Schutzgebiet: Stadt soll Alternativen prüfen

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Gibt es Alternativen zum Schutzgebiet? In Töging laufen die Überlegungen.

Töging - Die Stadt muss ihr Wasserschutzgebiet bei einem Anschluss beispielsweise an die Mettenheimer Gruppe nicht erhalten. Sie solle aber Alternativen prüfen.

Dies sagte der für Töging im Wasserwirtschaftsamt Rosenheim zuständige Abteilungsleiter Michael von Berg am Montag auf Nachfrage. Das Wasserwirtschaftsamt habe "mehrfach" zur Prüfung von Alternativen zum Erhalt des Wasserschutzgebietes geraten.

Tögings Bürgermeister Horst Krebes hatte in seiner Neujahrsansprache eine mögliche Abkehr von den bisherigen Bemühungen zum Erhalt des Wasserschutzgebietes angedeutet. In der Bauausschusssitzung am Dienstag war von einer grundlegend neuen Sachlage die Rede. Dieser Punkt wurde allerdings im nichtöffentlichen Sitzungsteil besprochen. Krebes wollte auf Nachfrage nichts zu diesem Punkt sagen und erst den gesamten Stadtrat informieren.

Michael von Berg zufolge habe das Wasserwirtschaftsamt die Stadt zur Prüfung von Alternativen zum Schutzgebietserhalt geraten. Eine Möglichkeit ist der Anschluss an die Mettenheimer Gruppe; in dem Wasser-Zweckverband sind Mühldorf und Mettenheim zusammengeschlossen (siehe Artikel unten).

Die Stadt Töging prüft derzeit Möglichkeiten zur Sanierung des Wasserschutzgebietes, das von geplanten Tankstellen eines Autohofes an der Autobahn und eines Logistikzentrums in Mitleidenschaft gezogen werden könnte. Die Töginger hatten in den letzten Jahren nach Verkeimungen unter anderem eine UV-Bestrahlungsanlage im Wasserwerk eingebaut.

Bei der Neuausrichtung des Wasserschutzgebietes geht es auch um die Erweiterung des Tiefbehälters, Notverbundleitungen und den Bau eines neuen Brunnens, für den das Schutzgebiet möglicherweise nach Norden ausgedehnt werden müsse, wie ein Geologe dem Stadtrat im Juli mitgeteilt hatte - und damit in Richtung Autobahn und Gewerbegebiete. Für die Stadt geht es bei der Sanierung des Wasserschutzgebietes um eine Millionen-Investition.

Abteilungsleiter von Berg bezeichnete die Prüfung von Alternativen zum Erhalt des Wasserschutzgebietes als einem "vernünftigen Schritt" der Stadt - auch unter den Aspekten "kostengünstig" und "zukunftssicher".

Die Bauausschussmitglieder hatten am Dienstag noch einstimmig eine Stellungnahme gegen die Ausnahmegenehmigung für die Errichtung einer Betriebstankstelle mit einem 40.000-Liter-Dieseltank beschlossen. In der Beschlussvorlage ist von einem Schreiben des Wasserwirtschaftsamtes die Rede: "Dieses kommt in der Zusammenfassung zum Schluss, dass das Netto-Logistikzentrum schon ohne die Betriebstankstelle ein nicht unerhebliches Gefährdungspotenzial darstellt, das die Schutzwirkung des Wasserschutzgebietes einschränkt und die bereits bestehenden Nutzungskonflikte im Bereich des Wasserschutzgebietes weiter verschärft. Das geplante Vorhaben einer Tankstelle ist wesentlich kritischer zu sehen und würde in der Summenwirkung die Wirksamkeit des Wasserschutzgebietes nicht mehr gewährleisten und den Schutzzweck gefährden". SPD-Fraktionssprecher Günter Zellner sagte zu dieser Stellungnahme, das Wasserwirtschaftsamt habe sich entgegen der jetzigen Äußerung im letzten Jahr "eher lavierend geäußert."

Zellner kritisierte auch eine Idee, statt des 40.000-Liter-Tanks vier genehmigungsfreie 10.000-Liter-Tanks zu installieren. Aufgrund der Gefahren beim Betanken der Anlage könnte sich so das Gefährdungspotenzial erhöhen. Krebes zeigte sich "verwundert" über die Teilungsmöglichkeit der Tanks und die daraus folgende Genehmigungsfähigkeit.

CSU-Fraktionssprecher Dr. Tobias Windhorst war seinerseits "überrascht" von der Neujahrsansprache des Bürgermeisters und dem darin angedeuteten Wechsel von einem Erhalt des Wasserschutzgebietes zu einem Anschluss an eine Fremdversorgung sowie der Kritik des Bürgermeistern am angedachten Klageweg - zumal es für die Prüfung einer Klage einen eindeutigen Stadtratsbeschluss gebe. Windhorst sagte, einige neue Aussagen habe es wohl in einem Schreiben des Landratsamtes am 5. Dezember gegeben, noch vor der Klageprüfungs-Entscheidung des Stadtrats. Davon habe er nichts erfahren.

"Jetzt ist einiges anders", sagte Krebes ohne Fakten zu nennen. Man solle Alternativen prüfen, "bevor ein Gericht uns das sagt". Krebes verwies auf "interne Gespräche" mit Behörden.

rob/Mühldorfer Anzeiger

Mettenheim ist skeptisch

Mettenheim/Töging - Auch im Mettenheimer Gemeinderat war die Wasserversorgung Thema. So äußerte sich Bürgermeister Stefan Schalk zum Landesentwicklungsprogramm Bayern (LEP), an dessen Überarbeitung die Mettenheimer Gemeinderäte mitgewirkt hatten. Besonders freue er sich, dass in der endgültigen Fassung der Schutz des Grundwassers in kommunaler Verantwortung festgeschrieben worden sei. Im späteren Verlauf der Sitzung wurde das Problem konkret diskutiert, als es um das Ansinnen der Töginger Gemeinde ging, Trinkwasser vom Zweckverband zur Wasserversorgung der Mettenheimer Gruppe zu beziehen. Die anwesenden Gemeinderäte und Landwirte sprachen sich gegen massive Einschränkungen in der Bewirtschaftung von möglicherweise größer werdenden Wasserschutzgebieten aus.

Schalk, der auch in seiner Eigenschaft als Zwecksverbandschef sprach, äußerte Befürchtungen, dass bei größerer Wasserentnahme aus den Mettenheimer Brunnen sich die Wasserfließrichtung und der Einzugskegel verändern sowie Nachkriegsaltlasten einiger Waldkraiburger Betriebe das Trinkwasser belasten könnten.

kch/Mühldorfer Anzeiger

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