Am Mittwochabend in Töging

SPD-Kundgebung: "Wissen Politiker überhaupt noch, wie es MIR geht?"

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Töging - "Wissen Politiker überhaupt noch wie es MIR geht?". Darum und die Position der SPD zu vielen einzelnen Detailfragen ging es am Mittwochabend auf der Kundgebung im Stadel auf dem Volksfest. Hauptrednerin war die Spitzenkandidatin der Sozialdemokraten in Bayern, Natascha Kohnen.

Zunächst begrüßt Birgit Noske vom SPD-Ortsverein Töging die anwesenden Ehrengäste wie die Bundestagsabgeordnete Bärbel Kofler, den Landtagsabgeordnete Günther Knoblauch, dem Zweitstimmenkandidat bei der anstehenden Lantagswahl Kilian Maier, den Altlandrat Seban Dönhuber sowie zahlreiche Altbürgermeister und Bürgermeister aus dem Landkreis Altötting. Ganz besonders freue sie sich, dass Natascha Kohnen zur SPD-Kundgebung in den Töginger Volksfeststadel gekommen ist.

„30 Jahre SPD-Kundgebung in Töging“

Seit 30 Jahren findet die Volksfestkundgebung in Töging statt“, erinnert Günter Zellner, der 3. Bürgermeister der Stadt in seinen Grußworten. So einige Redner habe man erlebt wie etwa Otto Schily, Bundesinnenminister von 1998 bis 2005. Auch in den Jahren ohne Volksfest die SPD in Töging eine Kundgebung stattfinden lassen. Zellner bedankt sich beim örtlichen Trachtenverein für die Mithilfe in dieser Zeit.

„Sehr weitsichtige Worte“

Zellner erinnert an die Rede von Otto Schily im Jahr 2002 in Töging: „Der Nord-Süd-Konflikt, (…) dass wir in Europa Länder in Afrika ausbeuten und uns nicht darum kümmern, was mit denen passiert, wird uns irgendwann auf die Füße fallen.“ Otto Schily habe damals schon begriffen, „vor welchen Herausforderungen wir heute stehen.“ Er freue sich, 2018 wieder eine Politikerin mit Weitsicht begrüßen zu können, so Zellner weiter. Als Kohnen schon einmal da war, habe das mit den Themen Wohnungsbau und Energieversorgung bereits bewiesen.

„Wissen Politiker überhaupt noch, wie es MIR geht?“

Für die Demokratie, die Gesellschaft, die Zukunft sei es in der Politik wichtig, sich endlich mit den Dingen auseinanderzusetzen, welche die Bürger betreffen, so der Landtagsabgeordnete Günther Knoblauch zu Beginn seiner Grußworte. Man vergesse zu schnell, wie sich die SPD seit jeher dafür einsetze, große Koalition hin oder her.

Sozialer Wohnungsbau, Pflege im Alter, Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Bezahlung von Menschen in Pflegeberufen: „Da muss sich was ändern.“ Knoblauch führt aus, wofür die SPD stehe, ihr die politische Mehrheit bei Entscheidungen fehle. „Wir haben heute Leute von Nestlé da, die um ihren Arbeitsplatz kämpfen.“

„Das kann es nicht sein“

Knoblauch spricht die anwesenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vom Labor im Werk Weiding an, „wo ein Konzern sagt, 16 Prozent sind zu wenig Rendite. Wir brauchen 18,5 Prozent.“ Mit Unverständnis dieser Haltung des Nestlé Konzerns führt Knoblauch aus: „Das ist genauso wie wenn einer einen Rausch hat und sagt, jetzt will ich aber einen Superrausch. Das kann es nicht sein.“ Ihm gehe es auch darum, dass auch die ländliche Bevölkerung eine Zukunft hat, so Knoblauch, der Mitglied der Enquete-Kommission des Landtags ist.

„Wir müssen zusammenhalten“

Das sagt die SPD-Bundestagsabgeordnete und Beauftragte für Menschenrechtspolitik und Humanität, Dr. Bärbel Kofler. Dafür stehe keine so wie die Hauptrednerin Natascha Kohnen. „Wenn es ums Zusammenhalten geht, dann geht es nämlich um die echten Probleme der Menschen.“ Wenn die SPD auf den verschiedenen Ebenen die Möglichkeit hatte, habe sie dafür gesorgt, Geld in den Bereich Soziales zu stecken wie eben auch in den sozialen Wohnungsbau.

"Hinter uns stehen Familien und Angehörige"

Aufgrund der Anwesenheit von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Labor von Nestlé im Werk Weiding - sie stehen stellvertretend für 85 Arbeitsplätze, die auf dem Spiel stehen -  ändert die SPD Töging den Ablauf und lässt die Gäste sprechen. Das übernimmt die stellvertretende Betriebsratsvorsitzende Brigitte Tschager. 

"Man schmeißt bewusst Qualität weg"

Nestlé gebe an, das Verhalten der Verbraucher habe sich geändert. Der wahre Grund sei aber eine Gewinnmaximierung um jeden Preis. 18,5 Prozent Rendite hat der Konzern versprochen. "Dieses Ziel muss irgendwie umgesetzt werden, scheiß egal. Das geht auf Kosten der Mitarbeiter." 

Man schmeiße bewusst Qualität - in dem Fall in Form von bestens ausgebildeten Fachkräften - weg. "Das geht in unserem Fall auf Kosten von Lebensmittelsicherheit." Die Lebensmittelindustrie plane mittlerweile mit höheren Profiten als die Automobilindustrie. "Aus diesem Grund fordern wir Weidinger die Politik auf zum Handeln."

"Das wird nicht einfach"

"Wir werden tun, was wir können, um Euch zu unterstützen, dass Ihr Eure Arbeitsplätze behalten könnt", sagt Natascha Kohnen als Erstes in Richtung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vom Nestlé Labor, nachdem Sie ans Mikrofon gegangen war.

"Die jungen sind wichtig für die Politik von morgen", ruft Kohnen dem Zweitstimmenkandidat Kilian Maier zu. Wenn er in den Landtag komme, dann sei das ein unschätzbarer Wert an politischer Vertretung aus der Region im Bayerischen Landtag. "Deswegen will ich Dich (dort) neben mir sehen ab dem 14. Oktober 2018." Auch der Landtagsabgeordnete Günther Knoblauch komme "bittschön auch wieder mit rein."

"Die Gesellschaft driftet auseinander"

Wir sind stark, wir sind wohlhabend und das haben wir uns auch erarbeitet“, sagt Kohnen, „aber was uns ausmacht ist, dass wir zusammenhalten.“ Nur so sei man tatsächlich stark. Bei der Landtagswahl werde es darum gehen, „was wir aus unserem Land machen. Im Moment sei es so, dass etwas rutschen komme, dass die Gesellschaft auseinander drifte. Mehr und mehr sei es so, dass sich Menschen ihres Platzes in der Mitte der Gesellschaft nicht mehr sicher sein können.

rw/Mühldorf-TV

Mehr zu den Ausführungen von Natascha Kohnen auf der Kundgebung der SPD in Töging wie etwa zum sozialen Wohnungsbau lesen Sie am Freitag.

Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa

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