Getunte Motorroller im Fokus der Polizei

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Geschwindigkeitstest: Polizei testet Roller auf dem Prüfstand.

Waldkraiburg - In den vergangenen Wochen verstärkte die Polizei den Kontrolldruck auf illegal getunte Motorroller. Elf Zweiräder wurden bisher beanstandet.

Inzwischen ist er auch eine Art Status-Symbol, der zum „In-sein“ dazugehört. Doch der Roller-Boom hat auch seine Schattenseiten. Die Polizei muss bei Kontrollen immer häufiger technische Manipulationen feststellen, die gravierende Folgen für die Besitzer haben. Nicht selten werden diese Zweiräder mit allerlei technischen Tricks und Basteleien zu wahren Rennmaschinen illegal getunt. Die dabei erreichten Geschwindigkeiten übersteigen nicht nur die erlaubten Werte bei weitem, sie potenzieren auch das Unfallrisiko um ein Vielfaches.

Denn Fahrwerk und Bremsen sind nicht auf die höheren Geschwindigkeiten ausgelegt. Nebenbei ist zu erwähnen, dass die Geräuschkulisse einer solchen Maschine eher einer Profi-Rennmaschine als einem handelsüblichen Mofa gleicht; nächtliche Ruhestörung inbegriffen.

Neben der Unfallgefahr muss der rechtliche Aspekt deutlich angesprochen werden:

„Plötzlich fährt man ohne Fahrerlaubnis...“ Die sogenannte Mofa-Prüfbescheinigung berechtigt nicht mehr zum Führen der jetzt schnelleren Maschine, die ja ursprünglich als Mofa bis 25 km/h Höchstgeschwindigkeit gedacht war. Wer also mit einem entsprechend stark getunten Motorroller im öffentlichen Straßenverkehr fährt, hat keine Fahrerlaubnis mehr. Da es sich dabei um eine Straftat handelt, ist die Polizei gesetzlich verpflichtet, Anzeige bei der Staatsanwaltschaft vorzulegen. Die Grenze der einfachen Ordnungswidrigkeit („wie `mal zu schnell gefahren“) ist damit längst überschritten.

„...und ohne Versicherungsschutz“

Durch die technischen Veränderungen erlischt in der Regel die allgemeine Betriebserlaubnis für den Roller und damit auch der Versicherungsschutz. Die Versicherung kann die Regulierung verweigern und die Erziehungsberechtigten wegen Vernachlässigung der Aufsichtspflicht haftbar machen. Das kann bei einem Verkehrsunfall, insbesondere wenn Personen verletzt oder gar getötet werden, verheerende finanzielle Folgen haben.

Die Polizei Waldkraiburg ist die Roller-Problematik bereits seit Jahren bewusst und war stets bemüht durch Kontrollen, aber auch präventiven Gesprächen bei den bekannten Rollerbastlern und ihren Eltern Wirkung zu erzielen. Doch der „harte Kern“ der Tuner scheut inzwischen nicht mehr, sich der Kontrolle durch haarsträubende Fluchtversuche zu entziehen. Die betroffenen Polizisten sind dabei oftmals gezwungen, gerade im Hinblick auf das jugendliche Alter der Fahrer, von Verfolgungsfahrten abzusehen. Das Unfallrisiko ist einfach zu hoch. Wenn dann das Kennzeichen, sofern es überhaupt ordnungsgemäß angebracht war, in der Dunkelheit nicht abgelesen werden konnte, bleibt die Straftat folgenlos.

Aus diesem Grund hat die Waldkraiburger Polizei verstärkt auf die Kontrolle von abgestellten Rollern gesetzt. So konnten z.B. im Bereich der Schulen etliche Fahrzeuge auf den Parkplätzen oder gleich in unmittelbarer Umgebung zusammen mit den Eigentümern begutachtet werden. Mittels eines sogenannten Rollenprüfstands (siehe Foto) konnten die Beamten noch vor Ort die Höchstgeschwindigkeit ermitteln und gegebenenfalls gerichtsverwertbar belegen. Im Gegensatz zu einer Kontrolle aus dem fahrenden Verkehr heraus konnte die Unfallgefahr dadurch gebannt werden.

Da aber dabei dem Rollerbesitzer nicht immer eine Fahrt auf öffentlichen Verkehrsgrund nachgewiesen werden konnte, kamen diese aus juristischer Sicht noch einmal mit einem blauen Auge davon. Die Polizei kann keine Anzeige erstatten. Der Besitzer muss jedoch dafür sorgen, dass das Fahrzeug wieder in einen zugelassenen Zustand gebracht wird. Je nachdem, welche technische Veränderungen vorgenommen wurden, stand dann für den einen oder anderen Rollereigentümer noch eine Abnahme bei einer Technischen Überwachungsstelle an.

Bei allen Kontrollen der letzten Wochen, sowie auch bei weiter zurückliegenden, waren die Hauptbeanstandungspunkte überhöhte Geschwindigkeit (teilweise zwischen 60 und 80 km/h), nicht zugelassene Anbauteile (wie z.B. Auspuffanlagen oder Beleuchtung) und technische Defekte.

Die Polizei Waldkraiburg wird weiterhin im Rahmen ihrer personellen Möglichkeiten auf verstärkte Kontrollen von illegalen getunten Rollern setzen.

Pressemitteilung Polizeiinspektion Waldkraiburg

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