"Wir sind schockiert und sehr verärgert"

Nach überraschendem Aus: Kampf um Tögings Landwirtschaftsschule

Wollen um die Landwirtschaftsschule in Töging kämpfen: v.l. Bürgermeister Dr. Tobias Windhorst, Altöttings BBV-Kreisobmann Anton Föggl, Amtschef Josef Kobler, BBV-Geschäftsführer Veit Hartsperger und Mühldorfs BBV-Kreisobmann Ulrich Niederschweiberer.
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Wollen um die Landwirtschaftsschule in Töging kämpfen: v.l. Bürgermeister Dr. Tobias Windhorst, Altöttings BBV-Kreisobmann Anton Föggl, Amtschef Josef Kobler, BBV-Geschäftsführer Veit Hartsperger und Mühldorfs BBV-Kreisobmann Ulrich Niederschweiberer.

Töging – Die Entscheidung des Bayerischen Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (StMELF) die Landwirtschaftsschule am Standort Töging zu schließen, kam für alle Betroffenen unerwartet. Kampflos aufgeben wollen die regionalen Vertreter die Landwirtschaftsschule aber noch nicht.

„Das hat niemand erwartet, wir sind schockiert und auch sehr verärgert, vor allem auch darüber, dass der Bauernverband im Vorfeld nicht eingebunden wurde“, so Mühldorfs Kreisobmann Ulrich Niederschweiberer in einer Pressemitteilung des Bayerischen Bauernverbandes (BBV) über die Bekanntgabe, die Landwirtschaftsschule in Töging zu schließen.


Am Dienstag, den 7. Juli, verkündete das Bayerische Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (StMELF) eine Umstrukturierung der Bayerischen Landwirtschaftsverwaltung. Damit verbunden sind u.a. sieben Standortschließungen von Landwirtschaftsschulen, darunter eben auch Töging. Hintergrund hierfür sei eine Anpassung an die Schülerzahlen.

Hartsperger: "Niemand ging davon aus, dass dieser Standort in Frage gestellt wird"

Diese Begründung ist für viele jedoch nicht nachvollziehbar. „Natürlich seien die Ausbildungszahlen nicht nur in Töging, sondern in ganz Bayern rückläufig. Aber die Situation bei uns war in den letzten Jahren sehr gut“, zeigt sich Amtschef des Landwirtschaftsamtes Töging Josef Kobler gegenüber innsalzach24.de verwundert.


„Das Grüne Zentrum wurde vor über einem Jahrzehnt als bayerisches Pilotmodell gestartet und es ging niemand davon aus, dass die Ausbildung an diesem Standort in Frage gestellt wird“, so Veit Hartsperger, BBV Geschäftsführer, in der Mitteilung. Es sei zu befürchten, dass sich die räumliche Entfernung zu den nächstliegenden Schulen nach Traunstein, Erding oder Pfarrkirchen als Hürde darstellen könnte.

Vorgehensweise des Ministeriums wird kritisiert

Unmittelbar nach der Verlautbarung der Schulstandortschließung in Töging vereinbarten die Vertreter des Bayerischen Bauernverbandes aus den Landkreisen Altötting und Mühldorf zusammen mit dem Standortbürgermeister der Stadt Töging Dr. Tobias Windhorst einen Termin mit Josef Kobler, um sich über die Entscheidungsgründe zu informieren. Viele zeigten sich schockiert, vor allem auch über die intransparente Vorgehensweise durch das Landwirtschaftsministerium und deren Begründung.

„Wir haben uns die Schülerzahlen der letzten zehn Jahre angeschaut. Wir kommen dabei auf einen Schnitt von 20,9. Da fahren wir gar nicht so schlecht“, berichtet Kobler. Auch für das kommende Schuljahr zeichnet sich bereits jetzt ab, dass im Herbst 2021 ein voller Unterrichtsjahrgang stattfinden könnte. Daher sieht auch der BBV keine Notwendigkeit zur Standortschließung.

Kontakt zu Landwirtschaftsministerin Kaniber

Niemand war in die Entscheidung eingeweiht gewesen. Tögings Bürgermeister Windhorst sicherte in der Runde zu, sich per Schreiben an die Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber zu wenden. Auch seitens des Bauernverbandes wird ein Gesprächstermin mit der bayerischen Landwirtschaftsministerin gesucht.

Ob an der Entscheidung gerüttelt werden kann, bleibt abzuwarten. „Man ist sich natürlich bewusst, dass es nicht leicht wird, aber man möchte sich dafür einsetzen, die Entscheidung des Bayerischen Staatsministerium zu verändern. Es lässt sich allerdings nicht abschätzen, was wirklich möglich ist“, so Kobler abschließend.

jz

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