu einer Geldstrafe in Höhe von 60 Tagessätzen à 15 Euro. An einen Racheakt der 17-Jährigen glaubt der Richter nicht. "Es gäbe sehr viel Einfacheres, was man sich unter Umständen ausdenken könnte", so der Richter. Die 17-Jährige sei durch das Foto schließlich selbst bloßgestellt worden. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Der Angeklagte hat die Rechtsmittel der Berufung und der Revision.

Experte: Auf Recht am eigenen Bild pochen

Cem Karakaya von der Münchner Kriminalpolizei hält an Schulen regelmäßig Vorträge zum richtigen Umgang mit Internet und sozialen Medien. Karakaya verteufelt die moderne Technologie nicht, bezeichnet sich selbst als "Zocker" und ist in den sozialen Netzwerken unterwegs - warnt aber zugleich eindringlich vor den Risiken des Internets. Bei Fällen wie dem im Landkreis Altötting empfiehlt Karakaya, sofort Anzeige zu erstatten.

Sollte man ganz allgemein irgendwo im Internet ein Foto von sich entdecken und mit der Veröffentlichung nicht einverstanden sein, sollte man mit dem Betreiber der Internetseite Kontakt aufnehmen (ein Kontakt muss im Impressum der Seite angegeben sein). "Da nehme ich mit diesen Leuten Kontakt auf und sage: 'Leute, ich bin damit nicht einverstanden, dass Sie ein Foto von mir veröffentlichen. Bitte löschen'", erläutert Karakaya im Gespräch mit innsalzach24.de.

Die erste Kontaktaufnahme kann telefonisch oder per E-Mail geschehen. Erst wenn der Betreiber der Seite nicht reagiert, sollte man weitere Schritte unternehmen. "Dann mache ich es schriftlich mit Einschreiben und gebe 14 Tage Zeit", so Karakaya. Wird das Bild dann immer noch nicht gelöscht, empfiehlt der 40-Jährige, einen Anwalt hinzuzuziehen, der unter Berufung auf Paragraf 22 Kunsturheberrechtgesetz um Löschung bittet (Recht am eigenen Bild).

Muss das sein? Bereue ich es später?

Karakaya rät auch, sich gut zu überlegen, welche Fotos man selbst veröffentlicht. Man solle sich dabei immer zwei Fragen stellen: Muss das sein? Kann es sein, dass ich es später bereue? "Wenn man Fotos bei sozialen Netzwerken hochlädt, dann gibt man denen die Benutzungsrechte weiter", erklärt Karakaya. Rein rechtlich gehöre einem das Bild dann nicht mehr. "Auch wenn ich diese Bilder von meinem Profil lösche, bleiben sie ewig und ewig auf dem Facebook-Server", so der 40-Jährige. Auch was mit dem Bild geschieht, solange es nicht gelöscht ist, weiß der Nutzer selbst nicht. Andere Nutzer könnten das Foto runterladen und woanders hochladen - vielleicht auf eine Internetseite, deren Server im Ausland ist, eine Löschung also womöglich nur schwer durchsetzbar ist. "Das hat dann kein Ende mehr", sagt Karakaya.

Auch wo man selbst Fotos hochlädt, sollte man bedenken. Steht der Server der Internetseite in Deutschland, greifen Karakaya zufolge die deutschen Datenschutzgesetze. Die Löschung eines Fotos ist in solchen Fällen vergleichsweise leicht durchzusetzen. "Wenn der Server im Ausland ist, in Russland, Rumänien, Bulgarien und so weiter, dann wird das schwieriger und in manchen Fällen sogar unmöglich", erklärt der 40-Jährige.

Spam-Mails über den Kühlschrank verschickt

Ganz allgemein empfiehlt Karakaya Jugendlichen wie Erwachsenen, bei Computer, Smartphone und Co. auf Sicherheit mehr Wert zu legen. Alle möglichen Geräte könnten das Ziel von Hackern werden. Ist der Computer selbst auch gut geschützt, könnte vielleicht der Wlan-Drucker angegriffen werden. "Ich habe aktuell den Fall, dass über einen Kühlschrank Spam-Mails verschickt worden sind", erzählt der 40-Jährige. "Da ist brutal, was gerade alles so abläuft." Karakaya rät deshalb, sich auf Seiten wie klicksafe.de über Sicherheit im Internet zu informieren. In einigen Wochen hält Karakaya einen Vortrag in der Region. Am 5. November spricht der 40-Jährige ab 19 Uhr in der Maria-Ward-Schule in Altötting.

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