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Renovierung der Gnadenkapelle bis Oktober

Schwarze Madonna (vorübergehend) ausgezogen: Altöttinger Herzstück wird für Zukunft fit gemacht

Die Gnadenkapelle Altötting muss den „Zukunfts-TÜV“ schaffen. Deswegen hat Stadtpfarrer Dr. Klaus Metzl die Madonna in Sicherheit gebracht.
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Die Gnadenkapelle Altötting muss den „Zukunfts-TÜV“ schaffen. Deswegen hat Stadtpfarrer Dr. Klaus Metzl die Madonna in Sicherheit gebracht.

Die Heizungsanlage in der ehrwürdigen Gnadenkapelle Altöttings ist über 70 Jahre alt. Das Dach hat nach Sturmböen gelitten und der Brandschutz lässt sehr zu wünschen übrig. All das sind gute Gründe, das Bauwerk aus dem Jahr 1492 gründlich fit zu machen für mindestens weitere 500 Jahre. Bald rücken Handwerker und Kräne an. Damit alles gut geht, musste die berühmte Schwarze Madonna ausziehen.

Altötting - Moderne TV- und Radioübertragungen aus einer Kapelle aus dem 15. Jahrhundert? Das ist schwer vorstellbar und schwer umsetzbar. Doch das soll sich ändern. Mit einer umfangreichen Modernisierung und Sanierung soll die Gnadenkapelle in Altötting im digitalen Zeitalter ankommen - und doch so originalgetreu erhalten bleiben wie möglich.

Die Bauarbeiten haben mit dem „Ausräumen“ bereits am Aschermittwoch (2. März) begonnen und die Stiftspfarrkirche ist frei zugänglich (außerhalb der Heiligen Messen). Dort steht zurzeit die Schwarze Madonna. Zu Ostern wird sie traditionell wieder festlich mit einem besonderen „Gnadenröckl“ eingekleidet.

Die „Schwarze Madonna“ ist der Hauptgrund für viele Pilger nach Altötting zu kommen.

Die Sanierung der Gnadenkapelle beginnt in diesen Tagen und soll im Oktober 2022 abgeschlossen werden. „Dann wollen wir die Madonna mit einem feierlichen Gottesdienst heimführen“, so Stadtpfarrer Dr. Klaus Metzl. Etwas Wehmut lag in seiner Stimme, als er beim Stadtrat am Mittwoch (9. März) das Vorhaben erklärte.

Denn eine „Vertreibung“ der berühmten Heiligenfigur aus ihrem Heiligtum muss wohlüberlegt und gerechtfertigt sein. Die Schwarze Madonna von Altötting ist einer der bedeutendsten sakralen Gegenstände Europas. In der Stiftskirche hat sie bis auf weiteres „spirituelles Asyl“ gefunden.

Andächtig warten die Teilnehmer an der Jubiläumswallfahrt der Malteser auf den Besuch der „Schwarzen Madonna“.

Verlust oder Schaden durch Feuer wäre unbeschreiblich und unersetzlich

Besonders bedenklich dürfte der mangelhafte bis schlechte Brandschutz eines historischen Gebäudes sein, das zu großen Teilen aus Holz bzw. Holzvertäfelungen besteht. Eine Zerstörung von Bausubstanz von ideell und religiös unschätzbarem Wert durch Vernachlässigung, fahrlässiges Handeln und/oder Vorsatz wäre unverzeihlich.

„Wir schützen die Gnadenkapelle mit unseren Freiwilligen Feuerwehr immer so gut wir nur können“, versicherte Bürgermeister Stephan Antwerpen bei der Stadtrats-Sitzung.

Doch das allein ist nicht genug. So weit darf es erst gar nicht kommen. Moderne Brandmeldeanlagen müssen installiert werden. Wassersprenkler, die im Notfall sofort automatisch aktiviert werden.

Der Fastenmarkt findet unter anderem rund um die Stiftspfarrkirche St. Philipp und Jakob statt. 

