Standort Feichten kein Thema mehr

Töging: Mittelalterfest statt Volksfest?

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Wird das Töginger Volksfest von einer Alternativveranstaltung abgelöst? Stadtrat Alexander Wittmann (Freie Wähler) brachte ein Mittelalterfest ins Spiel. (Das Foto zeigt exemplarisch das "Mittelalterspektakel" in Eisenach aus dem Jahr 2006.)
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Töging - Hat das Töginger Volksfest noch eine Zukunft? Gibt es vielleicht schon bald ganz andere Veranstaltungen in der Stadt? Das sagen die Stadträte:

Mit einem so beherzten Widerstand der Anwohner hatte der Bürgermeister offenbar nicht gerechnet. Wie Dr. Tobias Windhorst am Donnerstagabend im Stadtrat schilderte, waren nicht nur zahlreichen Anwohner (um die 50) zur Anliegerversammlung über ein mögliches Volksfest in Feichten gekommen - viele von ihnen machten darüber hinaus deutlich, was sie vom einem Volksfest in unmittelbarer Hörweite halten: nichts.

Eine Zusammenfassung der wichtigsten Stadtratsergebnisse finden Sie hier!

Auch schriftliche Einwände erreichten die Stadt bereits, mehr noch: "Das erste Anwaltsschreiben ist schon eingegangen", sagte Windhorst. Wohl oder übel hat der Bürgermeister deshalb von einem Volksfest in Feichten Abstand genommen. Vor allem aufgrund der strengen Vorgaben beim Lärmschutz hätten die Anwohner gute Chancen, ein Volksfest auf dem Klageweg zu verhindern. Es sei nicht sinnvoll, "diesen Platz gegen massiven Anwohnerwiderstand durchzudrücken", so der Bürgermeister.

24 Standorte scheiden aus

Dossier:

Die Standortdebatte um das Töginger Volksfest

Die Frage, wie und ob es überhaupt mit dem Volksfest weitergeht, wird damit immer drängender. Windhorst machte wenig Hoffnung, einen alternativen Standort zu finden. Ausführlich erklärte der Bürgermeister, warum die 24 (!) in den letzten Jahren diskutierten möglichen Standorte sicher oder zumindest wahrscheinlich nicht infrage kommen. Mal will der Grundstückseigentümer nicht, mal scheitert es an den Anwohnern, dann wieder ist die Erschließung des Platzes ein Hindernis.

Beachten Sie die Stellungnahme des Festwirts unter diesem Artikel!

Auch ein Grundstück beim SSV-Sportplatz scheidet aus - und zwar ausgerechnet, wegen des Wasserschutzgebiets. Und das, obwohl Netto, Autohof und Co. gebaut werden durften und nun eben jenes Wasserschutzgebiet derart gefährden, dass Töging wohl die Eigenständigkeit bei der Trinkwasserversorgung aufgeben wird.

"Wir sollten den Tögingern was bieten"

Die Neuausweisung eines innerstädtischen Volksfestplatzes ist rechtlich heikel und - zumindest ohne Zugeständnisse, etwa von Anwohnern - wohl kaum umsetzbar. "Wir dürfen uns wirklich mal bedanken bei den Anwohnern am Harter Weg", brachte es Windhorst auf den Punkt. Am Harter Weg hatte das Volksfest bis zum Baubeginn des Edekamarktes stattgefunden.

Festivitäten soll es in der Stadt aber weiterhin geben, selbst wenn für das Volksfest tatsächlich kein neuer Standort gefunden wird. "Wir sollen den Tögingern was bieten", sagte der Bürgermeister. Jeder sei nun aufgefordert, sich einzubringen. Ein Volksfestplatz allerdings habe man "stand heute" nicht.

Wittmann bringt Mittelalterfest ins Spiel

CSU-Fraktionssprecher Christoph Joachimbauer schloss sich der Einschätzung des Bürgermeisters an. "Ich persönlich bin nicht dafür, dass wir es (ein Volksfest in Feichten, Anm. d. Red.) machen." Joachimbauer regte an, sich "interfraktionell" zusammenzusetzen. Die einzige Alternative wäre gewesen, den alten Platz zu behalten. Man könne aber nicht wegen fünf Tagen Volksfest keinen Supermarkt für die Siedlung bauen.

