Der Friedhof in Töging ist kein Einzelfall

Der Buchsbaumzünsler sorgt für Unruhe an der letzten Ruhestätte

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Auf dem Friedhof in Töging: Hier treibt der Buchsbaumzünsler sein Unwesen.
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Töging - Unruhe an der letzten Ruhestätte: Der Buchsbaumzünsler sorgt auf dem städtischen Friedhof für Ärger. innsalzach24.de hat nachgefragt.

Er ist der Albtraum eines jeden, der einen Buchsbaum sein Eigen nennt: der Buchsbaumzünsler. Dabei handelt es sich um einen äußerlich eher unspektakulären Falter, der nur rund eine Woche zu leben hat, nachdem er aus dem Kokon geschlüpft ist. Das eigentliche Problem sind die Raupen, also der Falter VOR der „Verwandlung“.

Unruhe auf der letzten Ruhestätte

Die Raupen des Buchsbaumzünslers fressen die Blätter, teilweise auch die Rinde an den Ästen und sogar kleine Zweige. Ergebnis im schlimmsten Fall: Der Buchsbaum geht ein. Das ist aber noch nicht alles. Hat der Buchsbaumzünsler erst einmal Einzug gehalten, kriegt man ihn nicht mehr so schnell los. Noch etwas: Dieser Schädling Nummer Eins der europäischen Gartenkultur – aus dem Ausland eingeschleppt – verbreitet sich Berichten zufolge rasend schnell. Zum Problem wird das nicht nur unter Nachbarn, die beide Buchsbäume haben, sondern auch auf dem Friedhof, also auch unter „Nachbarn“.

Wenn sich der Buchsbaumzünsler an einem Baum eingenistet hat, besteht Gefahr eines Übersprungs auf die Nachbarn. 

Auf der jüngsten Stadtratssitzung in Töging am Inn machte die Zweite Bürgermeisterin Renate Kreitmeier auf dieses Problem aufmerksam. Es gebe Unmut bei denen, welche die Gräber ihrer Angehörigen regelmäßig pflegen über die, die das nicht so oft tun: Die kranken, weil vom Zünsler befallenen Buchsbäume auf den Gräbern und Freiflächen, sollen weg.

„Rausreißen ist eine Möglichkeit, aber …“

Clemens Jobst vom Kreisverband für Gartenbau und Landespflege Altötting  sieht das anders. Er ist Fachberater für genau dieses Thema und sagt auf Nachfrage von innsalzach24.de: „Nicht jede vom Buchsbaumzünsler befallene Pflanze muss entfernt werden.“ Sein allgemeiner Tipp lautet: „Beobachten“. Es gebe verschiedene Möglichkeiten dem Problem Buchsbaumzünsler Herr zu werden. Die Pflanze an sich zu entfernen sei eine gangbare Möglichkeit aber in vielen Fällen wohl nicht die Beste. Besser:

  • den Buchs lieber erst einmal zurückschneiden, 
  • Eiernester manuell entfernen und im Frühjahr dann wachsam sein, so Jobst.

Vieles möglich aber einiges nicht erlaubt

Eine generelle Lösung für einen Friedhof gebe es nicht. So sei es nicht möglich, auf die chemische Keule zurückzugreifen. Das hat laut Jobst rechtliche Gründe: 

  • Die Stadt ist Eigentümerin des Friedhofes
  • Sie verpachtet die Grabparzellen. Der Friedhof ist damit öffentlicher Grund
  • Auf öffentlichem Grund dürfen für den heimischen Garten möglicherweise zugelassene Spritzmittel aber nicht eingesetzt werden

Es gebe zwar Möglichkeiten der Ausnahmegenehmigung für eine Kommune in Bezug auf Einsatz von Chemie aber in diesem speziellen Fall nicht ohne mindestens – wenn überhaupt – Einverständnis eines jeden Grabparzellen-Pächters. Rund 2.000 davon gibt es in Töging inklusive der Urnen. Letztere wären freilich außen vor.

War bei dieser Grabeinfassung mit Buchsbaum der -zünsler am Werk. Der Fachmann am Landratsamt Altötting sagt zu diesem Foto: "Das ist durchaus möglich."

Ob die Vernunft siegen wird?

Auf Nachfrage von innsalzach24.de sagt der Erste Bürgermeister Tobias Windhorst zu diesem Thema, dass er gerne ganz allgemein an die Vernunft der Bürgerinnen und Bürger appellieren wolle. Egal ob eigener Garten oder die gepachtete Grabparzelle: Dieses rechtlich sehr diffizile Thema sei am besten zu lösen, indem jeder, der in irgendeiner Weise davon betroffen ist, Eigenverantwortung übernimmt, vom Buchs im Garten bis zu dem auf dem Friedhof. Die konkreten Maßnahmen unterliegen hierbei Recht und Gesetz. Nicht desto weniger trotz stehe diese Thema seit der jüngsten Stadtratssitzung auf der To-Do-Liste.

Der Expertentipp:

Ob der für verloren geglaubte Buchsbaum noch zu retten ist, sieht man laut Clemens Jobst ganz einfach, wenn man mit dem Fingernagel oder einem Messer die Rinde eines Zweiges oder Astes anritzt

  • Ist das Innenleben drunter braun gefärbt, dann ist der Buchs tot. 
  • Ist es grünlich gefärbt, dann lebt die Pflanze und hat nach entsprechender Pflege und der oben bereits genannte Wachsamkeit im nächsten Jahr eine neue Chance verdient.
Dieser Buchbaum scheint laut Clemens Jobst nur tot. Sein Rindentest würde Aufschluss bringen. 

rw

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