Tögings berühmtester Sohn

Musiklegende Ambros Seelos ist gestorben

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Ambros Seelos bei einem Interview zu seinem 75. Geburtstag im Jahr 2010
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Töging - Er war wohl der berühmteste Sohn der Stadt, viele Jahrzehnte begeisterte seine Musik die Menschen. Am Montag ist Ambros Seelos im Alter von 80 Jahren gestorben.

Der gebürtige Töginger Ambros Seelos ist tot. Die Musiklegende verstarb nach Informationen der OVB-Heimatzeitung am Montag, den 3. August, im Alter von 80 Jahren. Seelos hinterlässt eine Frau und drei erwachsene Söhne. Der Bandleader, der zuletzt in Mettenheim lebte, zählte zu den Pionieren des Swing, wurde in einem Atemzug mit anderen großen Bandleadern wie Max Greger und Hugo Strasser genannt. Der Vollblutmusiker ist seiner Kunst Zeit seines Lebens verbunden geblieben, auch wenn er sein geliebtes Saxophon vor ein paar Jahren für immer beiseitelegen musste.

Musik finanziert das Studium

Seelos kam am 30. Januar 1935 in Töging zur Welt. Als junger Mann engagierte er sich beim Orchesterverein der Stadt, als Kirchenmusiker und bei der Blaskapelle des Innwerkes. Zur Innwerkskapelle holte ihn Kapellmeister Josef Niederhammer. "Der führte ein strenges Regiment. Mehr als einmal hat er mich vor versammelter Mannschaft zur Schnecke gemacht", erinnerte sich Seelos in einem Interview mit dem Mühldorfer Anzeiger.

Eine Spengler-Lehre erwies sich als Sackgasse, nach seiner Ausbildung studierte Seelos deshalb Klassische Klarinette an der Hochschule für klassische Musik in München. Das Studium finanzierte sich Seelos - wie sollte es anders sein - mit Musik. Gemeinsam mit Paul Würges, dem "deutschen Bill Haley", spielte Seelos in einer Rock'n'Roll-Band.

Mit dem Ambros Seelos Orchester auf hoher See

Ambros Seelos in seinem Element (zum Vergrößern Bild anklicken)

Berühmt war der Bandleader und Arrangeur vor allem für sein Ambros Seelos Orchester, das 1960 aus seinem Septett Jokers hervorgegangen war. Zum Repertoire des Ambros Seelos Orchesters zählen Tanzmusik und Big-Band-Sound, aber auch Evergreens und aktuelle Hits der Popmusik sowie ruhige Dinnermusik. Bis heute sind mehr als 30 CDs mit Musik des Orchesters erschienen. Seelos führte seine Musiker über den gesamten Globus. In Europa spielte das Orchester, das mit der Zeit zu einem Dezett mit Sängerin wuchs, mit Größen wie Freddy Quinn, Chubby Checker und Lou van Burg. Seine Liebe zum Jazz zeigte Seelos bei Auftritten mit Count Basie, Ella Fitzgerald oder Louis "Satchmo" Armstrong.

In den Siebziger und Achtziger Jahren tourte Seelos durch Asien und die Arabische Welt, Ende der Achtziger Jahre war der Musiker ein regelmäßiger Gast auf Kreuzfahrtschiffen, wo er und sein Orchester unter anderem mit Karel Gott und Roberto Blanco spielten. Vor allem die Kreuzfahrten bereiteten Seelos Freude. Zu seinem 75. Geburtstag verriet er: "Wir waren schon in Schweden, Asien, Rumänien, Griechenland. Aber besonders schön waren immer die Schiffsreisen."

Schwerer Sturz beendet die Karriere

Seelos, der in seiner mehr als 60 Jahre andauernden Musikkarriere über 2500 Musiktitel aufnahm, lebte "ein Leben lang auf der Überholspur", wie seine Frau Margit einmal sagte. Oder um mit den Worten der Musiklegende zu sprechen: "Man darf niemals stehenbleiben, muss immer mit der Zeit gehen." Vor ein paar Jahren musste Seelos aber notgedrungen seine geliebten Instrumente an den Nagel hängen. Bei Dreharbeiten für die ZDF-Serie "Traumschiff" im Nordmeer im August 2011 stürzte Seelos über einen Kabelstrang. Der Musiker zog sich dabei komplizierte Brüche im rechten Ellbogen zu, von denen er bleibende Schäden davontrug.

"Ich konnte das Saxophon nicht einmal in der Hand halten. Ans Spielen war überhaupt nicht zu denken", erzählte der Musiker später, als die Entscheidung gefallen war, dass er nie mehr spielen würde. Alle Saxophone und Klarinetten hat ihm schließlich ein Bandkollege abgekauft. Seelos, der Vollblutmusiker, wollte nicht, dass sie nie mehr erklingen.

"Ein Orchester braucht einen ureigenen Sound"

"Ein Leben ohne Musik, das konnte ich mir nie vorstellen", sagte Seelos damals. Auch wenn er selbst nicht mehr spielen konnte - ganz ohne Musik ist er freilich nicht geblieben. Im Januar 2014 etwa spielte das Ambros Seelos Orchester auf dem Neujahrsempfang der Stadt Töging eine zweistündige Matinee - eine große Verbeugung vor dem Gründer des Orchesters, der das Konzert gerührt verfolgte.

Ambros Seelos (2. v. l.) mit Ehefrau Margit (links) auf der Seelos-Matinee im Januar 2014 in Töging (zum Vergrößern Bild anklicken)

Zu seiner aktiven Zeit stand Seelos selbst beinahe täglich auf der Bühne. Sein Orchester absolvierte bis zu 250 Auftritte pro Jahr. Eine Konstante gab es dabei stets: Das Publikum wünschte sich von Seelos die Jazz-Klassiker Flamingo und Night Train. Beide Songs wurden von vielen großen Jazz-Künstlern gespielt, nichts Neues eigentlich. Doch Ambros Seelos wusste: Wichtig ist, wie man ein Lied spielt - und nicht, wer es schon alles gespielt hat: "Ein Orchester braucht einen ureigenen Sound, eine spezielle Art, gute Nummern zu servieren. Denn Musik muss verkauft werden. Immer wieder und immer wieder neu."

Archiv: Die Seelos-Matinee in Töging

Bilder von der Seelos-Matinee

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