Kaniber: Aus für Töginger Landwirtschaftsschule bleibt

Mühldorfer Kreistag verabschiedet Resolution für Standorterhalt

Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber bleibt dabei: Die Landwirtschaftsschule in Töging muss schließen. 
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Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber bleibt dabei: Die Landwirtschaftsschule in Töging muss schließen. 

Töging – Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber reagiert auf die Vorwürfe der Mandatsträger aus den Kreisen Altötting und Mühldorf. Die Entscheidung, die Landwirtschaftsschule in Töging spätestens 2022 zu schließen, bleibt bestehen. Auf einige vorgeworfene Punkte wird allerdings nicht reagiert.

Update, 17.45 Uhr: Mühldorfer Kreistag verabschiedet Resolution

In seiner Sitzung am Freitagnachmittag sprach sich der Mühldorfer Kreistag einstimmig für eine Resolution für den Standorterhalt aus. Der Kreistag fordert darin die Staatsregierung auf, die Entscheidung zu revidieren und den Standort Töging zu erhalten.


Eingebracht hatte den Antrag dazu die SPD-Kreistagsfraktion. "Es wurden noch lange nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft, um den Standort zu erhalten", betonte SPD-Kreisrat Günther Knoblauch. Der Antrag stieß auf fraktionsübergreifende Zustimmung. 

Die Erstmeldung, 10.40 Uhr:

Abgeordnete und Landräte aus dem Landkreis Altötting und Mühldorf haben in einem offenen Brief schwere Vorwürfe gegen Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber erhoben. Es hätte andere Absprachen bezüglich der Schließung der Landwirtschaftsschule in Töging gegeben. Zudem seien Zitate in den falschen Zusammenhang gesetzt worden. "Wir erwarten, dass du dich an deine Zusagen hältst“, so die Forderung der regionalen Politiker.


Fakten entscheidend - Schülerzahlen zu gering

"Ich bin sehr enttäuscht über eure Vorgehensweise", so Kaniber. Es sei verständlich, dass solche notwendigen Entscheidungen vor Ort Verärgerung erzeugen können. Politik müsse, wenn sie aufrichtig sein will, aber vor allem auch die Fakten und Realitäten zur Kenntnis nehmen und entsprechend entscheiden. Dies habe sie den Mandatsträgern am Montag, den 20. Juli, dargelegt.

Im Wintersemester 2018/19 hätte Töging nur 15 Studierende gemeldet und lag damit knapp unter der Mindestanzahl von 16. Lediglich eine Sondergenehmigung erlaubte den Semesterbeginn. 2019 lag die Zahl mit 17 nur knapp darüber. Im Herbst 2020 habe die Schule bekannt gegeben, dass aufgrund des geringen Potentials 2020 kein 1. Semester möglich sein wird. "Diese Entwicklung der letzten drei Jahre ist der beste Beweis, dass Töging dauerhaft nicht jedes Jahr öffnen und damit dauerhaft nicht eigenständig gesichert werden kann“, begründet Kaniber ihre Entscheidung nochmals.

Auch die Zahlen im Berufsgrundschuljahr (BGJ) am Berufsschulstandort Mühldorf würden zeigen, dass für die nächsten Jahre nicht genügend Potential für die jährliche dauerhafte Eröffnung einer Landwirtschaftsschule vorhanden sein würde. Da erfahrungsgemäß nur etwa 70 Prozent der Berufsschüler später auch die Landwirtschaftsschule besuchen, bliebe bei 15 bis 18 BGJ-Schülern noch ein Potenzial von ca. zehn bis 13 Studierenden für die Landwirtschaftsschule.

Erding neuer Zukunftsstandort

"Ein weiterer Grund für alle Standortentscheidungen ist auch die regionale Verteilung und eine möglichst gute Abdeckung in ganz Bayern. Die Entscheidung für Erding als Zukunftsstandort deckt den zentralen Bereich von Oberbayern wesentlich besser ab“, so Kaniber. Die relative Nähe von Töging zum Standort Pfarrkirchen sei zudem ein weiteres Entscheidungskriterium. Und ohne Pfarrkirchen würde eine große Lücke im restlichen zentralen Niederbayern entstehen.

"Mit meinem Vorschlag, dass Töging 2020 nochmals mit 16 Studierenden letztmalig öffnen kann und damit für die drei Jahre, nämlich 2020 (Beginn 1. Semester), 2021 (2. Semester und Beginn 3. Semester) und 2022 (Ende 3.Semester) einen Schuldurchgang vorweisen kann, habe ich versucht, euch trotz der bereits vor Ort festgelegten Nichteröffnung im Jahr 2020 bestmöglich entgegenzukommen“, so die Landwirtschaftsministerin. Damit behandle sie alle Standorte, die nicht dauerhaft als Zukunftsstandort gesichert sind, aber 2020 nochmals die Mindestzahl an Studierenden erreichen, nach dem gleichem Maßstab.

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Kaniber: "Ich bitte, die Entscheidung zu akzeptieren“

"Ich kann verstehen, dass jeder Mandatsträger für seine Region kämpft. Aber als Staatsministerin muss ich orientiert an Fakten und Realitäten Entscheidungen treffen, die für ganz Bayern ausgewogen und fair und in die Zukunft gerichtet sind“, so Kaniber. Die Politik müsse rechtzeitig und vorausschauend reagieren, um erfolgreich zu sein und den Herausforderungen sowie der Verantwortung für unsere bayerische Landwirtschaft gerecht zu werden. "Ich bitte, die Entscheidung zu akzeptieren“, so Kaniber abschließend.

Der Kampf um die Landwirtschaftsschule in Töging ist damit endgültig verloren. Wann die Schule schließen wird, hängt also davon ab, ob sich 16 Studierende für das kommende Semester anmelden. Laut Schulleiter Josef Kobler sei es sehr schwierig diese Zahl so kurzfristig zu erreichen, da planmäßig kein Semester im Herbst 2020 geplant war. Somit könnte bereits im kommenden Jahr Schluss sein, spätestens aber dann 2022.

jz

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