Knapp 300 Teilnehmer waren mit dabei

Simulation eines Atomunfalls: Erste Strahlenschutz-Übung in Töging

+
Alle Freiwilligen, die als Opfer bei der Übung agierten, trugen ihre Gebrechen in Form eines Schildes um den Hals, sodass die Helfer entscheiden konnten, wie weiter zu verfahren ist.
  • schließen

Töging -  Knapp 300 Teilnehmer waren am vergangenen Wochenende bei der ersten Simulation eines Atomunfalls in Töging mit dabei.

190 Aktive verschiedener Rettungs- und Regierungsorganisationen aus Ober- und Niederbayern übten dabei die Erstversorgung von rund 80 freiwilligen Strahlenschutzopfern, die vom Landratsamt Altötting eingeladen worden waren. Dabei stand auch die Eignung der Töginger Mehrzweckhalle für ihre Tauglichkeit im Ernstfall auf dem Prüfstand: insgesamt 21 Gebäude rund um das Kernkraftwerk Isar 2 hat berücksichtigt die Regierung von Niederbayern bereits für die Planung eines GAU. „Bei der Töginger Halle um ein gutes Objekt!“, erklärte Alfons Völk aus der niederbayerischen Regierungshauptstadt Landshut. Mit dabei waren auch Beobachter von Organisationen aus benachbarten Landkreisen, wie Mühldorf oder dem Berchtesgadener Land. 

Überwältigt von der regen Teilnahme

Geprobt wurde der Ernstfall einer Havarie im nur rund 60 Kilometer von Töging entfernten Kernkraftwerk Isar 2, einem der leistungsfähigsten Atomreaktoren überhaupt: das Kraftwerk gehörte seit seiner Inbetriebnahme im Jahr 1988 immer zu den zehn(von mehr als 400) Reaktoren weltweit, die am meisten Bruttostrom pro Jahr produzierten. In den Jahren 1994, 1999-2004 sowie 2006, 2011 und 2013 führte er diese Liste sogar an. Nach den Plänen der Bundesregierung zum Atomausstieg soll das Kernkraftwerk nun spätestens Ende 2022 als einer der letzten von sieben noch im Betrieb befindlichen Atom-Meilern vom Netz gehen. Grund genug für die Regierung von Niederbayern, die drei Notfallstationsgruppen aus Straubing, Landshut und Bad Abbach in Übung zu halten und darüber hinaus ein weiteres Gebäude für die Eignung als Notfallstation zu inspizieren. 

Strahlenschutz-Übung in Töginger Mehrzweckhalle

Für die Halle in Töging spricht die Ebenerdigkeit, weshalb Helfer samt möglicherweise Schwerverletzten alle nötigen Stationen gut erreichen könnten. Zur Begrüßung am Samstag gegen 10 Uhr freuten sich Bürgermeister Dr. Tobias Windhorst(CSU) und der stellvertretende Altöttinger Landrat Konrad Heuwieser(FW) über die vielen Teilnehmer an der bezirksübergreifenden Übung. Johannes Matschenbauer, zuständig für den „technischen Katastrophenschutz“ im bayerischen Innenministerium war überwältigt von der regen Teilnahme so vieler Freiwilliger, die sich vom Altöttinger BRK nach den Vorgaben der Organisatoren noch hatten vorbereiten lassen, um ihrer individuellen Opferrolle authentisch gerecht zu werden.

 Töginger Feuerwehr würde im Ernstfall die Verkehrsführung übernehmen

Im Ernstfall müssten Ankommende insgesamt 18 Stationen durchlaufen, wo dann entschieden wird, was weiter mit ihnen geschieht. Die Töginger Feuerwehr würde im Ernstfall die Verkehrsführung übernehmen. An der Halle angekommen geht es für die Opfer dann erstmal durch einen Erste-Hilfe- Bereich, wo eine Sanitätseinheit Wunden und Verletzungen versorgt. Anschließend müssen die Opfer auf ihren Kontaminationsgrad hin überprüft wurden. Dabei werden sie nach dem Notfallplan der Regierung von Niederbayern in drei Gruppen eingeteilt. Während stark Kontaminierte dann sofort ihre Wertsachen und Kleidung abgeben und zum Duschen gebracht werden, kommt die mittlere Gruppe an eine weitere Nachweisstelle, wo der Verstrahlungsgrad nochmal genauer untersucht wird. „Oft ist es verstrahlter Staub in der Kleidung“, erläutert Alfons Völk. Sobald die gröbsten Strahlungsquellen entfernt oder abgewaschen wurden, dürfen die Opfer dann zu den Stationen, wo Nicht-Kontaminierte direkt hingeleitet wurden: mehrere Helfer arbeiten dort an Informations- und Erfassungsterminals, die vom Bundesamtes für Strahlenschutz auf dem aktuellsten Stand gehalten werden: so kam in Töging beispielsweise eine neue Software zum Einsatz, anhand derer mutmaßlichen Strahlenopfer auf einer Landkarte, die in Echtzeit das Strahlungsniveau darstellt, herausfinden können, wann und wie lange sie sich in kontaminierten Regionen aufgehalten haben. „Es gibt ja eine Vielzahl an Messstationen“, erklärte die Expertin Kathrin Meisenberger vom Bundesamt für Strahlenschutz. Bei einer abschließenden medizinischen Beurteilung wird anschließend entschieden, ob die Opfer nun ins Krankenhaus müssen. Diejenigen, die nicht betroffen sind, können dann mit dem BRK nach Angehörigen suchen oder werden über weitere Verhaltensmaßregeln geschult.

"Besonders unsere freiwilligen Opfer haben ihre Rolle hervorragend ausgefüllt

Im Falle der Notfallübung am vergangenen Wochenende war aber nach gut drei Stunden Schluss. Auf die Beteiligten, die noch nicht gleich wieder abgereist waren, wartete in der Fahrzeughalle der benachbarten Töginger Feuerwehr der Betreuungszug des BRK mit einer kräftigen Mahlzeit. Dort bedankten sich auch die Organisatoren bei den Teilnehmern: "Besonders unsere freiwilligen Opfer haben ihre Rolle hervorragend ausgefüllt und sind gut in den zugewiesenen Rollen aufgegangen“, sagte Bernhard Weber vom Katastrophenschutz im Altöttinger Landratsamt.

pbj

 

Zurück zur Übersicht: Töging am Inn

Auch interessant

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser

MEHR AUS DEM RESSORT