Auf der Herbstversammlung in Töging

Kreishandwerkerschaft: Warum der "Goldene Boden" in Gefahr ist

„Handwerk hat goldenen Boden“, heißt es. Auf der Herbstversammlung der Kreishandwerkerschaft Altötting-Mühldorf in Töging wurde klar, dass er in Gefahr ist.
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Die Kreisvorsitzende Helga Wimmer (links) und Geschäftsstellenleiter Markus Saller (2.vr) ehrten die Teilnehmer des Leistungswettbewerbs des Deutschen Handwerks 2018: (vlnr) Stephan Stummer belegte den dritten Platz im Bezirk der Metallbauer, der Zimmerer Michael Speckmeier wurde zweiter Landessieger, Jasmin Aicher ist die zweitbeste deutsche Bäckereifachverkäuferin, Thomas Wimmer neuntbester Schreiner im Bezirk und Anton Spierer mauert am zweitbesten in ganz Bayern

Töging - „Handwerk hat goldenen Boden“, heißt es. Hört man den Handwerkern heutzutage zu, bekommt man den Eindruck: „Es gibt viel zu tun“, damit das Sprichwort so stehen bleiben kann. Daneben gab es auf der Herbstversammlung der Kreishandwerkerschaft Altötting-Mühldorf aber auch viel Positives zu berichten.

Einmal im Jahr ruft das Deutsche Handwerk zum Leistungswettbewerb auf. Auf der Herbstversammlung der Kreishandwerkerschaft Altötting-Mühldorf war es an der Zeit, die erfolgreichen diesjährigen Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus der Region zu beglückwünschen. 


„Handwerk hat goldenen Boden“

Jasmin Aicher arbeitet bei der Bäckerei Schönstetter aus Unterneukirchen. Sie ist Deutschlands zweitbeste Bäckereifachverkäuferin. Als eine von sieben Kreissiegern aus den insgesamt elf Innungen in den beiden Landkreisen hat sie es bis zum Bundeswettbewerb in ihrem Handwerk geschafft. Einen ganzen Tag lang hatte sie sich ian der Akademie des Bäckerhandwerks beweisen müssen und war dabei sehr erfolgreich.

Ein kompliziertes Gewerk

Von den insgesamt sieben Kreissiegern beim jährlichen Leistungswettbewerb des Deutschen Handwerks konnten sich vier auch bei den Bezirksausscheidungen durchsetzen. Für den Maurer Anton Spierer und und den Zimmerer Michael Speckmeier belegten dann jeweils den zweiten Platz beim Landeswettberwerb.


Ich bin froh, dass wir mit Anton in diesem Jahr jemanden auf den Talentlehrgang schicken konnten – und es hat sich rentiert!“, erklärte der Obermeister Peter Heiß von der Bauinnung. Ähnlich, wie bei der Gesellenprüfung, müssen die Teilnehmer des Bundeswettbewerbs in diesem Beruf bei den Ausscheidungen in einer vorgegebenen Zeit und mit beschränkten Mitteln ein kompliziertes Gewerk errichten.

Der Koalitionsvertrag der neuen Regierung verspricht Gutes …

Bei der Herbstversammlung der Kreishandwerkerschaft Altötting-Mühldorf war auch der Geschäftsführer der Handwerkskammer für München und Oberbayern Dietmar Eisenschmid zu Gast. Er gab den anwesenden Vertretern der Innungen nicht nur einen Ausblick auf die Landespolitik der kommenden Jahre, sondern leitete anschließend die Vorstandswahlen. Die Handwerkskammer könne positiv in die Zukunft blicken. „Im Koalitionsvertrag steht nun die Erhöhung des Meisterbonus auf 2000 Euro festgeschrieben, die Berufsorientierung und unser Zugang zu den Schulen soll verbessert werden und das Landesentwicklungsprogramm wird überarbeitet“, erklärte Eisenschmid.

Dieselfahrverbote verdunkeln den goldenen Boden

Beispielsweise könnten die drohenden Dieselfahrverbote in Großstädten besonders für Lieferfahrzeuge ein Hindernis werden, weshalb Eisenschmid hier Ausnahmen für Handwerker fordert. Höchst bedauerlich ist laut Eisenschmid auch, dass der bisherige Wirtschaftsminister Franz Josef Pschierer, der selbst von den Handwerkskammern kam, künftig nicht mehr der Regierung angehört: „Ich bin aber zuversichtlich, dass auch Aiwanger ein guter Wirtschaftsminister sein wird!

Fachkräftemangel und „Brücken-Teilzeit-Gesetz“: Nicht gut

Weitere kritisierte Eisenschmid an der Politik die angekündigte Verschärfung der Unternehmensprüfungen bei der Vergabe öffentlicher Aufträge und den anhaltenden Fachkräftemangel: „Einer eigenen Umfrage zufolge bereitet dies 28% der Befragten massive Probleme und weitere 33% gaben an, dass sie schon einstellen würden, wenn es geeignete Kandidaten gäbe“, bemängelte Eisenschmid.

Schwierig gestalte sich auch die Anerkennung ausländischer Zertifikate. Kritik übte Eisenschmid auch am „Brücken-Teilzeit-Gesetz“, demnach Arbeitnehmer ab 2019 vorübergehend in Teilzeit gehen dürfen, danach aber wieder den Anspruch auf Vollanstellung haben sollen. „Dann müssen die anderen Mitarbeiter Überstunden leisten oder man kann weniger Aufträge annehmen“.

Alte und Neue Kreishandwerksmeisterin

Die von Dietmar Eisenschmid geleitete Vorstandswahl lief ohne Gegenstimme ab: die Vorsitzende Helga Wimmer und ihr Stellvertreter Oskar Hofstetter wurden wiedergewählt; Anton Hudlberger ist bei drei Enthaltungen künftig der neue zweite Stellvertreter und ersetzt Robert Krüger, der nicht mehr zur Wahl stand. Die beiden künftigen Revisoren Hans Wolfmeier (in Abwesenheit) und Franz Niedermaier wurden von den 20 Wahlberechtigten ebenfalls einstimmig in ihre Ämter gewählt.

Beaufsichtigt von Bezirksgeschäftsführer Dietmar Eisenschmid (links) wählten 20 Stimmberechtigte der Kreishandwerkerschaft ihren neuen Vorstand ohne Gegenstimme: die Wiedergewählten, Helga Wimmer und Oskar Hofstetter, werden künftig von Anton Hudlberger(rechts) untersützt.

Lesen Sie am Dienstag ein Portrait über Deutschlands zweitbeste Bäckereifachverkäuferin

pbj/rw

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