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Erste Bürgerversammlung seit 2019

„Saumäßig frech“: Töginger Bürger kritisieren vor allem zwei Entwicklungen

Rund 70 Bürger waren bei der ersten Töginger Bürgerversammlung seit 2019 dabei.
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Rund 70 Bürger waren bei der ersten Töginger Bürgerversammlung seit 2019 dabei.

Nur gut 70 Bürger waren zur Bürgerversammlung in die Kantine gekommen. Sie machten ihrem Unmut Luft.

Töging –Bürgermeister Dr. Tobias Windhorst erklärte dies den Anwesenden unter anderem mit dem Umstand, dass die Feuerwehr an diesem Abend ihre neue Drehleiter abholte.

Trotzdem hatte es die Veranstaltung in sich, denn sowohl Gegner der geplanten 82 Wohnungen auf einem 11 000 Quadratmeter großen Acker zwischen Öderfeld-, Haberfeld- und Kirschfeldstraße stellten erneut Anfragen, genau, wie einige Skater vehement die baldige Errichtung eines Skaterparks forderten.

Einfach zu eng

Doch das Stadtoberhaupt konnte den Beschluss im letzten Bauausschuss begründen: „Das ist dort einfach zu eng, wir haben da schon was auf der anderen Seite des Bahnhofs geplant“, sagt Windhorst.

Viel mehr Einwohner als vor 2020

Zu Beginn der Bürgerversammlung stand die Präsentation statistischer Daten der Stadtverwaltung, die wegen der ausgefallenen Bürgerversammlungen der vergangenen beiden Jahre einen größeren Zeitraum umfassten.

Demzufolge hat sich die Einwohnerzahlen mit 9458 seit dem Amtsantritt des Bürgermeisters deutlich erhöht. Sterbefälle und besonders die Kirchenaustritte seien zuletzt erhöht gewesen, während es in den vergangenen beiden Jahren beispielsweise deutlich weniger Eheschließungen gegeben hat. „Zum jetzigen Zeitpunkt gibt es schon fast so viele Hochzeiten, wie im gesamten letzten Jahr“, sagte Windhorst.

Mehr Töginger mit ausländischer Staatsbürgerschaft

Er wies auf den kontinuierlich steigenden Anteil von Mitbürgern mit ausländischer Staatsangehörigkeit hin und dankte allen Helfern und Unterstützern, die sich um die Aufnahme ukrainischer Flüchtlinge in der Erstaufnahme-Einrichtung des Landkreises in der Töginger Mehrzweckhalle engagiert haben: „Aktuell leben in Töging rund 100 Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine und die Mehrzweckhalle konnte inzwischen geschlossen werden, sodass die Vereine sie bald wieder nutzen können.“

Die Bürger wurden über das im Zuge von Infektionsschutzauflagen umgebaute Einwohnermeldeamt informiert, das nun auch besser datenschutzrechtlichen Belangen genügt. Der Bürgermeister lobte die voranschreitende Digitalisierung des Rathauses, auf dessen Homepage man inzwischen 55 Vorgänge, für die früher ein Amtsgang unausweichlich war, direkt online erledigen könne. „Wir sind da im Landkreis führend“, lobte Tögings Bürgermeister die Mitarbeiter der Verwaltung.

Gleichermaßen sei es in diesem Jahr möglich, sich zu den 51 zur Wahl stehenden Veranstaltungen des Ferienprogramms online anzumelden. Sogar das Fundbüro sei inzwischen online zu finden. Der Bürgermeister freute sich über die Beschaffung von insgesamt 30 Lehrer-Dienstgeräten im Zuge des „Digitalpakt Schule“ und wies auf 90 Prozent Kostenübernahme des Freistaats hin: „Die Ersatzbeschaffungen werden dann aber wohl nicht mehr gefördert“, fügte das Stadtoberhaupt einschränkend hinzu. Hingewiesen wurde ebenfalls darauf, dass sich die Grüngut-Sammelstelle seit dem 1. Juli nicht mehr am gewohnten Ort, sondern an der Traunsteiner Straße 61 befindet.

Rekordjahr beim Neubau

Ausführlich ging das Stadtoberhaupt auf die rege Bautätigkeit in der Stadtein. Er betonte, dass das Jahr 2021 mit über 70 Vorhaben ein Rekordjahr gewesen sei, sowohl im Bereich der Schaffung von Wohnraum, als auch beim Gewerbe.

Schuldenabbau ging weiter

Zwar sei der Schuldenabbau während seiner Amtszeit kontinuierlich vorangeschritten und gleichzeitig hätten sich die Rücklagen der Stadt erhöht, aber besonders der derzeit notwendige Bau von zwei Kindergärten würde diese Bilanz früher oder später relativieren. Weitere Herausforderungen seien der Tiefbrunnen, der Abriss und Ersatzbau des ehemaligen Polizeigebäudes beim Rathaus und die Sanierung des Mehrzweckbeckens im Freibad.

