Robert-Koch-Straße

Töging verkauft zwei alte Wohnblöcke

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+
Der Stadtrat hat mit großer Mehrheit den Verkauf zweier Wohnblöcke in der Robert-Koch-Straße beschlossen
  • schließen

Töging - Es war die erwartete Entscheidung: Der Stadtrat hat dem Verkauf zweier Wohnblöcke in der Robert-Koch-Straße mehrheitlich zugestimmt - nach intensiver Debatte.

Wie Bürgermeister Dr. Tobias Windhorst am Freitag mitteilte, hat sich der Stadtrat am Donnerstagabend im nichtöffentlichen Teil seiner Sitzung mit großer Mehrheit für den Verkauf zweier Wohnblöcke in der Robert-Koch-Straße ausgesprochen. Diese Entscheidung hatte sich in der Debatte im öffentlichen Teil der Stadtratssitzung bereits abgezeichnet.

Die beiden Wohnblöcke mit den Hausnummern 2, 4, 6 und 8 stammen aus den vierziger Jahren. Auf einer Ortsbesichtigung zu Beginn der Stadtratssitzung konnte sich das Gremium selbst ein Bild davon machen, welche Sanierungen nötig oder wenigstens erstrebenswert sind. Geheizt wird je nach Wohnung mit Öl- oder Holzofen, das warme Wasser kommt aus dem Boiler und die Bäder haben - genauso wie die Fassaden - auch schon bessere Tage gesehen. "In solchen Wohnungen sollte eigentlich keiner wohnen", sagte CSU-Fraktionssprecher Christoph Joachimbauer in der Stadtratsdebatte.

Alte Mieter müssen keine Erhöhung fürchten

Nach dem Votum des Stadtrats muss sich also der Käufer, ein Töginger Privatmann, um die Sanierung kümmern. Geplant sind eine Zentralheizung, Verschönerungen (wie ein neuer Anstrich) und eine Renovierung der Bäder. In den belegten Wohnungen müssen allerdings die Mieter allen Maßnahmen zustimmen. Außerdem garantiert eine "Sozialcharta", dass über 65 Jahre alten Mietern nicht gekündigt werden darf und die aktuellen Mieter auch nach der Sanierung keine höhere Miete zahlen müssen. Mit 2,3 bis 3,58 Euro pro Quadratmeter sind die 40 beziehungsweise 50 Quadratmeter großen Wohnungen im Moment sehr günstig. Neumieter müssen nach einer Sanierung mit höheren Mieten rechnen. Aktuell sind zwölf der 20 Wohnungen belegt.

"Nur um Rendite darf es nicht gehen"

Kritik am Verkauf kam im Stadtrat von der SPD sowie von der fraktionslosen Gitti Gruber. SPD-Fraktionssprecher Werner Noske und Dritter Bürgermeister Günter Zellner (SPD) werteten den Verkauf gleichermaßen als vertane Chance. Noske sympathisierte mit Studentenwohnungen in Töging und Zellner brachte ein Fernwärmenetz und altersgerechtes Wohnen ins Spiel. Für all das braucht die Stadt aber, so die Argumentation Zellners und Noskes, eigene Immobilien.

"Was kann ich zukünftig in der Stadt entwickeln?", fragte Zellner. Nach einem Verkauf der Wohnblöcke in der Robert-Koch-Straße habe die Stadt 95 Prozent verkauft. "Wir denke von da bis zum Geld und verkaufen." Ähnlich äußerte sich Gitti Gruber: "Nur um Rendite darf es meiner Meinung nach nicht gehen." Marco Harrer (SPD) spannte gleich den ganz großen Bogen. Harrer zählte die Wasserversorgung, das Volksfest, den Kindergarten und die Wohnungen auf und sagte: "Es wird geschaut, dass alles abgegeben wird."

Angebot "wirtschaftlich sehr gut"

Dem Bürgermeister ging die Argumentation Harrers zu weit. "Das kann ich nicht nachvollziehen", so Windhorst. Er wolle Geld dafür haben, damit er eine "gescheite" Turnhalle bauen könne, sagte der Bürgermeister. Das Kaufangebot des Töginger Investors nannte Windhorst "wirtschaftlich sehr gut". "Die Gelegenheit, dass jemand so einen Block kauft, kommt nicht jeden Tag." Zudem gehe es um die Frage, wer für die Sanierung und Vermietung der Wohnungen besser geeignet sei. Nach Einschätzung des Bürgermeister ist das nicht die Stadt. Die SPD sei eben geprägt von "Misstrauen gegenüber Privaten", so Windhorst.

"Wenn es die Stadt selber macht, haben wir viel höhere Kosten, als wenn es eine Immobilienfirma macht", sagte Karl Kaiser (CSU). FW-Fraktionssprecher Sepp Neuberger sagte, eine Sanierung durch eine Fachfirma koste eine fünfstellige Summe pro Wohnung. "Da brauche ich zehn oder 15 Jahre, bis ich die Sanierungskosten reinbekomme." Außerdem könne niemand garantieren, dass alle Wohnungen vermietet werden können, und die Verwaltung der Häuser binde Personal in der Stadtverwaltung.

Nokse wollte öffentliche Abstimmung

Diese Debatte war öffentlich, weil die Stadträte allgemein über den Verkauf diskutierten. Die Diskussion über das konkrete finanzielle Angebot musste nichtöffentlich behandelt werden. Auch die Abstimmung, in der sich das Gremium letztlich für einen Verkauf aussprach, fand nichtöffentlich statt. Birgit Noske (SPD) hatte zuvor vergeblich versucht, die Abstimmung schon im öffentlichen Teil stattfinden zu lassen. Vor der Debatte über den Kaufpreis wäre diese Abstimmung aber ohnehin nur ein Stimmungsbild gewesen.

Wie der Bürgermeister in seiner Mitteilung am Freitag erläuterte, stehen jetzt die abschließenden Gespräche mit dem Investor sowie die notarielle Beurkundung an. Beides solle in den nächsten Wochen zu einem erfolgreichen Abschluss gebracht werden.

Die Stadt hat nun noch 53 Wohnungen in ihrem Besitz, die meisten davon (24) in der Mainzer Straße. Auch in der Robert-Koch-Straße besitzt die Stadt noch einen Wohnblock mit zehn Wohnungen.

Zurück zur Übersicht: Töging am Inn

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser