Tierschutzverein kommt nicht zur Ruhe

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Winhöring - Ein einziges, nicht geladenes Mitglied gab bereits den Ausschlag: Der Tierschutzverein Altötting und Mühldorf muss seine Vorstandschaft neu wählen.

Der Tierschutzverein in den Landkreisen Altötting und Mühldorf e.V., der seit Jahren immer wieder in den Schlagzeilen ist, kommt nicht zur Ruhe: Das Amtsgericht Altötting hat alle auf einer Mitgliederversammlung im Juli 2012 gefassten Beschlüsse und Wahlen für nichtig erklärt, womit nun also Neuwahlen stattfinden müssen. Gegen die Beschlüsse und Wahlen der Mitgliederversammlung geklagt hatte Reiner W., seit vielen Jahren Mitglied im Verein.

Tierheim-Neubau sorgte für Streit

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Innerhalb der Vorstandschaft sorgte über Monate ein Konflikt für Unruhe, der seinen Anfang beim Bau des neuen Tierheims in Winhöring genommen hatte. An die 45 ehrenamtliche Helfer engagierten sich seiner Zeit, auch die Vorstandschaft des Vereins. "Jeder hat sein Bestes getan, jeder hat seinen Obulus geleistet", erinnert sich Reiner W. Doch obwohl viele mit anpackten, zogen offenbar nicht alle an einem Strang. So mahnte der erste Vorsitzende des Vereins, Fedor H., die damalige dritte Vorsitzende ab - wegen Kompetenzüberschreitung und Einmischung in den Bau, wie es hieß.

Was folgte, war ein monatelanger Streit - auch vor Gericht. Ein Vorstandsbeschluss, der die dritte Vorsitzende des Amtes entheben und aus dem Verein ausschließen sollte, wurde zwar vom Gericht für ungültig erklärt - das Vorgehen hatte der Vereinssatzung widersprochen -, doch das Tischtuch war nun endgültig zerschnitten. Für Reiner W. treffen im Verein einfach zwei unterschiedlichen Philosophien aufeinander. "Transparenz und Verschwiegenheit sind die zwei Fronten", so W. Er selbst sei immer für Transparenz gewesen. "Wenn ich ein gemeinnütziger Verein bin, habe ich doch nichts zu verbergen."

Turbulente Mitgliederversammlung im Juli 2012

Auf der Mitgliederversammlung im Juli 2012 kam es erneut zur Konfrontation. W. hatte einen Antrag auf Vereinsausschluss des ersten Vorsitzenden gestellt und sorgte zudem mit einem Einspruch zur Tagesordnung für Aufsehen: Seiner Meinung nach hätte die Versammlung wegen Landungsmängel geschlossen werden mussen. Sein Antrag wurde jedoch abgelehnt und die Wahlen der Vorstandschaft fanden wie geplant statt. Der erste Vorsitzende Fedor H. wurde mit großer Mehrheit im Amt bestätigt.

Doch die Mitgliederversammlung hatte ein juristisches Nachspiel. W. reichte Klage ein und führte darin gleich eine Reihe von Punkten an, weshalb die auf der Mitgliederversammlung gefassten Beschlüsse und Wahlen nichtig seien. Unter anderem seien Anträge verfälscht beziehungsweise entleert wiedergegeben worden.

Gericht gibt Reiner W. recht

Nun hat das Amtgericht Altötting Reiner W. recht gegeben. Bei der Versammlung im Juli gab es einen erheblichen Ladungsmangel: Ein ordentliches Mitglied des Vereins sei bewusst nicht geladen worden. Alleine deshalb seien sämtliche in der Versammlung getroffenen Beschlüsse und Wahlen nichtig, wie es in der schriftlichen Urteilsbegründung heißt.

Dies gilt, obwohl eine einzige Stimme an den äußerst klaren Wahlergebnissen nichts geändert hätte. Weiter heißt es nämlich: "Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass durch die Teilnahme des Mitglieds (...) an der Mitgliederversammlung vom 30.07.2012 ein anderes Beschlussergebnis bzw. Wahlergebnis herausgekommen wäre." So hätte etwa das nicht geladene Mitglied die anderen Mitglieder durch Argumente zu einem anderen Abstimmungsverhalten bringen oder aber sich selbst zur Wahl aufstellen lassen können.

Da bereits dieser Ladungsmangel alle Beschlüsse und Wahlen ungültig macht, hat das Gericht im Übrigen bezüglich aller weiteren von W. vorgebrachten Punkte keine Entscheidung getroffen.

"Sehr traurige Geschichte"

Ob und wann nun eine neue Mitgliederversammlung stattfindet, ist noch offen. Theoretisch denkbar ist sogar ein Einspruch gegen das Urteil. Trotz aller Auseinandersetzungen wird W. dem Verein aber nicht den Rücken kehren. "Ich möchte Mitglied bleiben, weil es mir um die Tiere geht und nicht um die Vorstände." Das Geschehene bezeichnet er als "sehr traurige Geschichte".

Alexander Belyamna

Rubriklistenbild: © dpa

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