In den Jahren 2020 und 2021 verursachten starke Stürme Schäden am Dach zur Südseite der Kapelle (Richtung Stiftspfarrkirche), im Übergang zwischen Oktogon und Kirchenschiff. Dieser Teil des Daches stammt vermutlich aus der Bauzeit von 1492 und muss behutsam restauriert und/oder getauscht werden.

Die Dach-Nordseite (zum Rathaus) wurde bereits vor einigen Jahren ausgetauscht und auch der spitze Turm. Es war eine spektakuläre Aktion, bei der ein Hubschrauber eingesetzt wurde. Auf der Südseite wurden fünf Bahnen des Dachs erneuert.

Mit dem Landesamt für Denkmalpflege führten Vertreter des Bistums Passau und des Wallfahrtsbüros Altötting „schwierige Verhandlungen über die Umsetzung einer der Historie angemessenen Bautätigkeit“, so Dr. Metzl.

Kostenkontrolle aus Sicht der Stadt Altötting wichtig

Aus Sicht der Stadt von zentraler Wichtigkeit ist eine Abwicklung der unvermeidlichen Maßnahme, ohne zu tief in den Stadtsäckel greifen zu müssen. Die Ausführungen von Pfarrer Dr. Metzl am Mittwoch gingen genau in diese Richtung. Das ließ Bürgermeister Stephan Antwerpen und die Stadträte sichtlich aufatmen.

„Zahlreiche Versicherungen greifen, um die Baumaßnahmen zu finanzieren“, so der katholische Geistliche. Zum Hochtreiben des Preises führen vor allem die hohen Anforderungen des Landsamts für Denkmalpflege. Diese mussten mit diversen Versicherungen abgestimmt werden.

500.000 Euro nur für das Dach - Stiftungsrat beschließt weitere Maßnahmen

Allein für die Dachsanierung werden rund 500.000 Euro veranschlagt, von denen die Versicherung 480.000 Euro übernimmt. Mitglieder des Stiftungsrates und Dr. Klaus Metzl sprachen sich dahingehend ab, die Restaurierung auf das Gebäude selbst auszudehnen. Dr. Metzl: „Die Gelegenheit ist günstig, weil während der hämmernden Dacharbeiten sowieso keine Andachten oder Gottesdienste in der Gnadenkapelle abgehalten werden können“.

Reparaturmaßnahmen im Inneren der Kapelle werden dazu geschaltet. Das ist vor allem die brandschutztechnische Ertüchtigung. Des weiteren sind die Podeste sanierungsbedürftig. Die Heizung muss erneuert werden.

Dr. Klaus Metzl und Stefanie Stühler vom Bischöflichen Ordinariat vor dem Wallfahrtsmuseum, der Altöttinger „Schatzkammer“.

Elektronische Liedanzeige - Gesamtkosten von 1,3 Millionen Euro

Die Beleuchtungsanlage wird auf einen modernen Stand gebracht. Dazu passen technische Installationen, die TV- und Radioübertragungen aus der Gnadenkapelle besser möglich machen. „Gerade in der Corona-Zeit hat sich gezeigt, wie groß das Interesse der Menschen ist, an religiösen Veranstaltungen virtuell teilzunehmen“, so Dr. Klaus Metzl.

Dazu gehört eine elektronische Liedanzeige für die Gläubigen. Summa Summarum belaufen sich die Gesamtkosten für die Renovierung auf 1,3 Millionen Euro. Abzüglich des Schadens, der durch die Gebäudeversicherung abgedeckt wird (480.000 Euro) bleiben 800.000 Euro übrig. Dr. Klaus Metzl: „Es ist bereits beschlossen , dass die Diözese Passau zwei Drittel davon (550.000 Euro) übernimmt.“

Spenden sollen helfen, die restliche Summe aufzubringen

Damit bleiben für die Kapellenstiftung circa 270.000 Euro übrig. Diese müssen als Eigenleistung erbracht werden. Dr. Metzl will auch die Öffentlichkeit mit einbinden und Spenden für die Sanierung generieren, „sobald die Gerüste stehen und die Menschen sehen, was hier alles gemacht und verbessert wird“. Mitte Oktober soll dann die „Madonna feierlich heimgeführt werden“, so Dr. Metzl im Kultur & Kongress Forum.

-rok-

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