Das sagten die Bürger

Als einer der führenden Köpfe der Bürgerinitiative „Gegenwind“, die sich gegen ein Wohnbauprojekt an der Öderfeld-, Haberfeld- und Kirschfeldstraße wehrt, brachte Andreas Weinfurtner bei der Bürgerversammlung sein Unverständnis darüber zum Ausdruck, dass „bei allen anderen Bauvorhaben immer darauf geachtet wurde, dass sie sich ins Stadtbild einfügen“. Warum dies bei dem 82´Wohnungen umfassenden Bauprojekt nicht möglich sei, könne er sich nur dadurch erklären, wenn „dabei persönliche Interessen eine Rolle spielen“. Bürgermeister Windhorst und einige Stadträte wehrten sich direkt und lautstark gegen die Unterstellung und verwiesen auf das laufende Verfahren, in dem es Möglichkeiten für legale Einsprüche gibt.

Gesa Schmidt kritisierte , dass das Wohnbauprojekt an der Öderfeld-, Haberfeld- und Kirschfeldstraße das „Antlitz der Stadt“ verändert und dass solche Bautätigkeiten vielmehr an die „monströsen Bauten in Mühldorf-Nord“ erinnern. Bürgermeister Windhorst widersprach dieser Darstellung vehement, da die geplanten Wohnungsbauten „bis auf das Haus an der Öderfeldstraße“ nur dreigeschoßig geplant würden und daher nicht vergleichbar mit Mühldorf-Nord seien.

Gaby Wiesheu forderte den Bürgermeister auf, die fünf immer noch im städtischen Wohnblock an der Robert-Koch-Straße lebenden Parteien zu schützen: „Der soziale Wohnungsbau in Töging wird verkauft!“, beklagte die Tögingerin.

Dem widersprach Dr. Tobias Windhorst, der allerdings bestätigte, dass man schon eine Weile lang versuche, die Immobilie für eine Kernsanierung leer zu bekommen. Jedoch werde hierbei nicht aggressiv vorgegangen und angesichts der neuesten Entwicklungen im Zinsmarkt, der sich auch auf den Wohnungsbau auswirke, sei er durchaus bereit, seine „Tendenz zum Veräußern“ nochmals zu überdenken.

Kilian Eckert monierte den Beschluss in der jüngsten Sitzung des Bauausschusses, dass eine Fläche östlich des Bahnhofs nicht in einen Skaterpark umgebaut wird. „Die Kinder brauchen das jetzt und nicht nicht in 10 Jahren“, betonte auch Bernd Mandl in der Sache. Bürgermeister Tobias Windhorst erklärte, dass es dort „zu klein und abschüssig“ sei, aber dass man nun westlich des Bahnhofes ein Gelände dafür ins Auge gefasst habe, was im Bauausschuss schon für September auf der Agenda steht.

Bernhard Petershofer wies auf ungeschnittene Hecken an den neuen Bürgersteigen in der renovierten Hans-Stettheimer-Straße hin, was in Kombination mit rücksichtslosen Radfahrern auf den Gehsteigen zu gefährlichen Situationen führe, zumal die Betreffenden „saumäßig frech“ seien, wenn man sie darauf aufmerksam mache. Bürgermeister Tobias Windhorst betonte, dass Fahrradfahren auf Gehwegen generell verboten sei und appellierte an die Vernunft der Radfahrer.

Walter Adlichhammer mopnierte der Ludwig-der-Bayer-Straße, der Norma-Ausfahrt und dem Rottweg drei neuralgische Punkte an der Wolfgang-Leeb-Straße, an denen durch unbeschnittene Büsche oder parkende Fahrzeuge die Sicht auf gefährliche Weise eingeschränkt sei. Beim Rottweg erkannte er zudem die Notwendigkeit, diesen zu verbreitern. Bürgermeister Windhorst betonte, dass Sichthindernisse, darunter das am Rottweg, schon beseitigt seien. Er verwies auf die Unverkäuflichkeit des Baugrundes am Rottweg, weswegen eine Verbesserung hier „seit Jahrzehnten nicht möglich“ sei. Allerdings deutete er an, dass hierfür womöglich bald eine andere Lösung gebe.

Erwin Schmitzberger stellte einen Antrag, dass die Stadt einen „Fahrradplan“ herausgeben soll, aus dem hervorgeht, an welchen Stellen im Stadtgebiet die Gehwege breit genug seien, sodass auch das Fahrradfahren auf dem Bürgersteig erlaubt werden könne.

Darüber hinaus regte er an, dass Obstbaumbesitzer, wie andernorts auch, ihre Bäume mit gelben Bändern markieren sollten, damit Passanten sich an den Früchten bedienen können, die sonst verfaulen. Der Bürgermeister nahm die Idee eines Radwegeplans an.

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