Gutachten Monate im Verzug

Trinkwasser: Gute Messwerte überraschen Stadtrat

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Das Wasser in den Töginger Flachbrunnen war zuletzt überraschend gering mit Nitrat belastet
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Töging - Das Wasser der Töginger Brunnen ist so rein wie schon lange nicht mehr. Und auch die emotionale Debatte um die Zukunft des Trinkwassers hat sich ein wenig abgekühlt.

Der Töginger Stadtrat steht vor einer historischen Aufgabe: Die Trinkwasserversorgung muss langfristig fit gemacht werden für die Zukunft. Eine Versorgung über Flachbrunnen ist auf lange Sicht nicht mehr sinnvoll. Zum einen ist das Wasserschutzgebiet durch die Bebauungen der letzten Jahre (zum Beispiel die Logistikzentren von Netto und Hermes sowie der Autohof) nicht mehr haltbar. Zum anderen waren die Messwerte des Trinkwassers in den letzten Jahren eher schlecht.

Längst gibt es einen Grundsatzbeschluss, wonach zunächst die Versorgung mittels Tiefbrunnen geprüft werden und - sollte ein Tiefbrunnen nicht möglich sein - der Anschluss an die Altöttinger Gruppe angestrebt werden soll. Einstweilen informiert Bürgermeister Dr. Tobias Windhorst den Stadtrat regelmäßig über den aktuellen Stand beim Trinkwasser.

Stadt hat schon 1600 Euro gespart

Am Donnerstagabend brachte Windhorst den Stadträten (fast) nur gute Nachrichten mit. Sowohl der südliche als auch der nördliche Tiefbehälter sind erweitert, der nördliche ist mittlerweile auch schon ans Netz angeschlossen. Die Kapazität von insgesamt 2300 Kubikmetern ist unverzichtbar, weil der Verbrauch der Stadt an heißen Sommertagen laut Windhorst bei 2000 bis 2100 Kubikmetern liegt. Auch die Photovoltaikanlage auf dem Tiefbehälter ist im Einsatz. Seit dem 16. August hat sie immerhin 6700 Kilowattstunden Strom produziert. Die Stadt hat sich so Stromkosten von 1600 Euro gespart.

Eine Schlussrechnung zum Tiefbehälter gibt es noch nicht. Der Bürgermeister geht aber davon aus, dass man unter der Grobschätzung von 840.000 Euro "gut drunter" sei.

Notverbund geht bald in Betrieb

Der Notverbund mit Mühldorf ist so gut wie hergestellt. Die Leitungen stehen bereits und müssen nur noch befüllt und getestet werden. Danach gehen die Notleitungen in Betrieb. "Das wird die nächsten Tage oder jedenfalls Wochen der Fall sein", so Windhorst. In Zukunft werden die Leitungen immer befüllt sein, "damit sofort im Notfall eine Zuschaltung erfolgen kann", wie der Bürgermeister erklärte. Auch beim Notverbund liegt die Stadt laut Windhorst wohl unter der Kostenschätzung von rund 500.000 Euro.

Verbesserte Nitratwerte in Netz und Brunnen

Die große Frage aber, woher Töging in den nächsten Jahrzehnten sein Trinkwasser bekommen soll, ist weiter unbeantwortet. Der Stadtrat kann aktuell nicht handeln, weil ein wichtiges Gutachten fehlt. Ein Ingenieurbüro soll prüfen, ob ein Tiefbrunnen möglich ist. Bereits im Sommer hätte das Gutachten da sein soll. Weil der Ingenieur aber krank war, hinkt er seiner Arbeit hinterher. Die Machbarkeitsstudie soll laut Windhorst nun Anfang 2016 vorliegen. Der Bürgermeister kündigte an, dass es mit ihm jetzt keine weitere Fristverlängerung mehr gebe.

Vorübergehend können die Stadträte aber auch mit der aktuellen Versorgung zufrieden sein. Die Beprobung des Trinkwasser hat so gute Werte zu Tage gefördert, wie schon lange nicht mehr. Bei der Netzbeprobung im Herbst ergab sich eine Nitratbelastung von nur noch 30,5 Milligramm pro Liter. 2010 lag sie bei rekordverdächtigen 44,1 mg/l, im letzten Jahren waren es ebenfalls hohe 43,9 mg/l. Auch die Werte der einzelnen Brunnen waren bei deren Beprobung im Frühjahr überraschend gut. Brunnen fünf hatte im Wasser pro Liter nur 27,1 Milligramm Nitrat. "Solche Werte haben wir schon lange nicht mehr gelesen", sagte Stadtrat Stefan Grünfelder (CSU).

Heißer Sommer hat geholfen

Windhorst musste die Freude allerdings ein wenig dämpfen. Zum einen sei die Beprobung nur eine "Momentaufnahme". Die Werte könnten theoretisch zwei Tage später schon ganz anders sein. Zum anderen habe der "wahnsinnig wenige Regen" im Sommer dafür gesorgt, dass der Boden wenig ausgeschwemmt und das Wasser somit kaum belastet wurde.

Ein Abschied von den Flachbrunnen bleibt eine Frage der Zeit. Ob der Anschluss an die Altöttinger Gruppe nötig ist, oder ob Töging doch einen Tiefbrunnen bauen kann, wird die Machbarkeitsstudie zeigen, die Anfang 2016 vorliegen soll. "Wir gehen den Weg konsequent und klar weiter - und ich glaube, wir sind auf keinem schlechten Weg", so Windhorst.

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