Tierheim Winhöring zieht Bilanz

"Traurige Geschichten jeden Tag"

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Ausgesetzte Tiere zur Ferienzeit: Für das Tierheim Winhöring leider ein altbekanntes Phänomen. Jedes Jahr kümmern sich die Helfer des Tierheims um über 500 Fundtiere.
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Winhöring - Sommerzeit ist Ferienzeit - und eine traurige Zeit für viele Haustiere. Auch heuer platzt das Tierheim Winhöring aus allen Nähten. Warum Hoffnung besteht:

Barbara Lathwesen, zweite Vorsitzende des Tierschutzvereins Altötting-Mühldorf, kennt es eigentlich gar nicht anders: "Jetzt zur Urlaubszeit ist es wie immer. Wir sind voll bis oben hin." Ausgesetzte Hunde, Katzen und Kleintiere stellen das Tierheim Winhöring, das zum Tierschutzverein gehört, alle Jahre wieder vor eine Herkulesaufgabe. Über 500 Fundtiere verzeichnet das Tierheim Jahr für Jahr - und ein großer Teil kommt zur Ferienzeit nach Winhöring. Gegenwärtig beherbergt das Tierheim 15 Hunde, 16 Kaninchen und 91 Katzen.

Kranke Katzenbabys, ausgehungerte Kaninchen

Traurige Schicksale, wie das der in einem Altkleidercontainer in Töging ausgesetzten Katzenbabys, gibt es leider immer wieder. "Das ist nicht die Ausnahme. Das haben wir jedes Jahr in der Form", erzählt Lathwesen. Fünf, Sechs Kätzchen in einem Karton, ausgesetzt am Straßenrand oder am Wald - dieses traurige Bild bietet sich den Helfern des Tierheims und Passanten, die die Tiere zufällig entdecken, alle Jahre aufs Neue. Nach drei oder vier Tagen im Karton, vielleicht auch noch bei Regen, könne man sich vorstellen, in welchem Zustand die Tiere sind. "Wir bekommen sehr viele kranke Tiere", sagt Lathwesen. Erst vor wenigen Tagen kamen sechs kleine Kaninchen ins Tierheim. Sie waren in einem Karton auf einem Kinderspielplatz abgestellt worden. "Die waren völlig ausgehungert", so Lathwesen.

Hoffnung auf Besserungen gibt es aber. Die Frauen und Männer von Tierheim und Tierschutzverein setzen auf Aufklärung. Im Dezember letzten Jahres appellierte das Tierheim am die Bürger, keine Tiere spontan an Weihnachten zu verschenken, sondern sich die Anschaffung eines Haustiers gut zu überlegen. Lathwesen ist davon überzeugt, dass der Appell gefruchtet hat. Statistisch belegen kann Lathwesen dies zwar nicht. Viele Menschen hätten sie jedoch auf den Aufruf des Tierheims angesprochen. "Die Reaktionen sind da." Lathwesen ist sich sicher: "Die Aufklärung hilft immer."

Nicht jeder lässt sich aufklären

Allerdings könne nicht jeder überzeugt werden. "Aufklärung bringt immer was, aber nur bei den Leuten, die sich was merken wollen." Manche Bauern hätten sie schon oft darauf hingewiesen, ihre Katzen kastrieren zu lassen. Doch es gebe eben immer Bauern, die sagen: "Das interessiert uns nicht." Um den Katzennachwuchs kümmert sich auf dem Hof dann keiner. "Leute greifen die Katzenbabys dann auf und bringen sie zu uns", erzählt Lathwesen. Dabei hätten die Helfer vom Tierheim bei jenen Bauern, die eine Kastration wollten, die Tiere sogar selbst mit Lebendfallen gefangen, zur Kastration gebracht und anschließend wieder auf dem Hof abgegeben.

Dem Tierheim bereitet aber auch ein neues Phänomen Kopfzerbrechen. Gegenwärtig würden verstärkt mitten auf der Straße ältere Hunde ausgesetzt. "Ich weiß nicht, welche Intention dahintersteckt", sagt Lathwesen. Ob das Ziel solcher Aktionen womöglich sogar ist, dass die Tiere überfahren werden, bleibt Spekulation. Eines ist für Lathwesen jedoch gewiss: "Traurige Geschichten jeden Tag."

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