Ideen, was man den Tögingern stattdessen bieten könnte, gibt es offenbar genug. Freie Wähler-Stadtrat Alexander Wittmann zeigte sich in der Stadtratsdebatte relativ kreativ und brachte - exemplarisch - ein Mittelalterfest ins Spiel. Wittmann forderte, sich Alternativen zum Volksfest zu überlegen und "zeitnah" zu realisieren. Dem Freien Wähler schwebt eine Veranstaltung vor, die "uns zugeschrieben" und "einmalig" ist. Bisher sei das Volksfest nur "das hundertste oder das tausendste Volksfest oder weiß der Teufel was" gewesen.

Neuberger: Anwohner müssen Rücksicht mitbringen

SPD-Fraktionssprecher Bastian Höcketstaller möchte das Volksfest noch nicht aufgeben. Er hätte einen Vorschlag, wolle ihn aber nicht öffentlich breittreten, bevor man mit den Anwohnern gesprochen hat. Sein Fraktionskollege Günter Zellner warnte: "Wenn wir das einmal aufgeben, ist das weg." Jeder größere Ort habe einen solchen Platz - nicht nur für ein Volksfest, sondern auch für andere Veranstaltungen. Was mache man, wenn ein Zirkus in die Stadt kommt oder man das Gautrachtenfest ausrichten kann, fragte Zellner.

Sepp Neuberger, Fraktionssprecher der Freien Wähler, blickte ebenfalls zurück auf die Standortdebatte und äußerte Kritik am Verhalten der Anwohner. "Ich bedaure, dass man in der Stadt nicht so viel Gemeinschaftssinn zusammenbringt. Dass die Anwohner vielleicht doch sagen: Diese fünf Tage akzeptieren wir - mit der Zusage der Stadt, dass das ein Probelauf ist." Ein Volksfest werde schließlich immer in Hörweite sein. "Wenn hier nicht die Bürger eine gewissen Rücksicht mitbringen, dann wird diese Veranstaltung gestorben sein."

Wie es mit den Veranstaltungen in Töging weitergeht, soll nun im Arbeitskreis Kultur besprochen werden.

Update 14 Uhr: Stellungnahme des Festwirts

Helmut Zeiler von der Zeiler Gastronomie aus Simbach hat soeben eine Stellungnahme zur Stadtratsdiskussion abgegeben. Hier lesen Sie die Stellungnahme im Wortlaut:

"Wir bedauern es sehr, dass es bei der Findung eines neuen Volksfestplatzes in Töging zu solchen Problemen kommt bzw. gekommen ist. Ich muss ganz ehrlich sagen, dass wir das Töginger Volksfest sehr gerne zusammen mit der Stadt organisiert haben. Und wir haben das auch gemeinsam aufgebaut. Seit über 13 Jahren haben wir als Festwirtsfamilie Zeiler dieses Fest organisiert und wir haben auch sehr viel Herzblut in dieses Fest gelegt. Ich möchte mich auch ausdrücklich für die äußerst gute Zusammenarbeit bei Altbürgermeister Horst Krebes und bei Bürgermeister Dr. Tobias Windhorst bedanken. Ein Volksfest muss in Kooperation mit der Bevölkerung und den Anwohnern durchgeführt werden. Das sehen wir natürlich genau so, wie der Töginger Stadtrat. Von daher ist es eine richtige Entscheidung, dass der diskutierte Standort in Feichten nicht mehr verfolgt wird. Jetzt soll ein „Arbeitskreis Kultur“ mit allen Fraktionen neue Vorschläge erarbeiten. Wir halten diesen Vorschlag für sehr gut. Alle müssen an einem Strang ziehen, damit wir zu Lösungen kommen. So wie es ausschaut, könnte ein neuer Volksfestplatz in den nächsten beiden Jahren nicht möglich sein. Danach ergeben sich aber neue Möglichkeiten. Das ist eine politische Entscheidung, da haben wir keinen Einfluss. Wenn es aber – z.B. in der Stockschützenhalle – eine Übergangslösung gibt, dann werden wir die Stadt Töging natürlich unterstützen, wo immer es geht. Ich bin recht zuversichtlich, dass wir eine Lösung zusammen mit der Stadt finden, wenn wirklich alle an einem Strang ziehen."

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