Tiefenwasser-Gutachten für die Versorgung von Töging:

Kommt bald der Durchbruch beim Trinkwasser?

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Bevor endgültig über die Verwendung von Tiefenwasser zur Versorgung der Stadt entschieden werden kann, müssen Probebohrungen im Stadtgebiet erfolgen
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Töging am Inn - Lang wurde über die Trinkwassergewinnung der Stadt diskutiert. Ein Gutachten könnte jetzt endlich die erhoffte Lösung bringen. Der Bürgermeister zeigt sich zuversichtlich:

Für die Versorgung der Stadt mit Trinkwasser sieht Bürgermeister Dr. Tobias Windhorst nur zwei Lösungen: Entweder bedient sich die Kommune bei einem Nachbarn, ein sogenannter "Fremdanschluss", oder sie sorgt selbst für die Erschließung Wasser-führender Schichten. Letzteres bedarf jedoch eines separaten Gutachtens, müssen doch tiefere Schichten angezapft werden, die eigentlich, laut eines Beschlusses des Landtags aus dem Jahr 1994, für künftige Generationen reserviert bleiben sollen. Dieses Gutachten stellte der zuständige Geologe, Ulrich Hafen, in der vergangenen Sitzung des Stadtrats in Töging vor.

Rechtliche Voraussetzungen und das Umgebungsprofil

Zuerst untersuchte der Gutachter das Umgebungsprofil der Inn-Stadt. Aus den Karten der 80er Jahre gehe eindeutig hervor, dass ab einer Tiefe von rund 80 bis 90 Metern Grundwasser-führende Schichten vorhanden seien. Darüber müssten dichtere Schichten, in etwa wie Ton, vorhanden sein, so Ulrich Hafen. In der näheren Umgebung nutze zum Beispiel bereits die Stadt Altötting diese Schichten, die sich bis zu einer Tiefe von rund 200 Metern erstrecke. Aktuell stoßen die Brunnen der Stadt Töging lediglich bis in eine Tiefe von 10 bis 15 Metern vor.

Dass das Wasser in diesen Schichten unter enormem Druck steht, beweisen die vielen artesischen Brunnen in der Umgebung, so der Gutachter weiter. Ohne Pumpen trete in der Region das Wasser an vielen Stellen bereits von selbst aus dem Erdreich. Ein eindeutiger Beweis also für das Vorhandensein von Trinkwasser in und um Töging. Der Inn selbst wird dabei jedoch von einem dicken Ton-Deckel von den darunter liegenden Schichten abgetrennt. Eine Vermischung der Flüssigkeiten sei so auf jeden Fall auszuschließen.

Fördermengen von bis zu 80 Liter pro Sekunde möglich

"Alles in allem bestehen also relativ gute Aussichten, Grundwasser zu finden", so der Gutachter zusammenfassend. Den Bedarf der Stadt Töging schätzt Ulrich Hafen auf rund 20 Liter pro Sekunde, eine Menge die angesichts einer theoretischen Kapazität von bis zu 80 Liter pro Sekunde jederzeit ohne Probleme oder Auswirkungen auf andere Brunnen in der Umgebung entnommen werden könnte. Bevor die Förderung beginnen könne, müssten jedoch noch einige Umstände abgeklärt werden, allen voran die rechtliche Zulässigkeit des Vorhabens.

Für die Bewilligung des Tiefenbrunnens zeichnet sich schließlich das Landratsamt und das sogenannte Bergamt verantwortlich. Laut eines Landtagsbeschlusses aus dem Jahr 1994 sollen Tiefenwasser-Vorkommen für künftige Generationen reserviert werden. Ausnahmen seien nur mit ausführlicher Begründung möglich. Nur wenn für eine Kommune keine Alternative erkennbar sei, komme dieser Weg der Trinkwasser-Förderung in Betracht, so Gutachter Hafen weiter.

Eine Bewertung des Experten nach unterschiedlichen Kriterien wie zum Beispiel den entstehenden Kosten, der nötigen Aufbereitung des Wassers oder auch die nötige Größe des auszuweisenden Schutzgebiets zeige zeige jedoch, dass alle anderen Erschließungswege unverhältnismäßig komplizierter oder teurer vonstatten gehen würden.

Versuchsbohrungen für rund 100.00 Euro, Hauptbohrungen dann 330.000 Euro

"Es ist also durchaus einen Versuch wert, einen Antrag auf eine Versuchsbohrung zu stellen. Zumal sowas bei uns noch nie versucht worden ist. Es ist auf jeden Fall ausreichend Wasser da", fasste der Bürgermeister der Stadt Töging, Dr. Tobias Windhorst das Gutachten für seine Stadträtinnen und Stadträte zusammen. Rückendeckung erhielt er dabei quer über alle Fraktions-Grenzen hinaus. 

Das Gremium zeigte sich durchwegs von den vorgestellten Ergebnissen begeistert und zuversichtlich. "Wenn wir es benutzen können, dann sollten wir das Wasser auch nutzen", erklärte beispielsweise CSU-Fraktionschef Christoph Joachimbauer. Auch Marco Harrer von der SPD forderte: "Wir sollten für unsere Bürgerinnen und Bürger versuchen, dass wir das schaffen", und wies gleichzeitig auf die besondere Qualität des Tiefenwassers hin. Besonders die langfristige Nutzung der Vorkommen liegt dabei Bürgermeister Dr. Windhorst besonders am Herzen: "Wir brauchen eine Lösung, bei der wir in 40 Jahren noch sagen können, das passt."

Die ersten 100.000 Euro für die Probebohrungen stellte der Stadtrat bereits in der Stadtratssitzung im März im Haushalt zur Verfügung. Sollten die Bohrungen von Erfolg gekrönt sein, und auch die Ämter einer Erschließung zustimmen, kämen auf die Kommune nochmal Kosten in Höhe von rund 330.000 Euro für die Hautbohrung zu. Die Kosten für die Anlage zur Förderung können hingegen noch nicht exakt abgeschätzt werden.

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