Für Ehrenamtliche und Asylbewerber

Asyl: Neue Anlaufstelle im Töginger Rathaus

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Julia Wernet, Koordinatorin der Ehrenamtlichen, und Asylsozialberater Peter Bretz betreuen ab sofort die Anlaufstelle Asyl des BRK im Töginger Rathaus
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Töging - In Töging sind mittlerweile über 80 Asylbewerber untergebracht. Mit ihren Fragen können sie künftig ins Rathaus kommen. Auch Ehrenamtliche werden dort beraten.

Die Zahl der Asylbewerber, die in Töging untergebracht sind, hat sich binnen eines Jahres beinahe verdreifacht. Im Juni 2014 lebten noch 32 Asylbewerber in der Stadt, aktuell sind es 84. "Im Laufe des Jahres wird die Zahl der Asylbewerber sicher dreistellig werden", sagt Bürgermeister Dr. Tobias Windhorst.

Parallel mit der Zahl der Asylbewerber ist die Asylsozialberatung im Landkreis gewachsen. Beim Träger, dem Altöttinger BRK, gibt es dafür mittlerweile vier Vollzeitstellen, verteilt auf fünf Personen. Zwei von ihnen werden ab sofort eine neue Anlaufstelle im Töginger Rathaus betreuen. Julia Wernet, die Ehrenamtskoordinatorin des BRK, ist montags von 8.30 bis 12 Uhr im Rathaus, ihr Kollege Peter Bretz, ein Asylsozialberater, hat immer mittwochs, ebenfalls von 8.30 bis 12 Uhr, Sprechstunde. Das Angebot der Anlaufstelle richtet sich damit sowohl an die Asylbewerber (mittwochs) als auch an die Ehrenamtlichen (montags).

Höcketstaller: "Der ideale Standort"

Die Stadt Töging stellt dem BRK die Räumlichkeiten kostenlos zur Verfügung. Für Bürgermeister Windhorst ist das Rathaus der ideale Ort für die Anlaufstelle. Man habe die Anlaufstelle "bewusst und gewollt" ins Rathaus gezogen, so Windhorst. "Das Thema ist mittlerweile in der Mitte der Gesellschaft angekommen." Auch BRK-Einrichtungsleiter Bastian Höcketstaller lobt den Standort: " Ich halte es für einen idealen Ort - von der Nähe zum Einwohnermeldeamt, zum Sozialamt, zur Sparkasse. Der Wohlfahrtsladen ist sehr nahe da, die Schule, einer der Kindergärten." Damit finden die Asylbewerber viele wichtige Anlaufstellen ganz in der Nähe der Beratungsstelle des BRK.

Bastian Höcketstaller (zum Vergrößern Bild anklicken)

Auch in Burghausen hat das BRK bereits eine solche Anlaufstelle. Im Haus der Familie ist immer montags von 10 bis 12 Uhr Sprechstunde. Eine weitere Anlaufstelle gibt es ab kommender Woche in Burgkirchen, außerdem ist eine Mitarbeiterin des BRK 22 Wochenstunden in der Unterkunft in der Dreifachturnhalle in Neuötting vor Ort. Die Personalkosten für die vier Vollzeitstellen trägt zu einem großen Teil der Freistaat, für den Sachaufwand erhält das BRK einen Zuschuss vom Landkreis. Die Stelle der Ehrenamtskoordinatorin wird zudem von der Aktion Mensch gefördert. Bürgermeister Winhorst lobt, dass die Asylsozialberatung im Landkreis Altötting so gut funktioniere wie in wenigen anderen Landkreisen.

Asylbewerber helfen beim Übersetzen

Wie Asylsozialberater Peter Bretz erklärt, geht es in der Beratung oft um das Thema Abschiebung, gerade Menschen aus Serbien, dem Kosovo oder Albanien seien davon betroffen. Außerdem suchen viele Asylbewerber Beratung bei der Arbeitssuche oder müssen in Deutschkurse weitervermittelt werden.

Sprachlich ist die Beratung eine Herausforderung, gerade bei Asylbewerbern mit einer wenig verbreiteten Muttersprache. Die Asylsozialberater haben es mitunter mit Tigrinya zu tun, einer semitischen Sprache, die in Äthiopien und Eritrea zuhause ist und nur von rund neun Millionen Menschen gesprochen wird. Unüberwindbare Sprachbarrieren gibt es aber nicht. "Einige können schon ein paar Brocken Deutsch", erklärt Bretz. "Mit Englisch kommt man am weitesten und wir haben Dolmetscher zur Hand." Außerdem helfen bei der Verständigung auch schon mal Asylbewerber, die schon länger in Deutschland sind und deshalb besser Deutsch sprechen.

Pfarrer: Ehrenamtliche nicht überfordern

Neben den hauptamtlichen Beratern leisten gerade die ehrenamtlichen Helfer einen großen Beitrag zur Betreuung und Integration des Asylbewerber. "Jedes Büro bringt uns nichts, wenn wir die Ehrenamtlichen nicht hätten. Dort werden die Asylbewerber in die Gesellschaft integriert", sagt Höcketstaller. "Da kann sich jede andere Kommune eine Scheibe abschneiden", lobt auch Peter Bretz den ehrenamtlichen Einsatz in Töging. Beispielsweise engagiert sich die evangelische Kirchengemeinde mit dem "Café International", einem regelmäßigen Treff für Einheimische und Asylbewerber.

Bürgermeister Dr. Tobias Windhorst mit Pfarrer Johann-Albrecht Klüter

Pfarrer Johann-Albrecht Klüter warnt allerdings davor, die Ehrenamtlichen zu überfordern. Traumatisierte Asylbewerber etwa müssten eigentlich in professionelle Hände gegeben werden. "Da stoßen die Ehrenamtlichen an ihre Grenzen." Auch beim Thema Arbeit würde sich der Pfarrer mehr Unterstützung von staatlicher Seite wünschen. "Die jungen Asylbewerber sind willig zu arbeiten, auch körperlich zu arbeiten, schwer zu arbeiten." Mögliche Arbeitgeber müssten aber sehr viel Bürokratie bewältigen, um einen Asylbewerber einstellen zu können. Oft laufe man von Pontius zu Pilatus, so der Pfarrer.

Insgesamt zeichnet Klüter aber ein positives Bild. So freut sich der Pfarrer über neue Kirchenbesucher. "Wir haben christliche Asylbewerber aus Nigeria und dem Kongo, die besuchen unseren Gottesdienst, die gehören einfach dazu." Sehr gut besucht sind auch die Deutschkurse - was die Helfer vor ein neues Problem stellt: Der Unterrichtsraum ist inzwischen zu klein.

Asylbewerber in Töging: Ehrenamt, Hauptamt, Stadt

Neue Anlaufstelle Asyl in Töging

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