Unterschriftenaktion gestartet

Lärm macht krank: "Wir sind gegen die Abschaffung der Mittagsruhe!"

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Lärm macht krank: Bürger haben eine Unterschriftenaktion gegen die geplante Abschaffung der Mittagsruhe gestartet.
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Töging – Ist die bestehende Lärmschutzverordnung noch zeitgemäß oder kann die Mittagsruhe weg? Der Hauptausschuss findet: Kann weg. Eine Meinung, die nicht jeder in Töging teilt. Am Dienstag startet eine Unterschriftenaktion.

Update am Dienstag um 16.20 Uhr:

Leser haben nach den ausgelegten Listen gefragt. Die liegen derzeit in derBäckerei Göbel und in der Textilreinigung 2000 auf. Man wolle nur ein Zeichen setzen, heißt es von den Machern der Unterschriftenaktion und die Zeit sei knapp bis zur nächsten Stadtratssitzung, heißt es. Deswegen sei das ganze nicht ganz groß aufgezogen worden. Das Thema an sich sei aber dennoch wichtig

Erstmeldung:

Wir sind gegen die Abschaffung der Mittagsruhe-Zeiten in der ´Neufassung der Lärmschutzverordnung der Stadt Töging am Inn´“, steht auf den Listen der Unterschriftenaktion, die am Dienstag startet. Maßgeblich initiiert hat sie Werner Lehner. Auf der jüngsten Sitzung des Stadtrates hatte er das Thema im Rahmen der Bürgerfragestunde angesprochen. Weil er es aber nicht als Frage formulierte, bekam er eine Abfuhr. Daraufhin kündigte er an, das ganze schriftlich an den Ersten Bürgermeister Tobias Windhorst und die Damen und Herren des Stadtrates zu richten. Dieser Brief liegt der Redaktion von innsalzach24.de vor.

Hintergrund

Wie bereits berichtet, hatte sich der Hauptausschuss für den Wegfall der Mittagsruhezeiten in der neuen Fassung der Lärmschutzverordnung ausgesprochen. Die gilt jeweils 20 Jahre und muss 2017 neu aufgelegt werden. Bis jetzt noch gilt in Töging:

„Zum Schutz vor unnötigen Störungen sind ruhestörende Haus- und Gartenarbeiten im Gemeindegebiet an Werktagen (auch samstags)

  • im Sommerhalbjahr nur in der Zeit von 07.00 Uhr bis 12.00 Uhr und von 14.00 Uhr bis 20.00 Uhr und
  • im Winterhalbjahr nur in der Zeit von 07.00 Uhr bis 12.00 Uhr und von 14.00 Uhr bis 19.00 Uhr gestattet.“

In der neuen Fassung soll die Mittagsruhe von 12 bis 14 Uhr wegfallen. Das will Werner Lehner so nicht akzeptieren. 13 Fragen hat er in seinem Brief an Bürgermeister Windhorst und die Damen und Herren des Stadtrates gestellt und teilweise sehr ausführlich begründet. Sie sprechen das Thema an sich an wie etwa „Erscheint es nicht sinnvoll, erneut eine entsprechende Verordnung zu erlassen, die weiterhin zeitliche Beschränkungen für ruhestörende Haus- und Gartenarbeiten beinhaltet und diese sogar noch erweitert, da in diesem Zusammenhang immer wieder Lärmbeschwerden an die Stadt Töging a. Inn herangetragen werden?“

13 Fragen an Bürgermeister und Stadtrat

Weiter fragt Lehner nach möglichen Fehlern der Verwaltung. Beispiel: „Weshalb wurde von Seiten der Verwaltung im Satzungsentwurf (§ 1 Ruhestörende Haus- und Gartenarbeiten, Absatz 1) nicht auf die „Geräte- und Maschinenlärmschutz-Verordnung" (32. BImSchV) hingewiesen (sowie) die Betriebszeiten in Wohngebieten mit für 57 unterschiedliche Geräte- und Maschinenarten – u. a. auch für Rasenmäher, Laubsammler, Laubbläser, Heckenscheren und tragbare Motorkettensägen – unabhängig davon, ob die 57 unterschiedliche Geräte- und Maschinenarten mit Verbrennungs- oder Elektromotor betrieben werden?“

Auch die Hundehaltung und die damit verbundene, mögliche Lärmbelästigung fragt Lehner nach. Es geht ihm grundsätzlich darum, ob ein kategorischer Wegfall der Mittagsruhe nicht dem vernünftigen Gespräch unter Nachbarn den Boden unter den Füßen wegreiße. Soll heißen, ein vernünftiges „Kannst Du das vielleicht später machen, es ist Mittagsruhe“, gibt’s dann nicht mehr, nicht beim Nachbarn und auch nicht von dem beauftragten Firmen, die beispielsweise Renovierungsarbeiten vornehmen.

Schließlich geht Lehner in seinem Brief auch noch auf den gesundheitlichen Aspekt von Lärm ein: „Lärm ist unerwünschter, unangenehmer oder schädlicher Schall und ist die häufigste Berufskrankheit und neben dem Rauchen das zweitgrößte Risiko für Herzerkrankungen. Nicht nur Gehörschäden, auch Unwohlsein, Konzentrations- und Schlafstörungen – nicht nur für Babys, Kleinkinder, Schichtarbeiter, Berufstätige, Rentner und Kranke, usw. – können die Folge sein.“

Unterschriftenaktion

Auf seiner Oktobersitzung hat der Stadtrat die Abstimmung über die neue Lärmschutzverordnung vertagt. Bis dahin wollen Lehner und seine Mitstreiter Unterschriften sammeln 

  • für eine Mittagsruhe von 13 bis 15 Uhr von Montag bis Freitag. 
  • An Samstagen sollen sogenannte „ruhestörende Haus- und Gartenarbeiten“ von 7 bis 15 Uhr gestattet sein aber nicht zwischen 12 bis 13 Uhr

Nachgefragt heißt es gegenüber innsalzach24.de zu der Unterschriftenaktion, dass man sehr wohl wisse, dass die Zeit knapp ist bis zur nächsten Stadtratssitzung. „Wir wollen dennoch ein Zeichen setzen.“ Die Unterschriftenaktion startet in diesen Minuten. Die Listen werden ausgelegt oder die Menschen direkt angesprochen.

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