Resolution zur Landwirtschaftsschule

Stadtrat fordert faire Chance für Töginger Landwirtschaftsschule

Beim Tag der offenen Tür im November 2019 gab es viele Besucher(hier in einem "Hauswirtschaftsraum" im Erdgeschoß).
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Beim Tag der offenen Tür im November 2019 gab es viele Besucher(hier in einem "Hauswirtschaftsraum" im Erdgeschoß).

Auf seiner Julisitzung hat der Töginger Stadtrat am Donnerstagabend ausführlich auch über die von einer Schließung bedrohte Landwirtschaftsschule diskutiert.

Bürgermeister Tobias Windhorst hatte eine Resolution vorbereitet, zu der es einige Verbesserungvorschläge gab. So wollte beispielsweise der Dritte Bürgermeister, Werner Noske(SPD), den Passus "zunächst für drei Kalenderjahre" gestrichen wissen, um klar zu stellen, dass man an einem dauerhaften Erhalt des Standortes interessiert ist.


CSU-Stadtrat Martin Huber(MdL) schlug wiederum vor, dass es für die Zukunft des Standortes wichtig sei, "in der Sache mal wieder weniger emotional" zu werden. Auch er sei von der Entscheidung, die Schule zu Schließen, seitens der Staatsregierung überrascht worden. Anhand der von ihm seitens der Staatsregierung angeforderten konkreten Zahlen, könne man nun aber eine realistische Zukunftsplanung für das "Grüne Zentrum" in Töging angehen: dass es in zwei bis drei Jahren voraussichtlich keinen Landwirtschaftszweig mehr gebe, sei angesichts der Zahlen durchaus denkbar. Damit aber zumindest das Bildungsprogramm Landwirtschaft(BiLa), weitere Fortbildungsmöglichkeiten und der Hauswirtschaftszweig nicht nur erhalten bleiben, sondern sogar gestärkt werden, habe er schon bei Staatsministerin Michaela Kaniber(CSU) vorgefühlt. "Die Ministerin hat mir signalisiert, dass ein einzigartiges Pilotprojekt für ein digitales Landwirtschaftszentrum gefördert werden könne", so Huber.

Um die Vorteile des Standortes herauszustellen, verabschiedete der Stadtrat anschließend eine einstimmige Resolution. Für den weiteren Antrag, dass die im Text befindliche Passage zur dreijährigen Befristung gestrichen werden solle, sprachen sich aber nur die fünf SPD-Stadträte aus, die allerdings anschließend auch dem Vorschlag von Bürgermeister Tobias Windhorst(CSU) mit allen anderen Stadträten zustimmten. Hier die Resolution im Wortlaut:


Der Stadtrat der Stadt Töging a. Inn lehnt eine Schließung der Landwirtschaftsschule in Töging ab. Die vorliegenden Schülerzahlen rechtfertigen eine Schließung nicht. Die ursprüngliche Vorlage des Bayerischen Staatsministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten zur Neuausrichtung und Modernisierung der Landwirtschaftsverwaltung basiert auf einem Rechenfehler bei den Schülerzahlen an der Landwirtschaftsschule Töging, der vom Ministerium mittlerweile auch eingeräumt wurde.

Was spricht für den Standort Töging? 1. Beste Qualität bei Schulleitung, Lehrkräften und Lehrmitteln: Die Landwirtschaftsschule Töging weist zwei Lehrsäle, einen Computerraum, einen Aufenthaltsraum und einen Sportraum auf. Lehrsäle und Büros der Hauptlehrkräfte liegen nahe beieinander, so dass ein reger Austausch möglich ist. Der Landkreis Altötting als Sachaufwandsträger steht hinter der Landwirtschaftsschule und ist gernebereit, den Sachaufwand auch weiter zu tragen. Die Schule ist im Rahmen der Breitbandförderung mit einem eigenen Breitbandanschluss ausgestattet. Daher entscheiden sich auch Schüler aus anderen Landkreisen (z.B. aus Erding) bewusst für die Landwirtschaftsschule in Töging. Da die Schule in Landshut geschlossen wird, sind weitere Anmeldungen in Töging zu erwarten. 2. Grünes Zentrum Töging: Vor 15 Jahren ist das Grüne Zentrum in Töging errichtet worden – als zentrale Anlaufstelle in Fragen der Landwirtschaft für zwei Landkreise. Eine solche vorbildliche Struktur gibt es nur an wenigen Standorten in Bayern. Alle wichtigen landwirtschaftlichen Einrichtungen und Verbände sind an einem zentralen Standort zusammengefasst worden – das ist auch heute noch ein zukunftsfähiges Modell. Bestandteil ist die Landwirtschaftsschule. 3. Gute Erreichbarkeit und Infrastruktur: - Die Landwirtschaftsschule Töging ist durch Autobahn, Bundesstraße und Schiene bestens angebunden. - Die Schülerinnen und Schüler finden eine ideale Parkplatzsituation vor. Selbst bei vollem Schulbetrieb reichen die Parkplätze aus. - Die Kantine Töging, ein Restaurant mit täglich drei verschiedenen Mittagsmenüs, ist nur ca. 100 m vom Amtsgebäude entfernt und wird von den Studierenden rege genutzt. Für die außergewöhnlich gute Küche und die kurzen Wege wird das Grüne Zentrum von Besuchern beneidet. Der große Saal der Kantine steht der Landwirtschaftsschule für die jährlichen Abschlussfeiern zur Verfügung. Hinzukommt das Café Netzwerk, ebenfalls in unmittelbarer Nähe. 4.„RmbH“: Gerade im Hinblick auf die Regionalisierungsstrategie der Bayerischen Staatsregierung ist der Plan, die Schule in Töging zu schließen, unverständlich. Töging ist als „Raum mit besonderem Handlungsbedarf (RmbH)“ eingestuft, ebenso wie der gesamte Landkreis Mühldorf. Hier Einrichtungen zu Gunsten von solchen in Ballungsräumen (Erding) zu schließen, widerspricht dem Ziel der Staatsregierung, gleichwertige Lebensbedingungen in Stadt und Land zu schaffen.

Unser Vorschlag: 1. Wir laden Sie, Frau Staatsministerin, gerne nach Töging a. Inn ein, um sich selber ein Bild vor Ort zu machen, insbesondere von der vorbildlichen Gesamtstruktur des „Grünen Zentrums“. 2. Wir wollen keine Ewigkeitsgarantie für den Standort Töging – eine solche kann es in Zeiten wie diesen nicht geben. Wir wollen aber eine faire Chance für Töging; daher unterstützen wir den Vorschlag, zunächst für drei Kalenderjahre einen Weiterbetrieb der Schule zu gewährleisten – um danach offen und ehrlich anhand aktueller und richtiger Zahlen zu diskutieren und zu entscheiden, ob und wie es weitergeht. In diese Entscheidung sollen dann auch die Mandatsträger eingebunden werden, ebenso wie die Betroffenen. Langfristiges Ziel ist eine dauerhafte Sicherung des Standorts Töging – diese kann gelingen, wenn alle Beteiligten an einem Strang ziehen.

Peter Becker

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