Missbrauch: Anzeige erst nach vier Jahren

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Landkreis Altötting – Vor vier Jahren soll ein Erzieher (29) vier Kinder im Landkreis Altötting missbraucht haben. Als ein Elfjähriger nun sein Schweigen brach, kam die Aufklärung ins Rollen:

Hätte sich ein inzwischen Elfjähriger aus dem Landkreis Altötting nicht seiner Mutter anvertraut, wären die Taten wohl nie ans Tageslicht gekommen. Er habe seiner Mutter nach vier Jahren des Schweigens von sexuellen Übergriffen eines Jugendhilfe-Mitarbeiters erzählt, so Stefan Sonntag vom Polizeipräsidium Oberbayern-Süd. Die Mutter sei daraufhin zur Polizei gegangen und habe Anzeige erstattet. Sofort kamen die Ermittlungen ins Rollen. Das Ausmaß: Der Kindererzieher soll sich an insgesamt fünf Kindern sexuell vergangen haben. Vier Kinder sollen 2008 im Landkreis Altötting missbraucht worden sein, ein Kind 2011 im Landkreis Schweinfurt.

Kinderpornographisches Material gefunden

Nach der Anzeige der Mutter des Elfjährigen befragte die Polizei das frühere Umfeld des 29-Jährigen. Dabei hätten weitere Kinder von Missbrauchsfällen berichtet und so seien die anderen Fälle ans Tageslicht gekommen, so Sonntag. Der Verdacht erhärtete sich zudem, da kinderpornographisches Material auf dem Handy und dem Computer des Verdächtigen gefunden wurde.

Warum die Kinder so lange geschwiegen haben, sei noch nicht klar, so der Polizeisprecher. Kinderschänder würden aber oft ein gutes Vertrauenverhältnis zu den Kindern aufbauen. So würden sie es schaffen, sich den Kindern körperlich zu nähern, erklärt Sonntag. Dies gehe auch oft mit Drohungen einher oder werde den Kindern als Geheimnis verkauft.

Jugendamt wusste von nichts

Mittlerweile sitzt der 29-jährige Erzieher im Gefängnis. Bis es dazu kam, war es aber ein langer Weg. Vor vier Jahren ereigneten sich die ersten vier Missbrauchsfälle im Landkreis Altötting. Vor zwei Monaten habe dann auch erst das Jugendamt Altötting von den Vorwürfen erfahren. "Wir kennen die Tatvorwürfe von 2008 nicht. Wir haben erst vor zwei Monaten davon erfahren, als die Polizei die Akten angefordert hat", erklärt der Pressesprecher des Altöttinger Landratsamtes, Klaus Zielinski.

Laut Zielinski sei die Familie des mutmaßlich missbrauchten Elfjährigen auffällig gewesen. "Es handelt sich nicht um eine durchschnittliche Familie. Sie wird bereits seit langem vom Jugendamt betreut", erklärt Zielinski. Daraufhin wurde der Familie ein Jugendhilfe-Mitarbeiter zur Seite gestellt. Nur wenige Gemeinden im Landkreis Altötting bieten Jugendhilfearbeit, die vom Landratsamt bezuschusst wird. Von insgesamt 24 Städten und Gemeinden sind das Burghausen, Burgkirchen, Neuötting, Altötting und Emmerting.

kmr

Rubriklistenbild: © pa

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